Beiträge

Uni Bayreuth: Frisches Gemüse aus dem Gefängnis

Aktualisiert am

Amelie, Lena und Anna haben ihren Stand vor der Cafeteria der Uni Bayreuth aufgebaut. In den Tüten haben die Studentinnen Tomaten, Karotten, Zwiebeln und Salat. Das Gemüse, das sie verkaufen, bauen zwölf Gefangene der JVA St.Georgen in Bayreuth an. Seit 2015 wird es regelmäßig auf dem Campus verkauft. Wieviel man für eine Gemüse-Tüte zahlt, entscheidet jeder Käufer zu einem gewissen Teil selbst. Wie das System funktioniert, erklärt Amelie Reiher im Video.

An der Uni Bayreuth kann man nicht nur frisches Gemüse kaufen. Es werden dort sogar einmal im Monat eigene Biersorten gebraut.

80 Tüten voller Gemüse aus der Region

Insgesamt elf Personen sind Teil der Organisation Campus-Gemüse. Zwei Fahrer bringen die Ware von der JVA zum Campus. Dabei transportieren sie zwischen 50 und 80 der 1,5 Kilo schweren Tüten zur Uni. Fast jeden Mittwochmittag kann man dort verschiedene Gemüsesorten aus der Region kaufen. Was in der Tüte drin ist, wechselt je nach Saison. Doch dabei gilt: schnell sein! Innerhalb von zwanzig Minuten war das Campus-Gemüse in dieser Woche ausverkauft. “Das ist ganz unterschiedlich, wie lange der Verkauf dauert. Aber wer sicher sein möchte, dass er eine Tüte bekommt, kann sich für den jeweils nächsten Verkauf in eine Liste eintragen und vorbestellen”, erklärt Amelie Reiher.

Frisches Gemüse aus der Region. Foto: Campus Gemüse Bayreuth

Die Studentin ist seit einem Jahr Teil des Teams. “Ich wollte schon lange mitmachen. In diesem Semester konnte ich es mir mittwochs zum Glück einrichten”, sagt sie und strahlt. “Ich finde es super, dass ich mein Gemüse so direkt am Campus mitnehmen kann. Das ist wirklich praktisch.”

Freiwillige Spenden

Eine Tüte voller Gemüse kostet drei Euro. Wer vier oder fünf Euro geben möchte, spendet den Rest damit automatisch an die JVA. “So kann die JVA in Neuanschaffungen in allen Bereichen investieren”, sagt Amelie Reiher. Natürlich sei die zusätzliche Spende rein freiwillig.


Auch interessant:

bt öffnet Türen: Bayreuth hinter Gittern

Chorkonzert mit Ecken und Kanten im Bezirkskrankenhaus

Die neue Radbox am Campus: Reparieren unter Anleitung

Gegen Coffee To Go: Uni Bayreuth steigt auf Mehrweg um


“Mir macht es Spaß neben meinem Germanistik- und Ethnologie-Studium auch etwas Praktisches machen zu können”, sagt Lena Fiala. “Der Gedanke daran, sich für etwas Nachhaltiges einzusetzen, gefällt mir. Das Gemüse stammt ja direkt aus der Region”, ergänzt Anna Schöttmer.

JVA-Gemüse aus der Markgrafenallee

Das Gemüse kann man nicht nur auf dem Campus der Uni Bayreuth sondern auch direkt in der JVA-Gärtnerei in der Markgrafenallee 49 erwerben. Geöffnet ist von Montag bis Freitag jeweils ab 7 Uhr. 

Die JVA St. Georgen. Foto: Frederik Eichstädt.

Gärtnern im Gefängnis

In der Bayreuther JVA arbeiten aktuell zwanzig Gefangene in der Gärtnerei, zwölf davon im Gemüseanbau. Das Gemüse wird derzeit in fünf Gewächshäusern, im Freiland oder auf einem Feld nahe der Gärtnerei angebaut. Insgesamt stehen dazu 23.000 Quadratmeter zur Verfügung, wie Oberregierungsrätin Anja Rieder-Kaiser erklärt.

Unsere Produkte stammen aus nachhaltigem Anbau, direkt vom eigenen Feld. Umweltfreundlich und ohne lange Transportwege. Seit dem 1. Juli 2018 befindet sich unsere Gärtnerei in der Umstellphase auf zertifizierten ökologischen Anbau.

