Serien, Kolumen und Formate  aus Bayreuth und für Bayreuth

Irrtum in der Stadtgeschichte: Ein Brandherd, der kein Brandherd war

Wegen eines Schreibfehlers von Gottlieb Heinrich Hagen nehmen noch immer viele an, dass der erste große Stadtbrand in Bayreuth in der Brautgasse entstanden ist. Doch das ist falsch: Die Gasse gab es 1605 nämlich noch gar nicht.

bt öffnet Türen: Auf dem Bayreuther Flugplatz

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Fliegen für Deutsche erstmal verboten. Im Jahr 1953 hat die Luftsportgemeinschaft Bayreuth (LSG) dann von den US-Amerikanischen Besatzern aber doch die Genehmigung erhalten, am Bindlacher Berg Segelfliegen zu dürfen. Heute, rund 66 Jahre später, starten an gleicher Stelle immer noch Flugzeuge und fliegen von Bayreuth in die weite Welt.

Der Bayreuther Flugplatz. Foto: Redaktion.

Im Anzug in den Flieger

In Bayreuth starten natürlich keine riesigen Airbusse in Urlaubsdomizile, aber dennoch gibt es am Bindlacher Berg rund 11.000 bis 15.000 Flüge jährlich. Das sind zum einen arbeitsbedingte Flüge, die besonders bei gestressten Geschäftsleuten sehr beliebt sind, wie uns ein Experte aufklärt. Da müsse man sich weder für Staus noch für Fahr- oder Flugpläne interessieren. Man fahre einfach zum Flughafen, dort warte der Pilot und man könne starten.

Fliegen als Hobby

Zum anderen würden auch viele Hobbyflieger in Bayreuth halt machen. Dabei sei man hier sehr gut vernetzt, wie ein Mitarbeiter des Towers erzählt. Da fliege dann ein Bayreuther zum Beispiel mal nach Augburg, weil es da am Flugplatz ein leckeres Steak gibt. Im Gegenzug fliegt der Fuggerstädter dann wiederum nach Bayreuth und isst am Flugplatz ein Schnitzel. Denn das sei eben in Bayreuth besser.

Die Geschichte des Flugplatzes

Seit 1973 ist die Stadt Bayreuth Halter des Flugplatzes und baute das Gelände immer weiter aus. Neben mehreren Start- und Landebahnen gibt es heute zahlreiche Neuerungen wie den Kontrollturm, Hangars und vergrößerte Bahnen. Die Bedingungen am Flugplatz Bayreuth sind so gut, dass im Jahr 1999 sogar die Segelflugweltmeisterschaft in der Wagnerstadt ausgetragen wurde.

Das bt-Team war einen Tag am Flugplatz vor Ort und hat den Mitarbeitern dort über die Schulter geblickt. Das Video dazu finden Sie über dem Text.

 

Wirtsgogl-8

Wirtsgogl G’schichtla: Auf den Spuren des Bilmesschneiders

Adrian Roßner, Foto: Privat

Adrian Roßner ist einer der jüngsten Heimatforscher Deutschlands und kommt aus der Region: In unserer bt-Serie „Wirtsgogl-Gschichtla“ gibt er uns regelmäßig Einblicke ins seinen Fundus:  kuriose Geschichten, unglaubliche Erzählungen und Besonderheiten aus unserer Region.

In dieser Folge begibt sich Adrian Roßner auf die Suche nach dem Bilmesschneider.

Hier die aktuellste Geschichte des Wirtsgogl als Text und als Podcast zum Anhören.

 

 


Wirtsgogl-Gschichtla #8 zum Anhören

Auf den Spuren des Bilmesschneiders”

Endlich hat, nach einem langen und kalten Winter, der Frühling Einzug im Fichtelgebirge gehalten und bringt wieder Leben in die eisig-erstarrte Natur. Nicht umsonst war die Fastnacht im Brauchtum unserer Ahnen der eigentliche Neubeginn des Jahres – markierte sie doch den Übergang zu jener Zeit, in der die Arbeit des Alltags endlich die winterliche Eintönigkeit ablöste. Neue Verträge mit den Knechten und Mägden wurden abgeschlossen, die Gerätschaften für den baldigen Einsatz auf dem Feld vorbereitet und mancherorts ertönte bereits das wohlbekannte blecherne Geräusch, das beim Dengeln der stumpfgewordenen Sensen entstand. Die dunkle Jahreszeit schien hinter den Menschen zurückzubleiben und mit ihr auch die Angst, die allen voran während der „12 Nächte“, des Übergangs also vom alten zum neuen Jahr, um sich gegriffen hatte. Und dennoch war man auch nun, wo die Sonne schon recht früh ihre zaghaften Strahlen durch das austreibende Gehölz sandte, nicht vor dem Aberglauben gefeit. Ganz im Gegenteil: Gerade in jener Zeit, die durch die Aussaat des lebenswichtigen Getreides geprägt war, soll ein Dämon sein Unwesen in unserer Heimat getrieben haben, dessen bloße Nennung den Alten einen unangenehmen Schauer über den Rücken jagte: Der Bilmes.

