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Sechs Stichwahlen im Landkreis Bayreuth: So wurde gewählt

Eine Übersicht, wer im Landkreis Bayreuth in die Stichwahl muss und wer es im ersten Wahlgang geschafft hat, gibt es hier. 

Fifty-fifty-Taxi soll dauerhaft für den gesamten Landkreis kommen

Nach der mehrmonatigen Testphase des Fifty-fifty-Taxis hat der Kreisausschuss nun eine Bilanz gezogen und ist sich einig: Das Projekt soll dauerhaft im gesamten Landkreis realisiert werden.

Fifty-fifty-Taxi für den Landkreis Bayreuth

„Die Testphase war sehr erfolgreich!“, heißt es aus den Reihen der Verwaltung des Landratsamtes Bayreuth. Man habe die Nachfrage der Leute einfach unterschätzt. Vor allem nach 2 Uhr sei der Bedarf immer noch sehr hoch. Daher müsse man ein flexiblere Möglichkeit als den Freizeitbus finden. Das könne mit dem Fifty-fifty-Taxi garantiert werden.

Auch in den verschiedenen Fraktionen des Kreisausschusses sah man das Projekt als notwendig und gelungen an. „Ein Freizeitbus ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, so Günter Dörfler von der CSU.

Fifty-fifty-Taxi ab Herbst 2020 im gesamtem Landkreis Bayreuth

Zu Beginn des neuen Schuljahrs 2020/2021 soll das Fifty-fifty-Taxi dann im gesamten Landkreis eingesetzt werden. Einsatztage sind dann Freitag und Samstag zwischen 21 und 5 Uhr. Die Fahrten sollen im gesamten Landkreis angeboten werden, mit Strecken, die „direkte Berührung mit den zentralen Freizeitstandorten“ haben.

Stattdessen soll das bisherige System des Freizeitbusses eingestellt werden. Das Anruf-Linien-Taxi am Freitagabend soll hingegen bestehen bleiben.


Der Kreisausschuss stimmte einstimmig für das Fifty-Fifty-Taxi. Die Verwaltung soll nun die notwendigen Vorbereitungen für einen geplanten Start im September 2020 treffen.

Niedrige Umlage und 3,2 Millionen Fehlbetrag – Streit im Kreisausschuss Bayreuth

Am Montag (17. Februar 2020) wurde im Kreisausschuss der Haushaltsentwurf 2020 vorgestellt. Erstmals seit einigen Jahren muss der Kreis voraussichtlich einen Kredit von rund 2,5 Millionen Euro aufnehmen. Für Diskussionen sorgte dabei vor allem auch die niedrige Kreisumlage.

„Geordnete Finanzsituation im Landkreis Bayreuth“

Vor der endgültigen Verabschiedung des Haushalts Anfang März zeigte sich Landrat Hermann Hübner zufrieden mit der Finanzsituation. „Trotz niedrigster Steuer- und Umlagekraft haben wir eine geordnete Finanzsituation im Landkreis Bayreuth.“ Dem Kreis sei durchaus bewusst, dass der Schuldenstand in den Kommunen immer höher wird. Man habe deswegen stets auf die schwierigen Situationen der Gemeinden geachtet. „Das wischen wir nicht einfach so weg“, so Landrat Hermann Hübner.

23 Millionen Euro Schulden

Insgesamt beläuft sich der Schuldenstand des Landkreises Ende 2019 auf gut 23 Millionen Euro. Pro Einwohner sind das 226 Euro. Dieses Jahr sieht der Haushaltsentwurf einen Fehlbetrag von rund 3,2 Millionen Euro vor. Den 94,6 Millionen Euro Erträgen stehen 97,8 Millionen Euro Aufwendungen entgegen.

Trotz des Schuldenabbaus des Landkreises in den letzten Jahren, sei für das Jahr 2020 nun erstmals wieder eine Kreditaufnahme in Höhe von 2,5 Millionen Euro vorgesehen, um geplante Investitionen realisieren zu können.

Investitionen in Schulen und Straßennetz

Der Schwerpunkt soll dabei vor allem auf Schulen und dem Kreisstraßennetz liegen. „Wir haben keinen Investitionsstau. Wir haben eine Prioritätenliste, die wir abarbeiten“, versichert Landrat Hermann Hübner.