(Anja Rieder-Kaiser, Oberregierungsrätin)

Ein Gewinn für Studierende und Gefangene

Die Kooperation zur Uni Bayreuth sei durch ein studentisches Projekt entstanden. An der JVA sei man sofort von der Idee überzeugt gewesen. Dadurch solle zum einen die Arbeit in der Gärtnerei gestärkt werden, zum anderen solle die Gefangenenarbeit positiv behaftet werden, sagt die Oberregierungsrätin. Es sei zudem ein wertvoller Beitrag zur Resozialisierung der Gefangenen, wie sie erklärt. 

Mehrwegbecher: Wer in Bayreuth beim Recup-System mitmacht

Aktualisiert am

Immer wieder neu befüllen, statt wegwerfen – Stadt- und Landkreis Bayreuth haben am gestrigen Sonntag das neue Mehrwegbecher-System auf dem Stadtparkett vorgestellt. Wo man die neuen sogenannten “Recup”-Becher aktuell nutzen kann? Mehr dazu hier.

Das System: Nie mehr Thermoskanne schleppen, und mit Getränken aus dem Recup-Becher trotzdem die Umwelt schonen. Denn egal bei welchem Recup-Partner man einen Becher mitnimmt, abgeben ist bei jedem anderen Partner wieder möglich. “Holt man sich zum Beispiel ein Getränk im Café Samocca, kann man gemütlich durch die Bayreuther Altstadt laufen und den Becher am anderen Ende, zum Beispiel bei Segafredo im Rotmaincenter wieder abgeben”, erklärt Oliver Thomä vom Stadtbauhof.

Wer hier beim Recup-System mitmacht:

  • Bäckerei Dumler, Bayreuth & Altenplos/Heinersreuth
  • Bäckerei & Konditorei Hulinsky, Bayreuth
  • Café am Markt, Waischenfeld
  • Café Oetter, Konditorei, Bayreuth
  • Crazy Sheep KaffeeManufaktur, Bayreuth
  • Engin`s Ponte, Bayreuth
  • Fuhrmann`s Backparadies, Bayreuth
  • Geseeser Landbäckerei, 3x in Bayreuth & Forkendorf/Gesees
  • Kaffeemeister, Pegnitz
  • Lesecafé Samocca im RW21, Bayreuth
  • Meister-Brot Schorner, Pegnitz
  • Rettberg Backwaren, Bayreuth
  • Segafredo Espresso Bar im Rotmaincenter, Bayreuth

Mehr zum neuen Pfandsystem

Für die Umwelt

“Jeder Recup-Partner bestimmt selbst, wie viele Becher er anschafft. Als Faustregel dafür gilt, dreimal so viele Recup-Becher zu haben, wie man pro Tag im Durchschnitt an Heißgetränken verkauft”, so Oliver Thomä.

Wir wollten gewährleisten, dass die Leute nicht immer selbst einen Becher von zuhause mitnehmen müssen. Mit Recup können sie weiterhin Coffee To Go trinken und dabei umweltfreundliche Becher nutzen. Abgeben kann man sie nach dem Trinken bei jedem Recup-Partner in ganz Deutschland.

(Oliver Thomä, Stadtbauhof Bayreuth)

Auch Gastronomen in Nürnberg, Hof, Hamburg oder Köln nutzen das Mehrwegbechersystem der Firma Recup bereits.

Neuer Facebook-Trend: Bunte Steine erobern Bayreuth

Aktualisiert am

Bunt bemalte Steine, die mit einem Facebook-Logo versehen sind – immer häufiger findet man sie. An Wegrändern, auf den Straßen, auf der Wiese: Der neuer Trend hat inzwischen auch Bayreuth erreicht.

Freude schenken

Die Idee hinter den “FrankenStones” ist ganz einfach: Menschen bemalen Steine und legen sie in der Natur aus. Wer die Steine findet, postet ein Bild in der Facebook-Gruppe “FrankenStones” und legt die Steine dann an einen anderen Ort.

Das Ziel aller Stonies ist gleich. Wir bemalen Steine, um anderen Menschen eine Freude zu bereiten.

(Maike Schiel via Facebook)

Trend aus den USA schwappt nach Franken

Seit einem guten halben Jahr gibt es die Gruppe “FrankenStones”. Im September fand sogar ein erstes offizielles Treffen der Hobbykünstler statt. Doch die Bewegung ist gar nicht so neu. Ursprünglich kommt der Trend aus den USA. Die “painted rocks” sollen im besten Fall um die ganze Welt reisen.