Bilmesschneider

Der Bilmesschneider. Foto: Adrian Roßner

Es gibt viele Namen für diese geisterhafte Erscheinung, die sich allen voran dadurch auszeichnete, dass sie ganze Ernten binnen nur einer Nacht vernichten konnte. Neben „Bilmesschneider“ ist es auch als „Bilwers“, „Bilwis“ oder „Bilmets“ bekannt und soll zudem in vielerlei Formen aufgetaucht sein. Manche Sage berichtet von einem Hasen, der an seinen Läufen kleine Sicheln aufwies, mit deren Hilfe er die Ähren der jungen Getreidehalme abschnitt. Andere wollen eine menschenähnliche Gestalt erkannt haben, deren bloßes Erscheinen großes Unglück ankündigte; und wieder andere meinten, allein ein schwarzer Schatten sei es gewesen, der wie ein Wirbelwind ihren gesamten Feldertrag zunichte gemacht hatte.

Historischer Hintergrund für die Erscheinung des Bilmes

Wie bei solchen Erzählungen üblich, ist die Suche nach dem wahren Kern oder aber einer historischen Tatsache, die die Vorlage geliefert haben könnte, beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Interessant jedenfalls ist die bloße Verbreitung des Bilmes: Ebenso wie die Schrezelein (auch Strietzela oder Schrazln genannt), der Hähmann oder aber die Drud taucht er in beinahe allen Regionen des Fichtelgebirges auf und ist nicht etwa ortsgebunden, was auf einen Ursprung verweist, der überregional bekannt gewesen sein muss. Hanicka beispielsweise sieht einen thüringischen Brauch als mögliche Ursache: So wären dortige Bauern in der Johannisnacht mit Sicheln an den Füßen über die Felder geschritten, um einen „Brotsegen“ zu erwirken. Erst im Nachhinein, so der Sagenforscher weiter, wäre aus diesem ursprünglichen Schutzritual ein Schadenszauber geworden. Tatsächlich gibt es verschiedene Hinweise, die auf eine menschliche Beteiligung bei Bilmes-Erscheinungen hindeuten. So hat sich im Münchberger Stadtarchiv ein einzigartiges Dokument erhalten, das recht detailliert über einen Prozess gegen einen angeblichen Bilmesschneider berichtet – die Krux freilich ist, dass der Akt nicht etwa aus dem 17. Jahrhundert stammt, sondern in das Jahr 1857 datiert und damit einen der letzten Hexerprozess in ganz Bayern protokolliert.

Der Fall um Johann Georg Meier

Der Fall dreht sich um Johann Georg Meier, der vom örtlichen Polizeisoldaten Förstel angezeigt worden war, nachdem dieser gesehen haben will, wie ersterer des Nachts seltsame Rituale auf seinem Feld praktiziert und dabei einen schwarzen Gegenstand geschwenkt hat. Nachdem der Fall – vermutlich von einem den weltlichen Dingen aufgeschlossenerem Richter – ohne Urteil ad acta gelegt worden war, bezichtigte nunmehr Meier (in bester Gerichtsshow-Manier) Förstel des Rufmordes und strengte eine Neu-Aufnahme des Prozesses an. Der überrumpelte Polizeisoldat zog daraufhin, schlicht, um seiner Ehre willen, mehrere Zeugen aus dem Hut, die schließlich gar zu Protokoll gaben, dass sie gesehen haben wollen, wie Meier mit dem Teufel höchstselbst paktiert und ihm die Buhlschaft angetragen hatte. Letzteres sei durch einen Funkenflug aus dem Schornstein nur allzu deutlich zu erkennen gewesen. Damit hatte man endgültig alle Merkmale einer aufgeklärten, neuzeitlichen Gesellschaft hinter sich gelassen und sich wieder dem spätmittelalterlichen Aberglauben zugewandt.

Ähnlich des Teufelspaktes der angeblichen Hexen, die im 17. Jahrhundert auf manchem Scheiterhaufen brannten, wurde Meier der höchsten Sünde bezichtigt, was klar über die Zuständigkeit des einfachen Münchberger Landgerichtes hinausgegangen wäre. Nur logisch also, dass ein Urteilsspruch fehlt – und doch weist der Fall darauf hin, dass die Gestalt des Bilmes die Menschen nach wie vor in Atem hielt. Seltene Photographien des Walpenreuther Lehrers Paul Zahlaus aus den 1920er Jahren zeigen schließlich gar einen der namensgebenden „Bilmes-Schnitte“ auf einem Feld nahe Zell und beweisen damit den tief verwurzelten Glauben an allerlei Geister-Erscheinungen.

Bilmesschneider-02

Foto: Adrian Roßner

Es überrascht nicht, dass sich bis in die moderne Zeit auch einige Rituale erhalten haben, mit denen man sich vor der Macht des Dämons zu schützen versuchte. So beispielsweise heißt es im „Schreibbuch“ des aus Plößberg stammenden Johann Christoph Ächtner:

„die faßnacht vor der Sonnen aufgang gehe Hin zu Einer hasel staudten und Brich dier 3 ruthen aB und sbrich sie an wie volgett worde lauten [:] rudten ich Sbrich dich an ich brich dich ab mit gottes Krafdt mit Christi blutt du Sey mir vier alle Hexerey und bilmitz shneider gudt das sey dier zu buß gezeld.“

