Mythos Braunbierhaus: ein Skelett, ein Schwindler, ein Selbstmord

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Lucas Ochmann, 26 Jahre alt, will ein neues Restaurant in dem altehrwürdigen Braunbierhaus eröffnen. Es handelt sich um Bayreuths vielleicht interessantestes Gebäude. Das Haus kann grausige und skurrile Geschichten erzählen, wie wohl kein zweites in der Stadt.

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Ein grausiger Fund

Das Braunbierhaus gilt als das älteste noch bestehende Haus der Stadt. Erstmals urkundlich erwähnt wird es im Jahr 1250. Ursprünglich soll es zum Schutz einer Burg gebaut worden sein, die es längst nicht mehr gibt. Um das Jahr 1910 wurde in dem Haus ein mehrere Jahrhunderte altes Skelett gefunden – und zwar eher zufällig. Damals zog ein neuer Mieter ein, der seine Möbel aber nicht durch den niedrigen Hausflur brachte. Als man den Gang in der Höhe erweiterte kam das Skelett zum Vorschein. Forscher vermuten, dass es beinahe so alt wie das Gebäude selbst sein könnte. Angeblich soll vor über 700 Jahren ein Graf von Nürnberg einen Vogt von Bayreuth wegen Mordes bestraft haben, wie das Bayreuther Tagblatt um 1940 berichtete. Bei dem Skelett könnte es sich also um das Opfer des Vogts handeln. Nachzulesen ist die Geschichte auch in dem Buch „Dunkel Geschichtenaus Beyreuth“ von Stephan Müller und Gordian Beck.

Gourmet folgt auf Mode-Chef

In der jüngeren Vergangenheit gingen dann viele Mieter ein und aus. Nachdem die Brauerei Schinner das Haus nach 20 Jahren nicht mehr weiter pachten wollte, folgten als Pächter nacheinander der frühere Geschäftsführer des Modehauses Operpaur (dem heutigen RW21) und der Bayreuther Gastronom Karl-Heinrich Herpich. Letzterer betrieb schon damals wenige Meter weiter in der Friedrichstraße das „Herpichs“, ein Lokal der gehobenen Klasse.

Pächter mit Haftbefehl

Dann zog im Frühjahr 2010 die Firma Femto ein und das altehrwürdige Braunbierhaus erlangte deutschlandweite Bekanntheit. Denn der Geschäftsführer der Firma war erst zwei Jahre zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden. Beim Versuch, sich in Bayreuth eine Existenz aufzubauen, baute er ein undurchsichtiges Fimengeflecht auf. Der damals 50-Jährige beteiligte sich zeitgleich in der Solarbranche, als Immobilienverwalter und eben als Gastronom im ältesten Haus der Stadt. Das Hauptproblem des Betrügers: Er verkaufte Investoren Solaranlagen und Dachflächen, über die er gar nicht verfügte. Vor Gericht war später von einem Schaden in Millionenhöhe die Rede, der auch deshalb so hoch ausfallen konnte, weil in der Solarbranche damals eine regelrechte Goldgräberstimmung herrschte. Bis sich der Betrüger vor Gericht verantworten konnte, lieferte er sich eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei. Diverse Medien aus dem In- und Ausland berichteten darüber. Der Mann wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht und zunächst in Österreich festgenommen, wo er jedoch eine Krankheit vortäuschen und aus einem Krankenhaus fliehen konnte. Erst Jahre später geriet er bei Nürnberg in eine Polizeikontrolle, rammte einen Polizeiwagen und wanderte schließlich in den Bau.

Ehepaar ohne Personal

In der Zwischenzeit baute die Gewog, der das Haus schon damals gehörte, die Gasträume in den oberen drei Stockwerken zu Wohnungen um. Die nächsten Pächter eröffneten dann im Erdgeschoss des Braunbierhaus eine Brasserie und hielten drei Jahre durch, bevor sie 2015 kein Personal mehr fanden und schließen mussten.

Selbstmord im Lokal

Im Jahr 2016 sperrte ein Paar das Braunbierhaus wieder auf. Die Frau nahm sich kurz nach Weihnachten 2017 im Braunbierhaus das Leben. Sie wurde nur 40 Jahre alt.