Kein Stein gleich

Mit welchem Motiv die Steine bemalt werden, ist jedem selbst überlassen. Wichtig ist nur ein Hinweis auf der Rückseite der Steine, zum Beispiel durch das Facebook-Logo. Außerdem sollen die Hobbykünstler, aus Umwelt- und Tierschutzgründen, nichts auf die Steine kleben.

Auch in Bayreuth gibt es die ersten bunten Steine

Immer mehr Steine finden auch den Weg nach Bayreuth. Die Aktion zieht immer weitere Kreise und stößt bisher auf durchweg positive Reaktionen.

Foto: Facebook

Finde die Aktion toll und werde den Stein auf jeden Fall morgen irgendwo wieder ablegen.

(Lara L. via Facebook)

 

Verkehrschaos bei Demos: Die Polizei klärt auf

Aktualisiert am

Tausende Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion haben diese Woche den großen Stern an der Berliner Siegessäule, den Potsdamer Platz und die Marschallbrücke blockiert, darunter auch über 20 Bayreuther. Dietmar Schreyer von Extinction Rebellion Bayreuth war dabei. Er beschreibt die Proteste als friedliche Blockaden, um zu zeigen, dass sich in Sachen Klimapolitik dringend etwas ändern müsse.

Das sehen nicht alle so. Die Proteste sorgten an einigen Verkehrsknotenpunkten für Chaos: Unverständnis machte sich breit, besonders in den sozialen Medien. Denn die Polizei schritt zum Teil erst sehr spät ein. Zu spät für den Geschmack einiger.

Richtige Helden! Die Autofahrer und Fahrgäste, die es vielleicht eilig haben, habt ihr damit sicher nicht für eure Sache begeistert. Aber Hauptsache erstmal den Verkehr lahmgelegt. Der Planet ist gerettet.

(Nils B. auf Facebook)

Warum die Polizei  bei Demos reagiert, wie sie reagiert und wann sie einschreiten darf, erklärt das Polizeipräsidium Oberfranken auf Nachfrage des Bayreuther Tagblatts.


Lesen Sie auch:


Warum der Potsdamer Platz erst später geräumt wurde

Erst nach der siebten Durchsage hat die Berliner Polizei am Montagabend die ersten Menschen vom Potsdamer Platz getragen – allerdings nur die, die die Straßen blockiert haben. Alle auf den Gehwegen durften noch bis zum nächsten Vormittag bleiben.

Foto: Extinction Rebellion

Der Grund: Die Polizei kann eine Versammlung nur dann räumen, wenn “Mindermaßnahmen” nicht ausreichen. Das heißt, wer die Straße auf Aufforderung nicht freiwillig verlässt, wird eben weggetragen, alle anderen dürfen weiter protestieren, teilt das Polizeipräsidium mit. Wie lange eine solche Versammlung dauern darf, könne die Polizei nicht pauschal sagen.

Es ist immer eine Einzelfallentscheidung, die von den Einsatzkräften vor Ort getroffen werden muss.

(Polizeipräsidium Oberfranken)

An der Siegessäule konnten die Menschen in Decken gewickelt deshalb auch bis zur Nacht auf Dienstag bleiben. “Es war eine laute, kalte und stinkende Nacht”, sagt Schreyer.

Blockade an der Berliner Siegessäule. Foto: Extinction Rebellion Bayreuth

Dreimal auffordern

Um sicherzustellen, dass die Demonstranten auch wirklich von einer Räumung erfahren und Zeit haben, den Ort freiwillig und selbstständig zu verlassen, orientiere sich die Bayerische Polizei bei der Auflösung von Versammlungen am Paragraph 113 im Ordnungswidrigkeiten-Gesetz. Demnach müssen Demonstranten nicht sieben Mal vorgewarnt werden, bevor die Polizei aktiv werden darf.

Daher werden die Versammlungsteilnehmer in Bayern dreimal darauf hingewiesen, dass die Versammlung aufgelöst wurde, sie den Platz zu räumen haben, oder die Räumung nötigenfalls mit unmittelbarem Zwang durchgeführt werden kann.

(Polizeipräsidium Oberfranken)

Zur Räumung müsse es natürlich nicht immer kommen: Die Polizei darf Versammlung beschränken, einzelne oder mehrere Personen ausschließen, die Versammlung unterbrechen oder sie ganz auflösen.

Eine Versammlung ist nach dem Grundsatz immer friedlich und ohne Waffen durchzuführen.