Ein Bannkreis zum Schutz

Weit verbreitet ist auch der Brauch, am „Pfingstheiligabend“ Stäbe mit Zaubersprüchen oder aber Palm-Ästchen in die Feldraine zu stecken, um damit eine Art von Bannkreis zu schaffen – und natürlich kommt auch die Arnika als Heilblume zum Tragen. So liest man in der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift von 1910: „Ende Juni hielt ich mich in Bischofsgrün im Fichtelgebirge auf; am 25. fand ich sämtliche Felder von Getreide und Kartoffeln […] mit blühenden Zweigen oder vielmehr Stengeln von Arnica montana besteckt. Eine Frau, die ich deshalb fragte, sagte, das sei Johanniskraut oder Hexenkraut und werde am Johannisabend eingesteckt, um die Feldfrüchte vor dem bösen Einfluß der Hexen zu schützen.“

Es fand demnach auch eine Gleichstellung der Dämonen-Erscheinung mit den weitverbreiteten Hexen statt, die man durch „Kannes“- oder „Johanniskraut“ zu vertreiben suchte. Unter diesem Ausdruck kann – grob zusammengefasst – alles verstanden werden, das an St. Johanni blüht bzw. austreibt und zu einer bestimmten Tageszeit gepflückt worden ist; es stellt eines der mächtigsten Heilmittel des regionalen Brauchtums dar. Was jedoch nach all jenen Erzählungen und Überlieferungen bleibt, ist die Frage nach der Herkunft eben jener Gestalt des sichelbewehrten Hasens, des neidhaften Zauberers oder aber auch der durchtriebenen Hexe.

Natürlich könnte man einmal mehr angeblich pagane Überlieferungen heranziehen, um die Gleichstellung der heidnischen Gottheiten mit höllischen Wesen zu erläutern, doch wird in Anbetracht der vornehmlich christlichen Besiedlung weiter Teile unserer Heimat der Kern ein anderer sein. Wie der Aberglauben generell, deutet auch der Bilmes auf die Eigenart der Menschen hin, an sich undeutbare Phänomene durch die Gegenwart übernatürlicher Wesen erklären zu wollen. Sobald demnach ein Bauer ein durch Hagel oder Wind verwüstetes Feld vorfand, war der Versuch, dieses Unglück der Existenz einer dunklen Macht zuzuschreiben, einfach zu verlockend.

Alles nur Aberglaube?

Freilich können wir heute nur über diese plumpen Versuche lachen – immerhin wissen wir, die wir die Angst vor dem uns umgebenden Wald beinahe komplett verloren und uns durch Wissenschaft zu den mächtigsten Wesen dieser Welt aufgeschwungen haben, mittlerweile vollkommen sicher, wer dafür verantwortlich zeichnet, wenn wieder einmal ominöse Kreise in manchen Kornfeldern auftauchen. Kein Bilmes, keine Hexe und kein fauler Zauber sind dafür verantwortlich, sondern Aliens, die unserer Welt einen Besuch abgestattet haben und anschließend wieder verschwunden sind. Es bleibt abschließend einmal mehr, Goethe zu zitieren, der schon vor 200 Jahren feststellte: „Der Aberglauben gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal mal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.“ Der Bilmes mag verschwunden sein – die Neugier des Menschen und seine Jagd nach der Entschlüsselung unbekannter Phänomene jedoch bleiben.


Text: Adrian Roßner

Wirtsgogl-Spezial: Bierbrauen – Gestern, heute und morgen

Adrian Roßner, Foto: Privat

Adrian Roßner ist einer der jüngsten Heimatforscher Deutschlands und kommt aus der Region: In unserer bt-Serie “Wirtsgogl-Gschichtla” gibt er uns regelmäßig Einblicke ins seinen Fundus:  kuriose Geschichten, unglaubliche Erzählungen und Besonderheiten aus unserer Region. Daneben doziert Roßner an der Universität Bayreuth. 

Vier seiner Studenten haben die neuste Folge im Rahmen des Seminars „Medien und Medienkompetenz im Unterricht“ angefertigt. 

 



Wirtsgogl-Spezial “Bierbrauen – Gestern, heute und morgen”zum Anhören


Außenansicht Maisel & Friends. Foto: Privat.

Im frühen Mittelalter waren es vor allem die Kirchen und Klöster, die das Handwerk des Bierbrauens praktizierten, da ihren Anlagen die nötigen Rohstoffe, Gerätschaften und Lagermöglichkeiten zur Verfügung standen. In den mittelalterlichen Städten wurde zunächst von privaten Haushalten nur zum Eigenbedarf gebraut. Später entwickelte sich das Bierbrauen nach und nach zu einem Gewerbe, was auch einzelne Hausbrauer motivierte für andere Bürger gegen Bezahlung zu brauen.

