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Gessn werd dahaam

Gessn werd dahaam: Eine Bayreuther Bienensymphonie

In Folge 12 ist Christoph Scholz zu Besuch beim Saaser Bio-Imker Dr. Wolfgang Au.

Der Imker bei der Arbeit. Foto: Christoph Scholz

Der August-Bayreuther, der daheim geblieben ist, weil er schon im Urlaub war und wieder arbeiten
muss oder weil ihn andere Gründe vom Urlaubmachen abhalten, findet in diesen Tagen, in denen die
meisten seiner Nachbarn zu Erholungszwecken weggefahren sind, hoffentlich Gelegenheit, auch
dahaam so etwas Urlaubsstimmung aufkommen zu lassen.

Mir gelingt das zum Beispiel gut, wenn ich am Wochenende etwas länger schlafe und beim Bäcker frische Semmeln und die Morgenzeitung (das Tagblatt habe ich auf dem Handy auf dem Weg in die Bäckerei schon gelesen) für ein ausgiebiges, spätes Frühstück hole. Bei einer heißen Tasse Kaffee und einer knusprigen Honigsemmel stelle ich mir dann vor, dass der Rote Hügel, wo ich als daheimgebliebener August-Bayreuther auf meiner Terrasse frühstücke, irgendwo in Schweden, wo’s schön ist, liegt.

Bienen – eine Wissenschaft für sich

Hund Pepper bewacht den Honig. Foto: Melanie Scholz

In einem Paradies von Bäumen, Blumen und Kräutern

Schweden kam mir nämlich in den Sinn, als ich den Bio-Imker Dr. Wolfgang Au in der Saas besuchte. Wolfgang Au ist Doktor, weil er Arzt für Kieferorthopädie ist und vielleicht auch, weil Bienen eine Wissenschaft für sich sind. Er lebt mit seiner Familie und dem sehr großen (aber Gottseidank sehr freundlichen!) Hund Pepper in einem Holzhaus, das von einem Paradies aus Bäumen, Blumen und Kräutern umgeben ist und einem der Kinderbücher von Astrid Lindgren entsprungen sein könnte.

Ein idealer Ort für Bienen also. Und kaum haben wir uns begrüßt, händigt mir Wolfgang Au eine Imkermontur aus. Wir schlendern zu den Bienenkisten und ich erfahre, dass der Mann einer Mitarbeiterin seiner Arztpraxis, ein pensionierter Förster, sein Bienenpate war, auch ein Bioland-Imker. Von ihm erwarb Au als Startkapital zwei Bienenvölker, inzwischen sind es 11 Wirtschaftsvölker.

Alles bio

Auch seine Honiggläser tragen nach erfolgter Zertifizierung nun das begehrte Bioland-Siegel. Bei den Bienen angekommen, zeigt mir Au die Königin eines Volkes, sie ist mit einem kleinen grünen Farbplättchen markiert. Nach Prinzipien des Bioland-Anbaus zu arbeiten, bedeutet nicht, dass die Bienen „Bio-Pflanzen“ anfliegen, sondern dass die Imker naturnah arbeiten. „Wo unsere Bienen fliegen, können wir nicht bestimmen, jedoch mit unserer wesensgemäßen Bienenhaltung und Arbeitsweise für ökologische Qualität sorgen“, sagt Au.

Finden Sie die Königin? Foto: Christoph Scholz

Ich erfahre, wie er mit Naturwaben arbeitet. Auf einen Holzrahmen trägt er ein wenig Wachs auf, den Rest erledigen die fleißigen Bienen selbst. Oder dass er seinen Königinnen nicht die Flügel stutzt, um zu verhindern,
dass ein Bienenschwarm entkommt. „Wenn ich in der Praxis bin, dann kommt es schon mal vor, dass
meine Frau einen Schwarm aus dem Kirschbaum holen muss“, erzählt mir Wolfgang Au lachend.

Wolfgang Au mit einem Naturwabenbau. Foto: Christoph Scholz

Im Sommer wird die Ausgangslage für die kommende Saison geschaffen

Jetzt im August ist die Sommerbehandlung gegen die berüchtigte Varroa-Milbe notwendig, hier arbeitet
Au mit organischen Säuren und nicht mit Medikamenten. In diesen Sommertagen wird die Ausgangslage für die kommende Saison geschaffen. „Die Brut, die jetzt aufgezogen wird, das sind die Winterbienen“, sagt Au. Die Sommerbienen leben nur einige Wochen, die Winterbienen, die jetzt an der Reihe sind, hingegen einige Monate, bis im März wieder die Saison beginnt. Auch wenn es im Herbst und Winter etwas ruhiger wird, hat der Imker immer zu tun. Er muss die Bienenvölker füttern, Schädlinge fernhalten, Holzrahmen und Bienenkisten
reparieren.