(Polizeipräsidium Oberfranken)

Wichtig ist: Eine pauschale Regelung gebe es nicht. Deswegen müsse im Einzelfall bei jeder Protest-Aktion geprüft werden, ob eine Versammlung im Sinne des Gesetzes vorliege oder, ob die Protest-Aktion strafbar sei, zum Beispiel durch Beleidigung, Sachbeschädigung oder einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

In Kontakt mit Einsatzkräften

Schreyer sei überrascht gewesen: Polizeilich habe er in Berlin mit mehr Kräften zum Räumen gerechnet. “Es gibt bestimmte Ansprechpartner unter den Demonstrierenden, die direkt mit der Polizei in Verbindung stehen”, erklärt er. Sie vermitteln. “So erfahren wir meist, wann und ob die Polizei räumen möchte”, sagt er.

Blockade am Marschallplatz in Berlin. Foto: Extinction Rebellion Bayreuth

Wir sprechen auf eine nette Art und Weise mit der Polizei.

(Dietmar Schreyer, Extinction Rebellion Bayreuth)

“Außerdem hat Extinction Rebellion vereinbart, dass Blaulicht an der Siegessäule, trotz Blockade, durchfahren darf.” Man wolle ja nicht die Gesundheit anderer gefährden, ergänzt er.

Igel zuhause aufnehmen? Besser nicht!

Aktualisiert am

Igel fressen sich nach und nach ihr Fettpolster an und suchen sich dann einen Ort, wo sie sich zum Winterschlaf zurück ziehen können. Etwa fünf bis sechs Monate können die Tiere so verbringen. Ihre Körperfunktionen laufen in dieser Zeit auf Sparflamme. Doch oft reagieren Menschen besorgt, wenn sie einen besonders kleinen Igel in den Wintermonaten in Bewegung sehen – zurecht?

Wie man sich in diesem Fall verhalten soll, erklärt Peter Ille, der Geschäftsstellenleiter des Bund Naturschutz Bayreuth, im Video über dem Text.

Verändertes Klima: Igel länger aktiv

Büsche dienen als Rückzugsort für die Igel. Foto: Carolin Richter

Die Temperaturen zu Beginn des Winters, würden statistisch gesehen immer wärmer werden, erklärt Peter Ille. “Deswegen braucht man sich auch keine Sorgen machen, wenn einem im Dezember noch Igel begegnen. Sie sind noch dabei sich ihr Fettpolster anzufressen”, erklärt er. Der Igel würde selbst wissen, wann der geeignete Zeitpunkt ist, in den Winterschlaf übergehen.

“Es ist normal, dass Tiere, die im Mai geboren wurden, dann noch nicht so groß sind. Aber kein Grund zur Besorgnis”, sagt der 61-Jährige. Wer viele Laubhaufen und Hecken im Garten habe, hätte eigentlich schon das Nötigste getan.

Schlechte Chancen für den folgenden Winter

Laut Ille sollte man bestenfalls gar keine Igel zuhause aufnehmen, aus folgendem Grund: “95 Prozent der Jungtiere, die im Winter durch den Menschen aufgezogen wurden, erleben den darauf folgenden Winter meist nicht. Denn sie sind so einfach nicht an den Winterschlaf gewöhnt”, fügt Ille hinzu.

Peter Ille, Geschäftsstellenleiter beim Bund Naturschutz Bayreuth. Foto: Carolin Richter

Wenn sie einen kleinen Igel laufen sehen, reagieren viele im Winter leider voreilig. Der Igel hat schon vor mehr als 15 Millionen Jahren existiert – weit vor den Menschen. Deswegen weiß der Igel im Notfall intuitiv, was zu tun ist, auch ohne menschliche Hilfe.

(Peter Ille, Bund Naturschutz Bayreuth)

Naturnah gestalteter Garten

Helfen könne man den Tieren stattdessen, indem man seinen Garten naturnah belässt, wie er sagt. Also, zum Beispiel, nicht zu viele Büsche abschneidet und das Laub um die Büsche anhäuft – als Rückzugsort für die Igel. “Der Garten sollte einfach nicht zu aufgeräumt sein”, sagt er. Auch Unkraut könne getrost mal stehen bleiben, damit Insekten überleben.

Der Garten sollte nicht zu aufgeräumt, sondern naturnah sein. Foto: Carolin Richter


Lesen Sie auch:


Obst und Katzenfutter

“Heruntergefallenes Obst darf man gerne liegen lassen. Igeln und auch Vögeln dient das als Nahrung”, fügt Peter Ille hinzu. Wer glaubt, dass es wirklich nötig ist den Igel im Notfall bei der Ernährung zu unterstützen, könne Katzenfutter im Garten auslegen.

