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Gessn werd dahaam

Gessn werd dahaam: Die Kräuteridylle auf dem Sandhof

Christoph Scholz ist in Folge 8 von „Gessn werd dahaam!“ auf der Suche nach regionalen Kräutern für seinen Hot Dog. Seine Suche bringt ihn zur „Kräuterfrau“ auf dem Sandhof.

"Kräuterfrau" Heike Ehl. Foto: Christoph Scholz.
"Kräuterfrau" Heike Ehl. Foto: Christoph Scholz.

„Wenn ich beruflich nicht ein glücklicher Projektleiter in der Unterhaltungsbranche geworden wäre, dann hätte auch ein Koch aus mir werden können. Und wenn ich Koch geworden wäre, dann wäre ich gerne so einer geworden wie Alfons Schuhbeck. Meine Alltagsküche daheim ist nicht so oft der strenge Alfons Schuhbeck, sondern meistens der legere Jamie Oliver, mit dessen erster TV-Show ich mir das Kochen beigebracht habe, von dem ich all seine Kochbücher besitze und zig Rezepte im Kopf habe. Schuhbecks Rezepte sind in der Regel nicht kompliziert (seine „Feurige Gulaschsuppe“ ist immer der Hit, wenn wir Gäste haben), aber man muss präzise arbeiten, darf keine Zutat weglassen, keine Menge ändern; es ist nicht das unbeschwerte Draufloskochen wie bei Jamie Oliver.

Wenn ich nach Schuhbeck koche, dann ist das etwas Besonderes und alles folgt einem gewissen Ritual: Die Planungen beginnen einige Tage zuvor, ich muss Waagen und Messbecher bereitstellen, vor allem aber muss ich die richtigen Kräuter im Haus haben. Schuhbeck-Fans wissen, dass er nahezu jedem Gericht seinen „Spezl“, den Ingwer, beimischt, und kaum eine Gelegenheit auslässt, in seinen Kochsendungen, Interviews und Büchern auf die Heil- und Würzkraft der Kräuter hinzuweisen.

Es wächst und blüht. Foto: Christoph Scholz.

Kochen mit Kräutern

Schuhbecks Buch „Die Welt der Kräuter und Gewürze“ (erschienen 2015) möchte ich jedem ans Herz legen, der mehr über Kräuter lernen möchte. Im Vorwort schreibt er: „Kräuter und Gewürze sind derart gut für unsere Gesundheit, dass es verrückt wäre, sich nicht intensiv mit Ihnen zu beschäftigen, ihre segensreiche Wirkung zu erforschen …“.  Kräuter haben in der Tat etwas Geheimnisvolles, etwas Magisches.

Die „Kräuterfrau“

Seit ich an dieser Kolumne arbeite, haben mir etliche meiner Interviewpartner ehrfurchtsvoll und fast hinter vorgehaltener Hand erzählt, dass ich unbedingt „Kräuterfrau“ Heike Ehl in Goldkronach besuchen müsse. Vor ein paar Tagen war es dann soweit, denn mir fehlte noch die letzte Zutat für den Hot Dog (den es in Folge 9 am 3. Juli gibt), ein Relish, also eine dieser undefinierbaren verkochten Mischungen aus Äpfeln, Zwiebeln, Zwetschgen und wer-weiß-nicht-was-noch; leckeres Zeugs, das mehr Jamie Oliver denn Alfons Schuhbeck ist. Niemand konnte mir zunächst helfen, einen regionalen Hersteller zu finden, fast wollte ich zu einem Produkt aus dem Supermarkt greifen, aber dann kam vom Chef des Dorfladens in Emtmannsberg der Tipp, dass Heike Ehl vielleicht helfen könne. 

Heike Ehl. Foto: Christoph Scholz.

Fahrt in der Alten Lady

Unser guter Stern auf allen Straßen, der Mercedes-Oldtimer, mit dem ich zu den meisten Interviews fahre, hat mit seinen Auspuffgasen sicher mit zu der brütenden Hitze, die wir aktuell ausschwitzen müssen, beigetragen. Die Klimaanlage in der Alten Lady (für alle Neuleser von „Gessn werd dahaam“: so unser Spitzname für diesen agavengrünen Mercedes 250) war 1980 sicher der letzte Schrei. Im Werbeprospekt von damals heißt es: „Gute Raumatmosphäre hängt wesentlich von Luftzufuhr und Temperatur im Wageninnern ab. Im Mercedes-Benz sorgen insgesamt 10 Lufteintrittsöffnungen für schnelle, aber zugfreie Belüftung. Das Mehrstufen-Gebläse sorgt für Frisch- oder Warmluftzufuhr auch im Stand oder bei langsamer Fahrt.“Ich verlasse mich lieber nicht auf die „10 Lufteintrittsöffnungen“ und das „Mehrstufen-Gebläse“, sondern kurbele die Fenster der Alten Lady weit runter und mache mich auf den Weg nach Goldkronach.

