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Magazin/Historisch-Stadtteile

Warum Moritzhöfen in der Bayreuther Stadtgeschichte eine ganz besondere Bedeutung hat

Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile? In Teil zehn der Stadtteil-Serie blickt bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller auf Moritzhöfen.

Bayreuths Stadtteil Moritzhöfen mit dem Wilhelm-Leuschner-Geburtshaus. Foto: Susanne Monz
Bayreuths Stadtteil Moritzhöfen mit dem Wilhelm-Leuschner-Geburtshaus. Foto: Susanne Monz

Die Moritzhöfe haben ihren Namen von einer Familie Marold erhalten. Dies beweist ein Eintrag im ersten Landbuch von 1398. Dort heißt es: „Maroltz Hofe, derselbe Hofe gehört mit dem Halsgericht und anderem Gericht, als denne Herkommen ist, gen Bayreuth…“.

Der große Hof hatte Grundstücke bis in den heutigen Ortsteil Birken und umfasste das Gebiet um das ehemalige Frankengut hinter der heutigen Jugendherberge und dem Kreuzsteinbad. Ab dem 15. Jahrhundert wechselten in Moritzhöfe mehrfach die Besitzer.

Häufiger Besitzerwechsel in Moritzhöfe

Ab 1402 heirateten sich dort die Plassenberger, ein Zweig der auf der Plassenburg ob Kulmbach ansässigen Herrschaft, ein.

Im Jahr 1485 verkaufte Hans Kellner, Schwab genannt, zu Guttenthau den Hof „samt Grund und Boden, Mannschaft, Zinsen, Nutzen, Gerechtigkeiten und allen Zugehörungen für 690 Gulden Böhmisch, dazu 8 Gulden Leikauf“ an den Stadtrat Bayreuth.

Zehn Jahre später erhob Götz von Plassenberg Einspruch gegen diesen Vertrag, strengte einen Rechtsstreit an und erreichte durch ein markgräfliches Urteil eine Rückgabe. Die Steuern musste der Plassenberger jedoch weiter an die Stadt Bayreuth zahlen und der Magistrat durfte die „armen Leute“ des Maroldshofes nicht mit Fron- und Waffendiensten belegen.

Hof von der Stadt niedergebrannt

Während des „Markgräflerkrieges“ wurde der Maroldshof 1553 wie viele andere Anwesen rund um Bayreuth zum Zweck einer besseren Verteidigung der Stadt von eigener Hand niedergebrannt.

Im ältesten Stadtplan von 1605 sind bereits wieder sieben Anwesen als neue Siedlung Moritzhöfen erkennbar. Dabei hatte das Spital in Moritzhöfen und „auf der Birken“ durch „Schenkungen und Erwerbungen Höfe und Zugehörungen“ erhalten.

Große Bedeutung in der Bayreuther Stadtgeschichte hat Moritzhöfen durch das Geburtshaus von Wilhelm Leuschner. Foto: Susanne Monz

Geburtshaus von Wilhelm Leuschner

In der Stadtgeschichte nimmt der Stadtteil „Moritzhöfen“ durch das Geburtshaus des von den Nationalsozialisten ermordeten Sozialdemokraten Wilhelm Leuschner (heute Gedenkstätte) und das Hagengut eine große Bedeutung ein.

Das Hagengut wurde nach dem Kammer- und Bankrat Christoph Heinrich Hagen benannt. Sein Enkel Erhard Christian von Hagen war später der erste rechtskundige Bürgermeister von Bayreuth. Der Park und das Gartenhaus des Hagenguts war einer der Lieblingsplätze von Jean Paul, der von dort aus noch einen ungehinderten Blick bis zur blauen Bergkulisse der Königsheide im Fichtelgebirge hatte.

Erster Sportplatz in Bayreuth

In der Chronik der Bayreuther Turnerschaft hat Moritzhöfen einen besonderen Platz. Der am 13. Januar 1861 gegründete Verein erhielt schon wenige Wochen später die Genehmigung zur Errichtung eines Turnplatzes in Moritzhöfen. Am 8. März 1861 wurde zudem „wohlwollend“ mitgeteilt, dass die Kommune die Kosten dafür übernehmen werde. Am 13. Oktober 1861 veranstaltete der Turnverein auf dem Sommerturnplatz in Moritzhöfen sein „erstes Abturnen“:

Das Bayreuther Tagblatt sprach von „Turnerische Kraft, Gewandtheit und Wagemut bekundeten sich anziehend für Kenner und Nichtkenner, in den mannigfachsten Formen.“

Die Bayreuther Turner 1869. Foto: Bayreuther Turnerschaft

Genau 20 Jahre nach den Turnern gründete sich die Schützengesellschaft Moritzhöfen von 1881. Schützen und Turner hatten den „Bier-Schmidt“ in Moritzhöfen als Gesellschaftslokal. Der „Bierschmidt“ umfasste die Brauerei Schmidt, Moritzhöfen 10 (Stammhaus), aus der später die „Kreuzbräu“ hervorging, und die Gaststätte Bierschmidt, Moritzhöfen 8. Mit dem Kegelclub Moritzhöfen trug noch ein weiterer Sportverein fast 100 Jahre den Namen „Moritzhöfen“ im Vereinswappen. Er wurde inzwischen ebenso aufgelöst wie der Schützenverein. Das Vermögen der im Jahr 2013 aufgelösten Schützengesellschaft – darunter auch gut 50 historische Schützenscheiben aus 132 Vereinsjahren – ging satzungsgemäß an die Vereinigten Schützengilden Bayreuth, die vor 70 Jahren im Jahr 1950 aus der Fusion der Schützengilden von Bayreuth und St. Georgen entstanden waren.

Stephan Müller

Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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