Fallobst sollte man als Nahrung für die Igel liegen lassen. Symbolfoto: Pixabay

Allerdings warnt Peter Ille: “Man muss sich bewusst sein, dass man durch das ausgelegte Futter auch andere Tiere, wie Ratten, anlocken kann.”

Finger weg von Milch

Ein Irrglaube: Auf keinen Fall, sollte man den Igeln Milch geben. “Die Milch schmeckt ihnen zwar, lässt sie aber eingehen. Igel vertragen Milch überhaupt nicht”, ergänzt der 61-Jährige.

Nach Kritik von Zippel: Das sagt die Oberbürgermeisterin

Aktualisiert am

Wie Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe am 23. September im Ältesten-Ausschuss verkündet hat, soll eine neue Stelle für klimarelevante Fragen geschaffen werden, die hauptsächlich mit Themen des Bau- und Planungswesens der Stadt Bayreuth verknüpft sein soll. Nicht bei allen ein Anlass zur Freude: Andreas Zippel, der Kandidat der SPD zur anstehenden Oberbürgermeisterwahl, wirft Merk-Erbe vor, das Thema äußerst eindimensional anzugehen.

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Archivfoto: Thorsten Gütling

Ich sehe eine neue Stelle innerhalb der Stadtverwaltung, die sich mit klimarelevanten Fragen beschäftigt, als guten Schritt, um künftig die Klimawirksamkeit von Entscheidungen im Vorfeld zu prüfen. Zudem kann so ein städtisches Klimakonzept gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit der Universität ebenfalls durch die Verwaltung erarbeitet werden.

(Brigitte Merk-Erbe, Oberbürgermeisterin)

Andreas Zippel fände es, wie er sagt, bemerkenswert, dass die Oberbürgermeisterin das Thema Klimaschutz – nach fast acht Amtsjahren – nun auch für sich entdeckt habe.

Andreas Zippel. Foto: Thorsten Gütling

Die Ankündigung einer Stelle für klimarelevante Fragen im Bereich Bauen zeigt jedoch, dass sie das Thema nur eindimensional versteht.

(Andreas Zippel, Oberbürgermeister-Kandidat der SPD)

Zippels Vorschlag: Klimaschutz über alle Bereiche hinweg

An den Klimaschutz solle nicht nur innerhalb eines Teilbereiches – wie hier dem Bauen – gedacht werden, sondern, er solle besser als allgemeine Anforderung in allen Bereichen verstanden werden, sagt Zippel. Nicht zu vergessen, wären flächendeckende Radwege, zwei neue ringförmige Busspuren um die Stadt oder kostenloser ÖPNV am Wochenende, so der 27-Jährige.

OB erinnert an fahrradfreundliche Kommune

Die Äußerungen von Herrn Zippel sind vermutlich einfach nur der Versuch, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Wären sie ernst gemeint, würden sie eine erstaunliche Dichte an Nichtwissen offenbaren.

Nur als Beispiel sei genannt, dass sich Bayreuth in den vergangenen Jahren beim Thema Fahrradfahren erheblich weiter entwickelt hat, auch wenn selbstverständlich noch einiges zu tun ist. Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass die Stadt am 19. September erstmals als fahrradfreundliche Kommune zertifiziert worden ist.

(Brigitte Merk-Erbe, Oberbürgermeisterin)

Was das Thema kostenloser öffentlicher Nahverkehr angehe, sei es wichtig zu wissen, dass kostenlos nicht heiße: es kostet nichts. Sondern, dass die Kosten von der Allgemeinheit zu tragen sind, wie die Oberbürgermeisterin ausführt. Sie sei deswegen gespannt, welche Vorschläge Zippel zur Finanzierung habe.


Lesen Sie auch:


Beginnen wir die Aktion „Plastikfreies Bayreuth“ und steigen in Stadtverwaltung und Tochtergesellschaften auf Glasflaschen, Glasgeschirr und plastikfreie Giveaways um und motivieren Handel und Gastronomie mitzumachen.