Mit dem Anstieg gewerblichen Brauens war es auch wichtig, einen gewissen Qualitätsstandard zu gewährleisten, was 1516 zum Reinheitsgebot führte. Jedoch benötigte man fürs Bierbrauen vielerlei Gerätschaften, die ständig instandgesetzt werden mussten, die Qualität des Bieres musste kontrolliert und die Steuer für den Bierausschank eingetrieben werden. Um all dies zu erleichtern, richteten die Kommunen Brauhäuser ein, in denen die Kommunbrauer gegen Bezahlung der Steuer und des sogenannten Kesselgelds abwechselnd ihr Bier brauen konnten.Im  18. und Anfang des 19. Jahrhunderts existierten in Bayreuth sechs kommunale Braustätten.  Vor allem Bäcker nutzten das Kommunbrauwesen und so kommt es, dass die Tradition der sogenannten Beckenbräuer noch von der Bayreuther Bäckerei Lang betrieben wird, die mehrmals im Jahr ihr Beckenbier ausschenkt. Im 19. Jahrhundert revolutionierten wissenschaftliche und technische Errungenschaften wie beispielsweise die Kühltechnik das Brauwesen. So wurde 1831 in Bayreuth die Bierbrauerei AG von Hugo Baierlein gegründet und 1887 gesellte sich dann die Brauerei Gebrüder Maisel hinzu.

Das Podcast Interview. Foto: Privat.


In einem Interview mit Inhaber Jeff Maisel erfahren wir mehr über die Geschichte des Familienunternehmens, Entwicklung der Biervielfalt und welch eine große Rolle Leidenschaft und Spürsinn für ihn spielen. Bei einer Bierverkostung erzählt uns der Sommelier Michael König von Maisels & Friends mehr über Craft Beer, die Sensorik von einzelnen Bierstilen und von dem innovativen Umgang mit neuen Rezepturen z.B. in Bezug auf Food-Pairing.



Erstellt von:
Maximilian Bär
Marco Hofmann

Lisa Kratzer
Theresa Rupprecht
Maximilian Vogel

Impressionen aus dem Maisel & Friends. Foto: Privat.

Regionale Zutaten für Wirsingrouladen

Saisonales Superfood: Was gibt’s in der Rotmainhalle?

Wenn man heute von gesunden Produkten oder Superfood spricht, haben viele die Avocado, Goji-Beeren, Chia-Samen oder ähnliches im Sinn. Dass aber auch in der Region, direkt vor der eigenen Haustür, echtes Superfood mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen steckt, gerät dabei oft ins Hintertreffen.

Heimisches Obst und Gemüse ist nicht nur frischer. Da es erst reif geerntet wird, schmeckt es intensiver und kann dem Körper mehr Nährstoffe bieten. Außerdem wird durch kürzere Transportwege unser Klima geschont. Ebenso müssen die Produkte bei kurzen Wegen nicht unnötig in Plastik verpackt werden. Besonders gut und umweltfreundlich ist es, auf Freilandgemüse zurückzugreifen. Denn ein direkter Vergleich zeigt: Produkte, die im Gewächshaus angebaut werden, schädigen die Umwelt bis zu 30 Mal mehr mit Kohlenstoffdioxid als die Freilandvariante. (Quelle: Verbraucherzentrale Bayern)

Wir haben uns mit Ernährungscoach Reinhard Frederking aus Pegnitz getroffen und uns am Wochenmarkt in der Rotmainhalle umgeschaut, welche Produkte aus der Region gerade verfügbar sind. Das Video dazu finden Sie über dem Text.


Rezept-Tipps von Reinhard Frederking

Ernährungscoach Reinhard Frederking

Foto: Reinhard Frederking

 

Wer die saisonalen Produkte gleich einmal ausprobieren möchte, für den gibt es hier einige vegetarische Rezepte von unserem Ernährungscoach.

 

 

1) Quiche mit Lauch & Sauerkraut

Eine vegane Variante des französischen Klassikers:

Quiche im Februar

Foto: Reinhard Frederking

Eine Quicheform mit Pflanzenmargarine bestreichen und gleichmäßig mit Semmelbröseln bestäuben. Dann eine Rolle Blätterteig in die Form geben. Eine Stange Lauch in Ringe schneiden und auf dem Teig verteilen. Etwa 100 Gramm gekochtes Sauerkraut hinzugeben. Das Ganze mit zwei geschnittenen Lauchzwiebeln bestreuen. Dann die Creme aus folgenden Zutaten anrühren: 1 TL Streuwürze, 1 TL Pfeffer, 1 TL Johannisbrotkernmehl (alternativ für Spreisestärke), 250 Gramm Sojacuisine (alternativ für Sahne), 150 Gramm Simply-V Kräutercreme (alternativ für Kräuterfrischkäse). Die Mischung auf der Quiche verteilen. Im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad Celsius auf Ober-/Unterhitze ca. 50 Minuten backen. Die Quiche schmeckt frisch aus dem Ofen oder auch kalt!

2) Gemüseeintopf

Der Gemüseeintopf bietet sich optimal an, um Reste vom Vortag zu verwerten:

Gemüseeintopf im Februar

Foto: Reinhard Frederking

Zwei mittelgroße Kartoffeln schälen, klein würfeln und mit Suppengewürz, Kümmel und Rapsöl marinieren. Dann eine Zwiebel in Scheiben schneiden und mit Rapsöl in einer Pfanne anbraten. Die Kartoffeln dazugeben. Anschließend eine gewürfelte Karotte sowie eine Pastinake, klein geschnittenes Weißkraut und einige Ringe Lauch der Reihe nach in die Pfanne geben. Das Ganze dann mit 1/2 bis 1 Liter Gemüsebrühe angießen, bis das Gemüse bedeckt ist. Etwa zehn Minuten köcheln lassen. Dann 100 Gramm kleingeschnittenen Grünkohl hinzugeben und weitere 20 Minuten köcheln lassen. Mit Pfeffer und Suppenwürze abschmecken. Am Ende mit gehackter Petersilie und etwas Schnittlauch garnieren. Dazu passt frisches Brot. 