Beim Bio-Grünlandbetrieb

Dort führen Kräuterpädagogin Heike Ehl, ihr Mann Robert und ihr Sohn Luca den Sandhof, einen Bio-Grünlandbetrieb. Familie Ehl und ihre 60 Kühe (die immer Sommer alle auf der Weide sind) leben und wirtschaften hier auf etwa 30 Hektar, Hühner, Gänse, Kaninchen und der Hund Putzi leisten ihnen Gesellschaft dabei.

Buntes Treiben auf dem Bio-Grünlandbetrieb. Foto: Christoph Scholz.

Wenn der Sohn, der derzeit die Hühnerhaltung auf Bio umstellt und in Bayreuth seine Ausbildung zum Landwirt macht, dann einmal der Bauer ist, wird es die 5. Generation der Familien Kuttner, Böhner und Ehl sein, die den Sandhof führt. 

Der Sandhof. Foto: Christoph Scholz.

Die „Kräuterfrau“

„Dieser Fleck Erde hat mich nie losgelassen“, erzählt mir Heike Ehl inmitten der Bauerngartenidylle, in der sie mich empfängt. Fahren Sie einmal raus (bitte mit telefonischer Anmeldung unter 09208-57691, die Termine für Führungen finden Sie auf der Website des Naturparks Fichtelgebirge), Sie werden verstehen warum. Kräuter haben sie schon immer fasziniert, aber es war ein schwerer Schicksalsschlag in der Familie, der Heike Ehl vor dreizehn Jahren dazu bewegte, neben ihrem Job als Landwirtin eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin zu machen. Ich frage, ob wir ihren Kräutergarten besichtigen können, denn ich erwarte Kräuterbeete, wo Petersilie und Lavendel kilometerweit in Reih und Glied stehen. Die gibt es nicht, der Hof und die umliegende Natur sind Heike Ehls Kräuterreservoir. „Jetzt der Holunder, im Frühjahr die Tannenspitzen …“, sagt sie.

Saftiges Grün im Garten. Foto: Christoph Scholz.

Marmeladen, Liköre und Kräutersalze stellt Heike Ehl auf dem Sandhof hauptsächlich her. Dort, auf den dreimal jährlich stattfindenden Märkten im Warmensteinacher Grassemann- Freilandmuseum und im Dorfladen in Emtmannsberg kann man ihre Produkte kaufen. Am 23. Juni findet im Barockgarten von Schloss Goldkronach das Humboldt-Genussfest statt, Heike Ehl ist dabei. Mir scheint, dass der gute Richard Wagner sich dieses Jahr mal ausruhen darf und nicht für Teemischungen oder Hoffeste werben muss. Alexander von Humboldt feiert nämlich 250. Geburtstag und muss jetzt auch mal ran. 

Bei den Kühen ist ordentlich was los. Foto: Christoph Scholz.

Die Gurkensucht

Ich kaufe als Relish-Ersatz zwei Chutney-Gläser, einmal Feige-Apfel und einmal Zwetschge-Zwiebel. Heike Ehl schenkt mir noch ein Glas mit Gurkenscheiben, die sie nur für ihre Familie einlegt und nicht verkauft. Ich verrate Heike Ehl nicht, dass mein ältester Sohn Konstantin und ich gurkensüchtig sind, bedanke mich artig und sage ihr, dass ich die Gurken in dieser Kolumne später im Jahr noch vorstellen werde. Als ich heimkomme, bin ich müde und hungrig und habe keine Lust zum Kochen mehr. Konstantin ist daheim, wir blicken auf das Gurkenglas und sind uns einig. Zwei dicke Scheiben Brot, Butter, Schinken von Christian Schmauß (den ich Ihnen in einer kommenden Folge vorstelle) und diese köstlichen Gurken werden heute unser Abendbrot sein. Später genießen wir die Schinkengurkenstullen: Am besten schmeckt’s eben dahaam. 

Ausblick

In Folge 9 am 10. Juli kommen wir auf den Hund. Endlich gibt es dann den Hot Dog – und ich stelle Ihnen unser neues Familienmitglied vor. Außerdem wird es um zwei Fernsehstars aus alter Zeit gehen, einen holländischen Showmaster und Deutschlands ersten Fernsehkoch.

Christoph Scholz

Christoph Scholz

Christoph Scholz ist 45 Jahre alt und Familienvater. Sein Geld verdient er als Projektleiter bei Semmel Concerts. Privat beschäftigt er sich gerne mit den Themen Essen, Trinken, Kochen, Gastronomie und Hotellerie.

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