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Geschichte

Die größten DFB-Pokal-Erfolge der SpVgg Bayreuth

bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller blickt auf die größten DFB-Pokal-Erfolge der SpVgg Bayreuth zurück. Denn dabei gibt es mehr zu bieten als einen Sieg gegen den großen FC Bayern.

Mannschaftsfoto SpVgg 1976/1977. Archivfoto: Stephan Müller
Mannschaftsfoto SpVgg 1976/1977. Archivfoto: Stephan Müller

bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller blickt auf die größten DFB-Pokal-Erfolge der SpVgg Bayreuth zurück. Denn dabei gibt es mehr zu bieten als einen Sieg gegen den großen FC Bayern.


Die SpVgg Bayreuth im DFB Pokal: Mehr als nur ein Sieg gegen Bayern München

Die SpVgg Bayreuth und der DFB-Pokal. Ja, ja, das wissen wir schon, werden jetzt viele Bayreuther Fußball-Fans sagen. Ja, es wurde schon x-mal durchgenudelt, dass die Altstädter im Januar 1980, also vor genau 40 Jahren, das Starensemble des FC Bayern mit 1:0 aus dem DFB-Pokal geworfen haben. Schneebedeckter Boden. Torschütze Uwe Sommerer. Wissen wir schon.

Das ist schön und war zweifellos auch das Highlight in der Bayreuther DFB-Pokalgeschichte, aber man sollte die Fußballer aus den „goldenen Pokal-Zeiten“ der SpVgg Bayreuth nicht auf dieses eine Spiel reduzieren. Denn von 1976 bis 1983 sorgten die Gelb-Schwarzen in der DFB-Pokal-Runde nicht nur einmal für Furore. bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller blickt zurück auf die erstaunlichsten Pokal-Erfolge der Oldschdod. 

Hochkarätige Gegner der SpVgg Bayreuth

Der FC Bayern München holte bislang 19 Titel im DFB-Pokal, Werder Bremen war sechsmal erfolgreich, Schalke 04 siegte in fünf DFB-Pokal-Endspielen. Die SpVgg Bayreuth konnte bislang noch keinen Titelgewinn im DFB-Pokal auf ihrem Wimpel abdrucken.

Nachdem die Altstädter also auch ihren besten Zeiten immer mal ausscheiden mussten, rentiert sich umso mehr ein Blick auf jene Fußball-Vereine, die dafür verantwortlich waren:

  • FC Kaiserslautern (1972/73)
  • SV Darmstadt 98 (1973/74)
  • Schalke 04 (1974/75)
  • Karlsruher SC (1975/76)
  • Rot-Weiß Essen (1976/77)
  • Karlsruher SC (1977/78)
  • Bayer 04 Leverkusen (1978/79)
  • Schalke 04 (1979/80)
  • VfB Stuttgart (1980/81)
  • Werder Bremen (1981/82)
  • Hertha BSC Berlin (1982/83)
  • FC Augsburg (1983/84)
Rolf Kaul im Trikot der SpVgg Bayreuth. Archivfoto: Stephan Müller
Manfred Größler von der SpVgg Bayreuth. Archivfoto: Stephan Müller
Herbert Horn im Trikot der SpVgg Bayreuth. Archivfoto: Stephan Müller

SpVgg Bayreuth bis zum Viertelfinale des DFB-Pokals

Um gegen solche namhaften Gegner ausscheiden zu können, muss man natürlich erst einmal weit kommen. Ein besonderer Blick lohnt sich dabei auf die Jahre 1976 bis 1983:

In dieser Zeit erreichten die Gelb-Schwarzen zweimal das Viertelfinale (Aus gegen die Bundesligisten Rot-Weiß Essen und Schalke 04), einmal das Achtelfinale (Aus gegen Werder Bremen), und dreimal die Runde der letzten 32 Mannschaften.

Nur einmal – nämlich im Pokalwettbewerb 1980/81 – scheiterten die Bayreuther bereits in der 2. Hauptrunde mit einem 1:3 gegen den VfB Stuttgart.