3) Kleiner Salat mit Walnüssen

Als Vorspeise oder Beilage:

Beilagensalat mit Walnüssen

Foto: Reinhard Frederking

 

Eine Hand voll Feldsalat, einen halben Bund Portulak, einen Kopf Chicorée und zwei Stück Rote Beete waschen und in mundgerechte Stücke schneiden. Einige Walnüsse hacken und über das Gemüse streuen. Für das Dressing Balsamico-Essig, (Lein)öl, den Saft einer halben Zitrone, etwas (Rohr)zucker und eine kleine gehackte Zwiebel vermengen und schließlich auf dem Salat verteilen.

 

 

 

4) Wirsingroulade

Dazu passen Kartoffeln, Klöße oder Kartoffelstampf:

Wirsingroulade

Foto: Reinhard Frederking

Einen Wirsingkopf in einen Topf mit Wasser geben und zum Kochen bringen. 1 TL Salz dazugeben. Leicht köcheln lassen bis die Blätter weich und einrollfähig sind. Das Kochwasser aufheben und die Blätter vom Kopf lösen. 

Für die Füllung drei Scheiben Toastbrot und eine Zwiebel kleinschneiden und in pflanzlichem Streichfett in einer Pfanne anrösten. 200 Gramm Champignons putzen. Eine Hälfte mit Sojacousine (alternativ für Sahne) zu einer Creme pürieren, die andere Hälfte der Champignons würfeln.

Letztere zusammen mit den Toastbrotwürfeln, der Zwiebel, der klein gehackten Petersilie, 2 EL körniger Suppenwürze, Käutersalz und Pfeffer aus der Mühle in einer Schüssel vermengen. Falls der Teig zu flüssig ist, Semmelbrösel dazugeben.

 

 

Wirsingrouladen in der Form

Je zwei Wirsingblätter mit der Stielseite zueinander überlappend legen, würzen, mit der Masse füllen und zusammenrollen. Die Rouladen in  Rapsöl anbraten. Auf der Nahtseite in eine Auflaufform nebeneinander Schichten. Der Teig reicht für etwa acht Wirsingrouladen. Zwei halbierte Karotten und vier geschnittene Weißkrautblätter ebenso kurz anbraten und hinzugeben. Das Gemüse in der Form mit Kümmel, Pfeffer aus der Mühle und Kräutersalz würzen. Die Rouladen in der Form mit 200 ml Wirsing-Kochwasser angießen und bei 180 Grad Celsius Ober-/Unterhitze für 40 Minuten in den Backofen geben. Nach Belieben Soßenbinder unterrühren oder mehr Wirsingwasser nachgießen.

5) Kleiner bunter Salat

Fruchtig und teilweise saisonal:

Salat mit Orange

Foto: Reinhard Frederking

 

Eine Hand voll Feldsalat, einen Kopf Chicorée, eine Rote Beete und eine rote Paprika waschen und schneiden. Eine Orange filetieren und alles auf einem Teller anrichten. Mit Kürbiskernen oder Sonnenblumenkernen garnieren und mit etwas Orangensaft und Öl beträufeln.

Ach-Godderla-naa: Wie “Wafner” den Bayreuthern aufs Maul schaute

Was der frühere Tagblatt-Chef über das Wesen und den Dialekt der Bayreuther zu sagen hatte.

Kino, Cineplex, Alex Bauer, Neigschaut

Der Bayreuth-Tatort

Donnerstag ist Premierentag. Im Cineplex laufen die neuen Filme an. In dieser Woche gab es eine ganz besondere Vorstellung. Drei Wochen vor Erstausstrahlung in der ARD wurde der fünfte Franken-Tatort, der gleichzeitig der erste Bayreuth-Tatort ist, einem ausgewählten Publikum gezeigt. Karten dafür gab es nicht zu kaufen. bt-Filmkritiker Alex Bauer war mit zwei bt-Lesern dort und hat sich den Film für uns angeschaut.

Darum geht’s:

 

So hat der Film Patrick Lindthaler gefallen:

 

 

So hat der Film Petra Lindthaler gefallen:

 

Und bt-Filmkritiker Alex Bauer findet:

bt- Filmkritiker Alex Bauer.

“Der mittlerweile schon fünfte Franken-Tatort führt das Team um die beiden Ermittler Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) nun also endlich nach Bayreuth. „Ein Tag wie jeder andere“ heißt die Folge, die am 24. Februar dann im Ersten laufen wird. Für das Drehbuch verantwortlich war Erol Yesilkaya, der mit Regisseur Sebastian Marka schon einen München-Tatort zusammen gedreht hat. Ein eingespieltes Team könnte man also sagen, bei dem man sicher sein kann, dass es passt.

Viel soll über die Handlung nicht verraten werden, nur so viel: Der Rechtsanwalt Peters (Thorsten Merten) erschießt bei einer Verhandlung einen Richter, exakt eine Stunde später tötet er eine Wissenschaftlerin an der Universität – Voss und Ringelhahn machen sich auf die Jagd nach Peters und geraten dabei an ihre eigenen Grenzen, denn klar ist: das Morden wird nicht aufhören und hat System. Was folgt ist ein eineinhalbstündiges Spiel auf Zeit, das wenig Zeit zum Verschnaufen lässt.

