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Streit um Franz-Liszt-Museum in Bayreuth: “Warum sollten wir Museen restaurieren, in die eh keiner rein geht?”

Das Franz-Liszt-Museum ist stark sanierungsbedürftig. Im Kulturausschuss wollte Kulturreferent Benedikt Stegmayer eigentlich nur einen kurzen Zwischenstand des Sanierungsprojekts mitteilen.

Das führte jedoch zu heftigen Diskussionen. Helmut Zartner (DU) meinte dazu: “Warum sollten wir Museen restaurieren, in die eh keiner rein geht? Da könnte man mal was für die Bürger tun und lieber eine öffentliche Toilette reinbauen.”

Keine konkreten Pläne für die Sanierung des Franz-Liszt-Museums

Das Franz-Liszt-Museum sei sehr sanierungsbedürftig, erklärt Bayreuths Kulturreferent. Wann das Hochbauamt die Kapazitäten haben wird, um die Sanierung durchzuführen, stehe aber noch nicht fest. “Stand heute könnten wir in diesem Jahr noch die Förderanträge stellen und dann die Maßnahme ab 2021 beginnen”, sagt Stegmayer. Außerdem müsse noch diskutiert werden, was mit dem Obergeschoss des Gebäudes passieren solle. Denn bis vor wenigen Monaten war der Wohnraum vermietet.

Daher gäbe es zwei Optionen. Bei der ersten werde das Obergeschoss als Museum mit genutzt, bei der zweiten hingegen nicht. Eines stehe jedoch schon jetzt fest: “Eine der Förderungen fällt auf jeden Fall weg, wenn das Obergeschoss nicht museal genutzt wird”, sagt Stegmayer. Der Kulturreferent könne sich vorstellen, dass die oberen Räumlichkeiten für Kulturpädagogische Zwecke genutzt werden können. Bei einer nicht musealen Nutzung würden der Stadt Einnahmen ins Haus stehen, wie hoch diese sein würden, wisse momentan aber niemand.

“Wir stochern im Nebel”

Deswegen stellte sich für einige Anwesende die Frage, warum das Franz-Liszt-Museum überhaupt besprochen werde. Vor allem wenn der Beschluss der Sanierung bereits vor drei Jahren gefasst wurde und die Sanierung selbst keinesfalls vor 2021 beginnen könnte? “Der Tagesordnungspunkt hätte heißen sollen “Franz-Liszt-Museum – Wir stochern im Nebel”, kritisiert Thomas Hacker (FDP).

Er versteht nicht, warum das Franz-Liszt Museum anderen Museen vorgezogen würde. “Alle Museen sollten angeschaut werden”, befand er. Zudem müsse das Chamberlain Haus viel dringender saniert werden. Außerdem fände er es wichtig, dass sich damit beschäftigt werde, was mit den Museen gemacht werden solle. “Der Zwischenstand tut mir fast schon weh”, resümiert er.

Toilette statt Museum

Helmut Zartner kritisierte, dass Franz Liszt eher Burgenland und Österreich sei, als Bayreuth. “Warum kümmern wir uns überhaupt um das Haus?”, fragt er den Kulturreferenten und die Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Da sei zufällig mal einer drin gestorben, der sonst nichts mit Bayreuth zu tun hätte. Er fragt sich zudem, warum so eine Totenkultur betrieben werde und nichts für die Lebenden getan werde. Deswegen warf er in den Raum, dass eine öffentliche Toilette für die Bürger eher sinnvoll wäre, als Museen, in die sowieso keiner reinginge. Benedikt Stegmayer wollte diese Anregung mit aufnehmen.

Im Kreisausschuss Bayreuth sorgte die niedrige Umlage und ein Fehlbetrag in Höhe von 3,2 Millionen für Streit.

 

“Uns nimmt keiner ernst”: Schreibmaschinenmuseum muss umziehen

Das Deutsche Schreibmaschinenmuseum muss umziehen. Auf dem jetzigen Gelände plant die Stadt Bayreuth den Neubau des Stadtarchivs. Doch die Suche nach neuen Räumlichkeiten gestaltet sich schwierig.