Mannschaftsfoto von 1977/1978. Archivfoto: Stephan Müller

So weit kam die SpVgg Bayreuth im Pokal von 1976 bis 1983 

  • 1976/77 = Viertelfinale (Letzte 8)
  • 1977/78 = Letzte 32
  • 1978/79 = Letzte 32
  • 1979/80 = Viertelfinale (Letzte 8)
  • 1980/81 = 2. Hauptrunde
  • 1981/82 = Achtelfinale (Letzte 16)
  • 1982/83 = Letzte 32

Und nun geht es ins Eingemachte. Die wichtigsten Highlights in der Bayreuther DFB-Pokal-Geschichte:

1972/73 – Die Fast-Sensation gegen Kaiserslautern

Beinahe wäre den Gelb-Schwarzen fast eine Riesensensation gelungen: Nach dem 4:2-Pokalheimsieg über den Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern scheiterte die Truppe am Modus des DFB, der damals noch Vor- und Rückspiel vorsah: In Kaiserlautern verloren Größler und Co. im Rückspiel bei den Brüdern Heinz und Klaus Topmöller und Co. mit 0:4 Toren.

1974/75 – Das Duell gegen Schalke 04

In der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde bekam die SpVgg den FC Schalke 04 zugelost. Im neuen Städtischen Stadion erzielte Sichmann in der 62. Minute den Führungstreffer. Helmut Kremers (77.) und Klaus Fischer (88.) sorgten bei sehr zweifelhaften Schiedsrichterleistungen noch für den Favoritensieg der Köngsblauen.

1976/77 – Der erste Viertelfinal-Einzug

In der Saison 1976/77 sorgte die SpVgg im Pokal aber richtig für Furore: Mit den Neuzugängen Damjanoff und Milardovic schaltete die Truppe von Trainer Gerhard Happ in den ersten drei Runden Kickers Offenbach (4:4 n.V. auswärts im Hinspiel und ein 4:1-Heimsieg im Wiederholungsspiel), den SSV Reutlingen (2:1) und Hassia Bingen (2:1) aus.

Im Achtelfinale schlugen die Gelb-Schwarzen den FC Augsburg mit 2:0 Toren und feierten mit dem Viertelfinal-Einzug einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Neben der SpVgg Bayreuth waren der FC Bayern München, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC Berlin, der 1. FC Nürnberg, Bayer Uerdingen, Rot-Weiß Essen und der 1. FC Nürnberg im Lostopf.

Die Altstädter bekamen den Bundesligisten Rot-Weiß Essen mit ihrem Torjäger Horst Hrubesch (18 Saisontore) zugelost. Über 10.000 Zuschauer sahen im Städtischen Stadion das spannende Viertelfinale, das mit einer knappen 1:2-Niederlage für die Bayreuther endete. Das Siegtor erzielte Lund erst in der 82. Minute. Rot-Weiß Essen scheiterte dann im Halbfinale an dem späteren DFB-Pokalsieger 1. FC Köln mit 0:4 Toren.

1978/79 – Aus im Spitzenspiel der Zweitligisten

Auch in der Saison 1978/79 lief es für die SpVgg im DFB-Pokal sehr gut. Durch lockere Siege über den SV Haidlfing und dem FV Melsungen entschied das Los, dass die Gelb-Schwarzen in der dritten Runde zu Bayer 04 Leverkusen reisen mussten. Leverkusen wurde am Ende dieser Saison unangefochten Meister in der 2. Liga Nord, die SpVgg Bayreuth bekanntlich Vizemeister in der 2. Liga Süd. Ein echtes Spitzenspiel also, das die „Werkself“ gewann. Vor 7.100 Zuschauern mussten Größler, Sommerer, Kaul und Co. eine knappe 0:1-Niederlage hinnehmen.

SpVgg-Mannschaftsfoto von 1978/1979. Archivfoto: Stephan Müller

Leverkusen setzte sich im Achtelfinale locker gegen die TuS Neuendorf (4:1) durch und scheiterte im Viertelfinale am späteren DFB-Pokalsieger Fortuna Düsseldorf mit 1:2 Toren. Seit 1979 spielt Leverkusen ununterbrochen in der Bundesliga.