Die Geschichte um Rache und Leid wird sehr packend erzählt, Durchhänger gibt es keine. Und: Man hat wirklich keine Ahnung, wie das Ganze ausgeht. Kann man nur loben eigentlich, hat man doch noch den ein oder anderen langweiligen Tatort im Kopf oder das Action-Gemetzel-Desaster von Til Schweiger.

Loben muss man auch die komplette Schauspielerriege: Hinrichs und Manzel ergänzen sich unglaublich gut – man sieht ihnen einfach gerne zu, wie sie harmonieren und auch ab und an aneinandergeraten. Mit Eli Wasserscheid (spielt Wanda Goldwasser), Andreas Leopold Schadt (spielt Sebastian Fleischer) und Matthias Egersdörfer (spielt Michael Schatz) ist natürlich das Franken-Trio auch wieder mit von der Partie, die den fränkischen Dialekt auch dem bundesweiten Publikum in entspannter Art und Weise näher bringt.

Apropos Dialekt und natürlich muss auch etwas über die Drehorte gesagt werden: Bis auf einen extrem fränkelnden Polizeipräsidenten hält sich das rollende R und das “Problem” mit dem D und T in Grenzen. Schön: Es wirkt nicht aufgesetzt und passt auch irgendwie zur Rolle.

Mit dem Landgericht, der Uni und dem Festspielhaus sind drei Orte zu sehen, die jeder Bayreuther sofort erkennt, sonst gibt es nicht sehr viel zu sehen von der Stadt. Nicht schlimm, man will ja keinen Stadtrundgang.

Insgesamt ist der fünfte Franken-Tatort wohl der beste der Reihe – da schwingt kein Lokalpatriotismus mit – es ist einfach das Zusammenspiel von Geschichte und hervorragender Besetzung, das „Ein Tag wie jeder andere“ so sehenswert macht.”

5 von 5 Sterne

Wirtsgogl-G’schichtla: Schatzsucher im Fichtelgebirge

Adrian Roßner, Foto: Privat

Adrian Roßner ist einer der jüngsten Heimatforscher Deutschlands und kommt aus der Region: In unserer bt-Serie “Wirtsgogl-Gschichtla” gibt er uns regelmäßig Einblicke ins seinen Fundus:  kuriose Geschichten, unglaubliche Erzählungen und Besonderheiten aus unserer Region. 

In dieser Folge widmet sich Adrian Roßner den Schatzsuchern im Fichtelgebirge. Lesen Sie hier die aktuellste Geschichte aus der Feder des Wirtsgogl:

 


Wirtsgogl-Gschichtla #7 “Von den Schatzsuchern des Fichtelgebirges” 

In der Zeit des ausgehenden Mittelalters hatte sich die Kunde über die geologischen Kostbarkeiten des Fichtelgebirges derart weit verbreitet, dass selbst ausländische Glücksritter, die getrieben von der Gier nach unermesslichen Schätzen ganz Europa bereisten, hierher verschlagen wurden. Diese sogenannten „Venediger“ oder „Walen“ gelten in ihrer Eigenschaft als mystische Alchemisten, die mittels geheimer Handwerkskünste, unverständlicher Rituale und seltsamer Zeichen wertvolle Minerale fördern konnten, bis heute als Kern mancher Sage. 

Reichtümer in Deutschlands Gebirgen

Wie bei vielen der althergebrachten Geschichten, so liegt auch diesen Erzählungen eine reale Tatsache zugrunde: Schon in den ältesten Beschreibungen des Fichtelgebirges, etwa von Caspar Bruschius oder Johann Pachelbel wird die Jagd jener Männer erwähnt, die „sich zu rühmen [pflegen], die Schätze und Reichtümer, die in Deutschlands Gebirgen verborgen liegen, seien ihnen als Fremdlingen besser bekannt, als uns Deutschen selbst. So sind auch des öfteren (sic!) von unseren Leuten solche Fremde auf dem Fichtelberg und in seiner Umgebung angetroffen worden, die diesen Berg und das Land herum durchforscht und erkundet haben.“  Dabei quartierten sie sich meist nur über die Sommermonate bei den hiesigen Bauern ein, denen sie in manchen Fällen, so unter anderem in Wülfersreuth, gar aus prekären Situationen halfen: Ein Wirt, der ihn einst bei sich aufgenommen hatte, musste damals mit einer finanziellen Notlage zurechtkommen, reiste nach Italien und wurde dort von seinem ehemaligen Gast mit Reichtümern überhäuft.

Dämonische Marken am Wegesrand

Es scheint demnach mehr ein freundliches Miteinander gewesen zu sein, das zwischen den seltsamen Welschen und den Fichtelgebirglern vorherrschte, wenngleich, wie oftmals der Fall gewesen, die Verstohlenheit der Ersteren in Zusammenhang mit der Neugier und der Unwissenheit der Letzteren zu manch üblen Anschuldigungen führten: So sah man in den seltsamen Zeichen, die die kundigen Schatzsucher überall anbrachten, um später die besten Plätze wiederfinden zu können, dämonische Marken, mit denen sie den Belzebub persönlich angerufen haben sollen, der ihnen dabei half, die Kostbarkeiten zu heben – tatsächlich war das „Schatzheben“ später eine Eigenschaft, die bei manch einem Hexenprozess, darunter der gegen Katharina Ailfferin aus Wunsiedel, die Anklage stütze. 