1.400 Exemplare mit großer Geschichte

Bereits in den 30er-Jahren gründete sich der Verein Forschungs- und Ausbildungsstätte für Kurzschrift und Textverarbeitung e.V. in Bayreuth und war in der Kanalstraße ansäßig. In den 80er-Jahren zog das Deutsche Schreibmaschinenmuseum dann in die Bernecker Straße in St. Georgen um, wo es bis heute zu finden ist.

Auf dem Anwesen des ehemaligen Leer’schen Waisenhauses findet man aktuell das Schreibmaschinenmuseum. Foto: Susanne Monz

Über 1.400 Exemplare gibt es dort zu bestaunen. Von klassischen Schreibmaschinen bis hin zu einem asiatischen Modell oder einer besonderen Schreibmaschine für Musiker, die Noten abdruckt. Das älteste Ausstellungsstück stammt von 1876.

Unsere Sammlung ist einzigartig. Das ist ein Kulturgut, was erhalten bleiben muss.

(Jörg Heimler, Geschäftsführer Forschungs- und Ausbildungsstätte für Kurzschrift und Textverarbeitung e.V.)

Einzigartiges Kulturgut

In den 90er-Jahren übernahm die Stadt Bayreuth das Deutsche Schreibmaschinenmuseum mitsamt der Bibliothek als Dauerleihgabe vom Verein. “Das Museum ist einzigartig in Deutschland. Das wusste auch die Stadt damals zu schätzen und sorgte deshalb vertraglich dafür, dass es in Bayreuth bleiben sollte”, verrät Jörg Heimler, Geschäftsführer des Vereins im Gespräch mit dem bt.

Über 1.400 Schreibmaschinen sind im Besitz des Deutschen Schreibmaschinenmuseums. Foto: Susanne Monz

Neues Stadtarchiv für Bayreuth

Jetzt soll das Schreibmaschinenmuseum aber zugunsten des Stadtarchivs weichen. Da das Gebäude des Stadtarchivs baufällig ist wurde nach neuen Grundstücken gesucht und man wurde auf das Schreibmaschinenmuseum aufmerksam. 2017 kamen dann die Verantwortlichen der Stadt erstmals mit der Nachricht auf den Verein zu, dass auf dem Grundstück in der Bernecker Straße das neue Stadtarchiv entstehen soll. “Man wird aber für uns sorgen, hieß es von der Stadt”, so Jörg Heimler.

Gespräche gestalten sich schwierig

Zwei Jahre später ist die Enttäuschung bei den Ehrenamtlichen des Schreibmaschinenmuseums groß. Denn Gespräche fanden seit 2017 keine mehr statt. Stattdessen habe man immer wieder auf Seite des Museums versucht an die Stadt heranzutreten und den aktuellen Stand zu erfragen.

2019 gab es ein Angebot für Räume in der Schlossgalerie. Allerdings hätten wir da nur ein paar Vitrinen aufbauen können. Das wäre kein Museum.

(Jörg Heimler, Geschäftsführer Forschungs- und Ausbildungsstätte für Kurzschrift und Textverarbeitung e.V.)

Man habe das Gefühl, das sich das Verhältnis zwischen Stadt und Verein seit den 90ern extrem verändert habe. “Uns nimmt keiner mehr Ernst”, ist sich Jörg Heimler sicher. Das Grundstück sei groß genug, um beide Einrichtungen unterzubringen. Doch darauf sei die Stadt nicht eingegangen, berichtet Heimler weiter.

“Suchen schnellstmöglich nach einer Lösung”

Benedikt Stegmayer, Kulturreferent der Stadt Bayreuth, lenkt ein: Man bedaure es, dass die Gespräche hinsichtlich eines Umzugs vergleichsweise spät stattgefunden haben. Trotzdem arbeite man mit Hochdruck an passenden Lösungen, sodass schnellstmöglich eine Einigung entstehen könne.

Wohin mit dem Schreibmaschinenmuseum? Noch gibt es keine Einigung zwischen Stadt und Museum. Foto: Susanne Monz

Natürlich ist es schade, dass man in der Vergangenheit keine Lösung finden konnte. Aber ich hoffe, wir schaffen das jetzt zeitnah.