(Andreas Zippel, Oberbürgermeister-Kandidat der SPD)

Bereits geplant: Pfandsystem für Mehrwegbecher

Doch auch die Oberbürgermeisterin hat bereits Schritte unternommen, um der “Plastikflut” in Bayreuth entgegen zu wirken. Sie sagt:

Auch Herr Zippel sollte wissen, dass es am 25. September im Rathaus eine Informationsveranstaltung von Stadt und Landkreis gab, mit dem Ziel der Einführung eines Pfandsystems für Mehrwegbecher. Ein solches gemeinsames Pfandsystem ist ein wichtiger Schritt gegen Plastikflut in unserer Innenstadt.

(Brigitte Merk-Erbe, Oberbürgermeisterin)

Sich nur auf die Mehrwegbecher zu konzentrieren, sei dem 27-Jährigen in diesem Fall erneut zu eindimensional gedacht, wie er dem Bayreuther Tagblatt daraufhin erklärt.
Für mehr Klimafreundlichkeit denkt er zudem über Folgendes nach: Eine LED-Straßenbeleuchtung mittels Sensorik einzuführen oder den Stadtfuhrpark auf klimafreundliche Alternativen umzustellen. Moderner Klimaschutz müsse nicht weh tun und sei mehr als nur Bauen, so der 27-Jährige.

Hotspot Sophienstraße: Diese Bayreuther Läden verkaufen faire Produkte

Aktualisiert am

Der Landkreis Bayreuth hat das Fairtrade-Siegel bereits, doch auch auch die Stadt Bayreuth hätte das Potential dazu, das Siegel zu bekommen. In vielen Läden werden fair gehandelte Produkte verkauft. Von der Bambus-Zahnbürste über Kleidung bis zu Genussmitteln wie Kaffee und Kakao bekommt man in Bayreuth vieles für den täglichen Bedarf mit dem Siegel.

Fair einkaufen in der Sophienstraße

Die Sophienstraße ist die Anlaufstelle Nummer eins, will man Produkte aus fairem Handel in Bayreuth einkaufen. Dort gibt es fünf Geschäfte, die Fairtrade-Waren im Angebot haben. Im Lemontree gibt es vor allem vegane Kleidung, aber auch Accessoires, die fair gehandelt und unter ethischen Gesichtspunkten produziert werden. Auch im Freudenherz kann man sich fair einkleiden und sogar, ebenso wie im Café Kraftraum, vegan essen und trinken – mit Kaffee und Kakao mit dem Fairtrade-Siegel. Auch in der Sophienstraße findet man den Naturgarten, das Fachgeschäft für Naturkost, und das Balun, ein Kinderladen, indem Nachhaltigkeit und faire Produktion im Vordergrund stehen.

Alles fair im Weltladen

Außer den Läden in der Sophienstraße, verkauft auch der Weltladen nur Produkte aus fairem Handel – ob Taschen, Schokolade, Kaffee oder Gewürze. Und selbst in Supermärkten und Drogerien findet man mittlerweile Waren, bei denen das Wohl der Arbeiter in den Herkunftsländern im Fokus liegt.

Lesen Sie auch

Silvia Schultes erklärt beim fairen Stadtrundgang wie Kakaobohnen angebaut werden. Foto: Magdalena Dziajlo

Das Fairtrade-Siegel

Denn darum geht es bei dem Siegel in erster Linie: “Das Siegel ist vor allem ein soziales Siegel”, erklärt Silvia Schultes, Bildungsreferentin des Weltladens Bayreuth, beim fairen Spaziergang durch die Stadt. Menschliche Werte, die man nicht messen kann, wie Wohlbefinden und Glück seien die wichtigsten Punkte des fairen Handels. Das Siegel garantiere gute Arbeitsbedingungen, ein gesichertes Einkommen und fördere demokratische Strukturen und ein Mitspracherecht der Händler und Arbeiter. Im Gegensatz dazu sei das Bio-Siegel nur auf die Produkte bezogen, die verarbeitet werden.

Faitrade-Bananen sind immer auch Bio-Bananen, Bio-Bananen sind aber nicht automatisch aus fairem Handel.

(Silvia Schultes, Bildungsreferentin des Weltladens)

Faire Schokolade

Silvia Schultes gibt ein Beispiel: Nimmt man eine Tafel Schokolade mit 100 Gramm aus dem konventionellen Handel, bekommt der Kakaobauer gerade einmal 6,6 Prozent vom Gesamtpreis. Das sind bei einem Preis einer Tafel von einem Euro lediglich sieben Cent. Den Löwenanteil bekommen die Supermärkte und die Erzeuger mit 44,2 beziehungsweise 35,2 Prozent.

Bei Fairtrade-Schokolade gehen zwischen zwölf und 25 Prozent an den Kakaobauern, je nach Kakaoanteil in der Schokolade.