So geschah es letzten Endes, dass aus den freundlichen Venedigern durchtriebene Gesellen gemacht wurden, die man angeblich in Wirbelwinden durch den Wald fahren sah, die Kinder raubten und all jene Orte, an denen sie verweilten, verfluchten. 

Foto: Adrian Roßner.

Ein ominösen Zeichen des Ochsenkopfs?

Selbst im Ochsenkopf-Symbol, das als Namensgeber des gleichnamigen Bergrückens gilt, kann man, wie es unter anderem auch Helfrecht und Hanicka tun, eines jener ominösen Zeichen erkennen. Zwar dürfte das heute deutlich sichtbare Bildnis erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts dort oben angebracht worden sein, doch ist tatsächlich schon im 15. Jahrhundert von einem „Ochsenkopf“ nahe des „Schneeloches“ die Rede, was die Vermutung nahelegt, dass einst auch hier wertvolle Minerale gefunden worden sind. Hanicka zum Beispiel führt dieses Emblem, das ursprünglich aus drei Linien bestanden haben soll, auf das Zeichen für Merkur und Quecksilber zurück. Wenngleich man heute nicht mehr nachprüfen kann, wie genau das ursprüngliche Symbol ausgesehen haben mag, so ist diese Deutung dennoch einleuchtender, als jene der Herren Scherber und Zapf, die darin (einmal mehr) den Beweis für pagane Opferrituale zu sehen glaubten. 

Was bleibt?

Auch wenn also heute viele Spuren der Venediger verwischt oder in ihrer Bedeutung vergessen sind, so bleiben jene Gestalten dennoch durch Sagen und Mythen tief mit unserem Brauchtum verbunden und dienten gar bis in das 18. Jahrhundert hinein als sicherer Garant für Gold- und Silberfunde. Auch Jacob Heinrich Richter, der 1769 damit begann, an der Saalequelle zu graben und damit das heutige Aussehen jenes Areals entscheidend prägte, suchte einst aufgrund einer kurzen Erwähnung der Venediger in Pachelbels Werk nach buchstäblich sagenhaften Schätzen, von denen das Fichtelgebirge im Laufe seiner Geschichte nur einige wenige preisgegeben hat.  



Text: Adrian Roßner

Das Theater, das sich nur 20 Tage hielt

Im Jahr 1980 verspricht ein Mann den Bayreuthern Theater von Welt bei Sekt und Langusten und flieht nach 20 Tagen aus der Stadt. 

Wirtsgogl Gschichtla mit Winterhütte im Hintergrund

Wirtsgogl-G’schichtla: Ab auf die Piste!

Adrian Roßner, Foto: Privat

Adrian Roßner ist einer der jüngsten Heimatforscher Deutschlands und kommt aus der Region: In unserer bt-Serie “Wirtsgogl-Gschichtla” gibt er uns alle 14 Tage Einblicke ins seinen Fundus:  kuriose Geschichten, unglaubliche Erzählungen und Besonderheiten aus unserer Region. 

In dieser Folge widmet sich Adrian Roßner dem Wintersport im Fichtelgebirge. Hören Sie hier die aktuellste Geschichte aus der Feder des Wirtsgogl:

 


Wirtsgogl-Gschichtla #6 “Ab auf die Piste!” zum Anhören


Eine kurze Geschichte des Wintersports im Fichtelgebirge

Gemächlich kämpft sich das schwarze Ungetüm durch die meterhohen Klüfte, die, einer unsichtbaren Linie folgend, mitten durch die weiße Landschaft führen. Schnaubend und fauchend zum Stehen gekommen, entlässt der lange Wurm aus grünlich schimmernden „Donnerbüchsen“ unzählige befremdlich wirkende Menschen in die kalte Natur, die, mit Stöcken und abstrusen Holzkonstrukten bewaffnet, die Berge der Region erstürmen. Lange galt der Winter als dunkle, abweisende Jahreszeit, in der die Bewohner unserer Heimat sich meist in die mehr oder weniger gut beheizten Stuben zurückzogen, um der während des Sommers liegen gebliebenen Arbeit zu frönen. Nun jedoch, in der Belle Epoque, jener kurzen Ära des Friedens zwischen den beiden verheerenden Kriegen, hat sie einen ganz neuen Zauber entwickelt, der Besucher aus Nah und Fern in das Fichtelgebirge lockt.

Ausschlaggebend für diesen bis dato unbekannten touristischen Aufschwung waren in erster Linie die Stichbahnen, die, von den größeren Städten abgehend, auch entlegenere Dörfer und Marktgemeinden an der modernen Zeit teilhaben ließen. Sie waren es, die unsere Heimat in das 20. Jahrhundert führten, und das nicht allein, da sie die Ansiedlung erster Firmen und Fabriken ermöglichten, sondern auch, weil die vom Rauch und Dreck der wachsenden Metropolen fliehenden Urlauber mit ihnen schnell und zuverlässig die ländlichen Gebiete zur Erholung nutzen konnten.