Wolfgang Au beim Schleudern. Foto: Bio Imkerei Saas

Vor wenigen Wochen haben Wolfgang Au und seine Frau die Bienenwaben ausgeschleudert, sodass wir nach unserem Besuch bei den Bienenvölkern die neue Honigernte verkosten können: Lecker! Greifen Sie schnell zu, denn Wolfgang Au produziert nur wenige hundert Gläser seiner Sorten wie „Bayreuther Bienensymphonie“ oder „Saaser Sommer“. Erhältlich in der Praxis von Dr. Au, im Direktverkauf in der Saas (www.saaser-honig.de) oder in Petra Bocks Teekultur-Laden in der Richard-Wagner-Straße gegenüber der Stadtbibliothek.

Unser Gespräch kommt auch aufs Bienensterben und den Klimawandel. Die Temperaturschwankungen führen dazu, dass ganze Trachten ausfallen, so wie im letzten Jahr. Ob das Nahrungsangebot ausreichend ist, möchte ich wissen. „Es gibt mittlerweile viele Stadtimker“, sagt Au, weil die Vielfalt an Blüten in den Städten mittlerweile groß sei. Sich selbst, in der Saas wohnend, nennt er lachend einen „Stadtrandimker“.

Rezeptidee: Braten mit Honig marinieren

Vom Stadtrand zurück auf meine Terrasse: Damit so ein Augustsamstag richtig urlaubig wird, bereiten Sie das Mittagessen zusammen mit dem Frühstück vor. Über Nacht haben Sie einen mit Salz und Pfeffer gründlich eingeriebenen Schweinsbraten in ein paar Spritzern Sojasauce, zwei Esslöffeln körnigem Senf und einem Esslöffel flüssigem dunklen Honig marinieren lassen. Schälen Sie, während die Kaffeemaschine läuft, ein Kilo Möhren und halbieren diese längs, falls Sie Petersilien- oder Pastinakenwurzeln zur Hand haben, mischen Sie ein paar davon geschält und halbiert bei. Schichten Sie das Gemüse in einen großen Bräter und legen Sie den Braten darauf. Eine Flasche Weißbier (möglichst dunkel, ich nehme das von Maisel) darüber gießen – und ab ins Ofenrohr. Dort bei 160 Grad und ohne Deckel für vier Stunden vergessen.

Der Honig eignet sich auch perfekt fürs Marinieren von Fleisch. Foto: Melanie Scholz

Die Auswahl und Zubereitung der Beilagen für diesen Braten, so Sie dieses Rezept von Tim Mälzer nachkochen möchten, überlasse ich Ihnen, liebe Leserin und Ihnen, lieber Leser, denn ich habe mich zu einer Mittagsruhe auf den Liegestuhl zurückgezogen. „Der Garten dämmert hitzestill, kein Vogelstreit ist mehr zu hören wie im Juni, nur fern ein Mähdrescher und drinnen die Fliege, die einen in den Schlaf brummselt. Man träumt, träumt nicht mehr, wacht auf, geweckt von der Kirchenglocke oder dem Knirschen von Fahrradreifen im Kies.“ So fasste Max Scharnigg vor einigen Jahren im Magazin der Süddeutschen Zeitung eine ausgedehnte Augustmittagsruhe
in Worte.

Spätes Mittagessen

Mich hat nicht die Kirchenglocke, sondern der köstliche Bratenduft aus der Küche geweckt. Zeit für ein sehr spätes Mittagessen, fast schon ein frühes Abendessen. „Wenn man die Liegestühle faltet, weil sie nachts wieder klamm werden, ist man tatsächlich ein bisschen sommersatt“, schreibt Scharnigg in seinem hier zitierten Text vom „Zeithonig“. Der flüssige, dunkle Honig, mit dem ich die Schweinsbratenmarinade abschmeckte und der anschließend auf meiner Frühstückssemmel landete, ist übrigens der „Saaser Frühling“. Das weckt doch schon die Vorfreude auf den nächsten Frühling, oder?

Wir lesen uns wieder am 4. September. Dann erzähle ich Ihnen, ob mir mit dem besonderen Gelbmehl
aus der Schustermühle in Kemnath eine Torte für ein königliches Jubiläum gelungen ist.

Christoph Scholz

Christoph Scholz

Christoph Scholz ist 45 Jahre alt und Familienvater. Sein Geld verdient er als Projektleiter bei Semmel Concerts. Privat beschäftigt er sich gerne mit den Themen Essen, Trinken, Kochen, Gastronomie und Hotellerie.

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