(Silvia Schultes)

So fair kaufen die Deutschen ein

Gerade einmal 20,50 Euro gibt eine Person pro Jahr für faire Produkte aus. Wenn fair eingekauft wird, dann vor allem Kaffee. Sein Marktanteil bei fair gehandelten Produkten liege bei 34 Prozent, der für Kakao bei acht, erklärt Silvia Schultes. Und wie sieht es mit Kleidung aus? Rund 70 Kleidungsstücke kauft eine Person im Jahr, dafür gibt sie 108 Euro aus. “Neun Kilogramm davon landen jedes Jahr einfach im Müll”, sagt die Bildungsreferentin. Deshalb würde sie sich wünschen, dass Bayreuth noch mehr Wert auf fairen Handeln legen würde und Fairtrade-Stadt werden würde.

Das Seehaus hat wieder geöffnet

Aktualisiert am

Lange haben Ausflügler auf diesen Moment warten müssen, lange hat der Fichtelgebirgsverein einen neuen Pächter gesucht: Seit heute, 1. Oktober, hat das Seehaus in Tröstau wieder geöffnet. Ein Jahr lang stand das Wirtshaus leer.

Lesen Sie auch

Jörg Hacker, dem Geschäftsführer des Fichtelgebirgsvereins, fällt ein Stein vom Herzen. So gut wie alles sei rechtzeitig fertig geworden. Die neuen Pächter, Berthold Hübner und Monika Steiner, können in der Gaststätte endlich wieder Wanderer bewirten.

Nur die Übernachtungszimmer sind noch nicht ganz fertig.

(Jörg Hacker, FGV-Geschäftsführer)

Das soll sich aber bis Mitte des Monats ändern, dann kann man im Seehaus auch wieder schlafen.

Von Dienstag bis Sonntag ab 10 Uhr verpflegen die Pächter, die das Seehaus bereits von 2009 bis 2014 gepachtet hatten, ihre Gäste. Montag ist Ruhetag.

Bayreuther packen an: Gemeinsam für einen nachhaltigen Wandel

Aktualisiert am

Themen wie Umwelt und Nachhaltigkeit nehmen einen immer größer werdenden Platz in der Gesellschaft ein. Die Gesellschaft wandelt sich. Um diesen Wandel auch in Bayreuth weiter voranzutreiben, will das “Forum 1.5”, eine Initiative der Uni Bayreuth, unter dem Motto “Bayreuth for Future” eine ganze Wandel-Woche veranstalten.

Dass es höchste Zeit ist, dem Klima etwas Gutes zu tun, umzudenken und nachhaltiger zu leben, ist vielen Köpfen der Bayreuther und auch in der Politik mittlerweile angekommen.

Lesen Sie auch:

In Bayreuth tut sich was

In der Stadt engagieren sich bereits heute viele Menschen für die Umwelt und den Klimaschutz: Ob junge Menschen, die bei “Fridays-for-Future” wöchentlich auf die Straße gehen, der Naturgarten in der Wilhelminenaue, der Verein Hamsterbacke, der den ersten Unverpackt-Laden Bayreuths eröffnen will, oder die Bewegung Extinction Rebellion, die unter anderem gegen die Plastikflut kämpft und mit ihrer Protestaktion “Plastic-Attack” für Aufsehen sorgte.

Lesen Sie hierzu auch:

Die Wandel-Woche

In der Wandel-Woche vernetzen sich Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft mit dem Ziel, einen nachhaltigen Wandel in der Region zu gestalten.

Hier in der Region gibt es schon viele spannende Ansätze und Initiativen, wie ein nachhaltiges Leben aussehen kann. In der Wandel-Woche bekommen die Initiatoren dieser Aktivitäten eine Bühne, um Mut zu machen, wie wir vor Ort den Wandel anpacken können.

(Elena Michel vom Team des “Forum 1.5”)

Tatsächlich sei in Bayreuth bereits einiges in Bewegung, das sichtbar gemacht werden soll. Andere Menschen sollen inspiriert werden, sagt Michel.


Die Wandel-Woche findet vom 7. bis zum 12. Oktober statt. Alle weiteren Infos, auch zum Programm, finden Sie auf der Homepage des “Forum 1.5”.