Skifahren wird Ende des 19. Jahrhunderts populär

Waren es in der warmen Jahreshälfte allen voran die „Sommerfrischler“, die es in die heimischen Wälder zog, setzte sich bereits ab dem Ende des 19. Jahrhunderts das „Schifahren“ als Sportart während der kalten Wintermonate durch. Die betuchten Herrschaften strömten dabei zu den neu gebauten Bahnstrecken über den Furka- oder den Bernina-Pass, entlang derer die gründerzeitlichen Hotelpaläste beinahe wie Pilze aus dem Boden geschossen waren. Jene aber, die lediglich das pure sportliche Vergnügen anstrebten und auf den dekadenten Luxus alpiner Hotels verzichten wollten, besuchten das Fichtelgebirge. Allen voran die bis heute bekannte Region rund um den Ochsenkopf etablierte sich ab 1900 als beliebtes Ziel für Wintersportler, denen man schon bald ganze Züge zur Verfügung stellte, um die Reise möglichst angenehm und unkompliziert zu gestalten. In Warmensteinach schnauften 1907 die ersten dieser „Rodlerzüge“ in den Bahnhof ein und auch in anderen Ortschaften wurde die Eisenbahn für den Tourismus entdeckt. Zur besseren Organisation und der angemessenen Pflege der neuangelegten Pisten gründeten sich entlang der schneereichen Gipfel bereits kurze Zeit später erste „Skiclubs“, die auch die Ausbildung der Anfänger übernahmen.

Besonders verdient gemacht hat sich dabei der aus Bischofsgrün stammende Lehrer Ernst Höppl, der 1907 den Wintersportverein in seiner Heimatstadt aus der Taufe hob und auch bei der Planung weiterer Abfahrtsstrecken, darunter 1938 die Anlage in Sophienthal, beratend tätig gewesen ist. Für die Jugend etablierte man besondere Schischulen, was dazu führte, dass sich, angetrieben vom Adrenalin und dem Rausch der Geschwindigkeit, immer neue Sportarten entwickelten. Ab den 1930er Jahren kam daher vielerorts der Wunsch auf, neben den Abfahrten steile Rampen zu errichten, die es den Wagemutigen ermöglichen sollten, möglichst weit (auf Eleganz legte man zu jener eher weniger Wert, wie historische Filmaufnahmen zeigen) zu fliegen.

Einfach laufen lassen

In Bischofsgrün wurde 1933 eine erste Holzkonstruktion eingeweiht, die den seit den 1920er Jahren existenten „Sprunghügel“ ablöste, in Sophienthal konnte man die Schanze 1938 feierlich eröffnen und auch bei Weißenstadt entstand eine solche Anlage, von der sich leider nurmehr einige Photos erhalten haben. Der veränderte Zeitgeist machte währenddessen auch vor dem Wintersport nicht Halt: 1935 eröffnete man die „Adolf-Hitler-Skibahn“ am Waldstein, die in der überregionalen Presse als „Neubau“ bezeichnet wurde, der sich „mit jeder derartigen Bahn im Fichtelgebirge messen“ kann. Ein Problem war freilich die sehr geringe Breite, die keinerlei Ausweichen oder Schwingen während der Abfahrt ermöglichte. Somit blieb den Sportlern einzig übrig, es „laufen zu lassen“ und, wie manche Augenzeugen bis heute berichten, „zu brobiern, an Baam zer derwischn, wenn’s zer schnell gworn is.“ Mit dem steigenden Interesse der Wintersportler erlebten auch die Gipfelhäuser des Fichtelgebirgsvereins eine zweite Blüte: Waren die meisten davon ursprünglich als Ausflugsgaststätten für die Wanderer errichtet worden, die in den Sommermonaten die Wälder durchstreiften, öffneten nun immer mehr von ihnen auch während der kalten Jahreszeit ihre Türen und verbreiteten damit den Flair alpiner Gebirgslagen zu bezahlbaren Preisen. Teils wurde dabei gar eigens kreiertes „Skiwasser“ angeboten, wobei es sich faktisch um aufgeheiztes Leitungswasser mit einem Schuss Zitronensaft handelte, das jedoch bis heute Vielen wehmütige Erinnerungen zurückruft. 

Sessel- und Schlepplift-Betrieb am Ochsenkopf

Der Zweite Weltkrieg beendete schließlich die meisten dieser kleineren und vor allem lokal bedeutenden Unternehmungen, während sich die größeren Skigebiete aufgrund stetiger Investitionen und Verbesserungen bis heute behaupten können. Am Ochsenkopf befördern mittlerweile moderne Sessel- und Schlepplifte die Abfahrer auf den Gipfel, wo seit der Wintersaison 2007 Beschneiungsanlagen aushelfen, falls das natürliche Weiß nicht ausreichen sollte.

Der Wintersport hat damit tatsächlich eine lang zurückreichende Tradition im Fichtelgebirge und wenngleich die heutige Hightech-Ausrüstung für „Carving“, „Skijumping“ und „Freeriding“ nicht mehr viel mit jenen Holzbrettern zu tun hat, auf denen die Pioniere einst über die Pisten fegten, so tut es dennoch not, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, um ihre Anfänge zu verdeutlichen.



Text: Adrian Roßner