(Benedikt Stegmayer, Kulturreferent Bayreuth)

Laut Angaben des Schreibmaschinenmuseums soll im Januar 2020 soll es ein Angebot seitens der Stadt erfolgen. Wie genau das aussieht, ist noch nicht bekannt.

Goldkronach: Ein Park für Alexander von Humboldt

In Goldkronach soll ein Museumspark entstehen. Gewidmet wird dieser Park Alexander von Humboldt, dem weltbekannten Forscher, der zwischen 1793 und 1796 Direktor der Bergämter Goldkronach, Naila und Wunsiedel war. Auf einer Informationsveranstaltung wurde nun auch den Bürgern dieser Plan näher gebracht.

Bürgermeister Holger Bär zeigte sich beeindruckt von dem starken Interesse der Bürger, der Saal in dem Gasthof Meister Bär war durchaus gut gefüllt.

Ich bin überwältigt von dem Zuschaueransturm. Es zeigt, dass der Humboldt-Park auf reges Interesse stößt.

(Holger Bär)

Die Idee eines Parks stehe laut Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Fördervereins „Alexander von Humboldt Museumspark“, schon lange im Raum. Goldkronach sei sich wie keine andere Stadt in Franken des Humboldtschen Erbes bewusst, so Koschyk. Symbolisch zeige die Stadt mit der Namensvergabe an Schulen, Apotheke oder einem Gasthaus schon lange die Zugehörigkeit zu Alexander von Humboldt.

Ziel des Parks sei es aber nun, gemeinsam mit dem Goldbergbau-Museum, den Besucherbergwerken und dem Rundwanderweg den Besuchern eine Möglichkeit zu geben, einen ganzen Tag in Goldkronach auf den Spuren von Alexander von Humboldt zu wandeln.

Doch warum ausgerechnet ein Park? Humboldt gelte als Neu-Erfinder der Natur. Daher sei es nur logisch dies in einem Park zum Ausdruck zu bringen.

Diskussion mit Hartmut Koschyk; Foto: red/sj

Dieter Blase, Planer des Projekts, stellte dann das Konzept des Parks vor. Der Museumspark soll auf einem Gelände von 1,5 Hektar seinen Platz im Barockgarten des Schlosses und einem daran angrenzenden städtischen Grundstück finden. Ziel sei es, die Verbindung zwischen Oberfranken und Südamerika, einem Land, das Humboldt gerne erforscht hat, sichtbar zu machen.

Oberfranken meets Südamerika

Der Park wird in zwei Bereiche aufgeteilt: Der bisherige Barockgarten soll unter dem Motto „Oberfranken in Europa“ stehen und aus Beeten und Wegen bestehen. Das Nachbargrundstück soll Südamerika und den Dschungel darstellen. Dabei wird das Bild eines Urwalds gezeichnet und die Natur so weit belassen wie sie ist. Spielinseln, die angelehnt an die kleinen Hütten sind, in denen Humboldt oftmals übernachtet hat, sollen Kinder und Jugendliche ansprechen.

Ein Meer aus blauen Blütenpflanzen

Zu den Highlights sollen unter anderem Mitmachbeete, ein Weidentunnel, Blütenmeere sowie eine Vulkanlandschaft zählen. Abgerundet wird der Museumspark dann durch ein Veranstaltungs- und Besucherzentrum „Casa Humboldt“ mit Seminarräumen, einem Gastro-Angebot, sowie einem Museumsshop und Toiletten. Der ganze Park soll außerdem barrierefrei und eingezäunt sein und in der Vegetationszeit der Pflanzen – zwischen März und Oktober – geöffnet sein.

Durch Förderprogramme finanziert

Eine endgültige Entscheidung des Stadtrates zu dem Projekt steht noch aus. Die Gesamtinvestitionen für die Parkanlage belaufen sich auf 1,8 Millionen Euro. Dabei werden aber fast 90 Prozent durch verschiedene staatliche Förderprogramme finanziert. Für die Goldkronacher Bürger soll es spezielle Eintrittspreise geben. Kritische Stimmen, in wie weit sich das Projekt selbst trägt und die Finanzierung realistisch ist, wurden auf Seiten der Bürger, trotzallem laut.

Abwarten, ob wir uns den Eintritt überhaupt leisten können…

(interessierter Bürger der Info-Veranstaltung)