Uni Bayreuth: Forscher untersuchen Lebensräume an Küsten

Aktualisiert am

Die Küsten bieten vielen bedrohten Arten einen Lebensraum. Forscher der Uni Bayreuth haben in einer Modellstudie auf den Malediven nachweisen können, welche Folgen die unterschiedliche Nutzung der Küste durch den Menschen hat. Als Fallbeispiel haben die Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Laforsch Einsiedlerkrebse gewählt.

Warum auf den Malediven geforscht wird

Oft werden Küsten vom Menschen zeitgleich auf sehr unterschiedliche Weise bewirtschaftet: Als Siedlungsraum für Einheimische sowie im Tourismus für Hotels – so wird es schwer zu ermitteln, welche Formen der Landnutzung welche ökologischen Formen haben.

Doch die Malediven haben den Vorteil, dass sich die jeweiligen Landnutzungsformen auf verschiedene Inseln verteilen. Allerdings weisen die Inseln nahezu gleiche klimatische und geologische Bedingungen auf. „Deshalb sind die Malediven geradezu ein ideales Modellsystem, um verschiedenartige anthropogene Einflüsse auf die Tierwelt in Küstenregionen zu identifizieren“, sagt Sebastian Steibl M.Sc., Erstautor der jetzt veröffentlichten Studie.

Auf den Malediven-Inseln der einheimischen Bevölkerung wird angespültes Material liegen gelassen. Dadurch kommen die Krebse dort ähnlich häufig vor wie auf komplett unbewohnten Inseln. Foto: Sebastian Steibl.

Drei Inseltypen im Fokus

Die Forscher unterscheiden in der Studie drei Inseltypen: von der einheimischen Bevölkerung besiedelte Inseln ohne Tourismus, ausschließlich touristisch genutzte Inseln und unbewohnte Inseln. An allen drei Inseln beobachteten sie Einsiedlerkrebse.

Diese kleinen Tierchen sind weltweit verbreitete Küstenbewohner mit einer wichtigen ökologischen Funktion: einerseits fressen Einsiedlerkrebse angespültes organisches Material aus dem Meer, andererseits werden sie selbst von größeren landlebenden Räubern gefressen. Deshalb bilden sie ein entscheidendes Bindeglied zwischen Meer und Inland.

(Prof. Christian Laforsch, Universität Bayreuth / Lehrstuhl für Tierökologie)

Saubere Strände kritisch für Lebensraum

An touristisch genutzten Küsten leben weniger Einsiedlerkrebse. Dieser Rückgang der Populationen um 80 bis 85 Prozent ist vor allem dadurch bedingt, dass feine Sandstrände künstlich aufgeschüttet werden und angespültes organisches Material mechanisch entfernt wird. So führt das touristische Ideal “sauberer” Strände dazu, dass die küstenbewohnenden Tiere ihre Nahrungsgrundlage verlieren und ihr Lebensraum kleiner wird. Viele Küstenabschnitte besiedelter Inseln sind heute außerdem zum Schutz vor Erosion mit Befestigungen aus Beton verbaut, so dass auch hier der natürliche Lebensraum für die Krebse geschrumpft ist.

Auf ungestörten Stränden der Malediven kommen Einsiedlerkrebse in hoher Zahl vor; sie ernähren sich von angespültem Material und stellen so eine wichtige Verbindung zwischen Meer und dem Inland dar. Foto: Sebastian Steibl.

Krebse dienen als Angelköder

An den Küsten dauerhaft besiedelter Inseln weisen die Einsiedlerkrebse eine um zehn bis 20 Prozent kleinere Körpergröße auf. Auf der Suche nach einer Erklärung haben die Forscher beobachtet, dass die Krebstiere von der einheimischen Bevölkerung – wie in vielen anderen Ländern auch – als Angelköder verwendet werden. Dabei werden, so vermuten sie, hauptsächlich die größeren Tiere aufgesammelt, sodass nur noch kleinere zurückbleiben.

Daraus ergibt sich für die weitere Forschung die Notwendigkeit, die ökologischen Folgen menschlicher Landnutzung so differenziert wie möglich aufzuschlüsseln. Nur so lassen sich wirksame Umweltschutzmaßnahmen entwickeln, die spezifisch auf die jeweilige Landnutzungsform zugeschnitten sind.

Dies gilt insbesondere für die Küstenregionen, die am stärksten von der wachsenden Weltbevölkerung betroffen sind, denn 50 bis 75 Prozent der Weltbevölkerung leben heute in direkter Nähe oder unmittelbar an Küsten.

(Prof. Christian Laforsch, Universität Bayreuth / Lehrstuhl für Tierökologie)