1979/1980 – Nach Sieg über den FC Bayern bis ins Viertelfinale

Einige Monate später nach der unglücklichen 1:2-Niederlage im zweiten Qualifikationsspiel in Krefeld sorgte die SpVgg Bayreuth am 12. Januar 1980 ein zweites Mal für Aufregung im Bundesgebiet. Vor 17.400 Zuschauern warfen die Altstädter mit einem 1:0-Heimsieg den FC Bayern München mit all seinen Stars aus dem Pokalwettbewerb. Die Mannschaftsaufstellung der Millionentruppe von 1980: Junghans, Aas, Weiner, Augenthaler, Horsmann, Niedermeyer, Dürnberger (Dremmler), Breitner, Hoeness, Janzon, Rummenigge. Wer setzte gegen den FC Bayern nur einen Pfifferling auf die SpVgg Bayreuth?

Als schlechter Verlierer erwies sich damals Trainer Pal Csernai, der die Schuld für die Niederlage nur in dem Schneeboden im Städtischen Stadion suchte. Kein Wort darüber, dass Hoeness in Kaul, Rummenigge in Bleckert oder Janzon in Hofmann ihre Meister fanden und dass seine Truppe nach dem Führungstor von Uwe Sommerer in der 22. Minute noch viel Zeit zum Ausgleich gehabt hätte. Trainer Heinz Elzner, Wolfgang „Bobby“ Breuer und Reinhard Brendel präsentierten sich noch am gleichen Abend mit stolzer Brust im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF.

Erstaunlich gut konnten die Altstädter im Viertelfinale beim FC Schalke 04 mithalten. Den Führungstreffer von Höfer (6.) glich Herbert Horn kurz nach der Halbzeitpause (46.) aus. Als es so schien, dass Gelsenkirchens Journalisten schon eine Fahrt zum Wiederholungsspiel nach Bayreuth buchen müssen, fielen plötzlich in der Schlussphase noch zwei glückliche Treffer für den Bundesligisten, die den 3:1-Endstand und das Scheitern der Gelb-Schwarzen bedeuteten. Bei der anschließenden Betrachtung der Sportschau im Mannschaftsbus stellten Vizepräsident Werner Hacker und Schatzmeister Gerhard Förster mit Bedauern fest, dass der SpVgg in diesen letzten sieben Minuten nicht nur das Wiederholungsspiel in Bayreuth sondern damit wohl auch über 200.000 Mark durch die Lappen gegangen sind. Im Halbfinale unterlag Schalke zu Hause gegen den 1. FC Köln.

Die Mannschaft der SpVgg von der Saison 1980/1981. Archivfoto: Stephan Müller

1981/82 – Die Revanche gegen Bayer 05 Uerdingen – Achtelfinale

Enorm viel Zündstoff lag in der ersten Pokalpartie in der Runde 1981/82. Zwei Jahre nachdem sich Bayer 05 Uerdingen im Bundesliga-Aufstiegsspiel gegen die SpVgg Bayreuth durchgesetzt haben, kam es im Pokal zu einer Neuauflage im Städtischen Stadion. Diesmal ließen die Gelb-Schwarzen aber keinen Zweifel an einem Sieg. Sommerer (7.) und Schmitz (13.) per Foulelfmeter sorgten für eine schnell 2:0 Führung. Nach dem Anschlusstreffer von Hofmann (58.) stellte Sommerer in Schlussminute den 3:1-Endstand her.

Durch Siege über die Amateure des VfB Stuttgart (2:1) und über den VfB Oldenburg (2:0 n.V.) bekam die SpVgg im Achtelfinale einen Kracher zugelost. Beim SV Werder Bremen waren Größler, Scheler, Hermandung und Co. aber chancenlos. Kostedde sorgte mit einem Doppelschlag (17., 19.) für den Sieg der Bremer.

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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