„Kompaktes und plausibles Zahlenwerk“

Stephan Unglaub von der SPD äußerte sich positiv zu dem Haushaltsentwurf. „Wir bewerten die finanzielle Lage als durchaus stabil. Unser Polster in den diversen Rücklagen wird es uns ermöglichen, die Belastungen für die Landkreisgemeinden auf ein gewisses Maß zu begrenzen.“ Weiter sieht Unglaub den Hebesatz weit weniger kritisch als manch seiner Kollegen. „Unsere Fraktion kann mit der Festsetzung auf 33,5 Prozent durchaus leben.“

„Wir stehen auf dem letzten Platz in Bayern“

Hans Hümmer von den Freien Wählern sah das ganz anders. „Ständig wird von der stabilen und niedrigen Umlagekraft von 33,5 Prozent gesprochen. Das ist aber nichts positives. Der Landkreis Bayreuth steht auf dem letzten Platz der Steuer- und Umlagekraft in Bayern. Und dann kriegen wir vom Freistaat nur eine Million Euro Stabilisierungshilfe. Das kann so nicht sein!“

Im Vergleich zum Landkreis Bayreuth liegen die Hebesätze der anderen Landkreise in Bayern bei rund 40 Prozent.

„Umlagesatz für Gemeinden nicht nur positiv“

Auch Günter Dörfler von der CSU sah den niedrigen Umlagesatz kritisch. „Der Umlagesatz entlastet zwar die Kommunen zugunsten des Kreises, allerdings verlieren die Gemeinden durch die hohe Finanzkraft auch Geld und erhalten weniger Fördermöglichkeiten vom Freistaat.“ Trotzdem zieht der CSUler eine positive Bilanz. „Es sieht doch aber gar nicht so schlecht aus. Wir haben in den letzten Jahren 84 Millionen investiert. Darunter über 30 Millionen in Schulen. Das ist eine wirklich positiver Aspekt!“

„Probleme lassen sich nicht so schnell lösen“

Grünen-Kreisrat Manfred Neumeister entschärfte die Diskussion. „Wir befinden uns aktuell in der Beratungsphase. Wir wollten Stabilität – das haben wir mit den 33,5 Prozent. Hätten wir mehr, könnten wir mehr investieren. Aber die Probleme lassen sich nicht von heute auf morgen lösen“.


Mit 11:2 Stimmen wurde der Haushaltsentwurf schlussendlich von dem Kreisausschuss angenommen und wird nun dem Kreistag vorgelegt.

Leserservice: „Ihren Ärger wollen wir haben“

Das Leben könnte so schön sein ohne Ärger. Damit der nicht überhand nimmt, startet das Bayreuther Tagblatt die Aktion: „Ihren Ärger wollen wir haben“. 

Fifty-fifty-Taxi: Testphase wird verlängert

Wie das Landratsamt Bayreuth mitteilt, wird die seit November 2019 laufende Testphase „Fifty-Fifty-Taxi“ bis einschließlich Samstag, 1.2.2020 verlängert.

Seltenster Job in der Bäckerei: Ein Brotsommelier aus dem Landkreis Bayreuth

Er ist nicht nur Bäckermeister, sondern auch einer von 93 Brotsommeliers in ganz Deutschland. Florian Pausch aus Eckersdorf-Neustädtlein hat diesen seltenen Titel. Im Video stellt der Brotsommelier vor, was seine Kreation „Waldhüttenbrot“ ausmacht.

So soll die Struktur eines hochwertigen Brotes aussehen. Foto: Redaktion

Damit beschäftigt sich der Brotsommelier

Eine bestandene Meisterprüfung ist die Voraussetzung, um die Ausbildung zum Brotsommelier absolvieren zu dürfen. „Es ist keine leichte Sache. Etwa ein Viertel schafft den Abschluss nicht – beziehungsweise bricht das Ganze vorher schon ab“, sagt Florian Pausch, Brotsommelier bei der Bäckerei Feulner in Donndorf.

Brot ist etwas wertvolles, dass all die Jahre als Nahrungsgrundlage geblieben ist, sagt er. Als Brotsommelier lerne man nicht nur alles rund um die Geschichte sowie über nationale und internationale Brotsorten, sondern auch einzelne Aromen herauszuschmecken und daraufhin neue Sorte zu kreieren.

Brotsommelier Florian Pausch von der Bäckerei Feulner testet die Struktur des Brotes. Foto: Redaktion

Tipp vom Profi: Früchtebrot mit Gorgonzola und Riesling

„In Deutschland haben wir mit gut 3.200 Sorten eine riesige Brotvielfalt. Deutsches Brot ist sogar immatrielles Kulturerbe“, erklärt er. Als Brotsommelier beschäftige man sich auch mit sogenannten Food Pairings: Man kombiniert Brot mit Beilagen wie Käse oder mit Getränken, um eine Geschmacksexplosion hervorzurufen. „Zu einem Früchtebrot würde ich Gorgonzola-Käse und einen Riesling empfehlen. Süß und süß ergänzt sich gut“, sagt er.

Probiert man ein Brot, nimmt man ein Drittel von der frischen Kruste und zwei Drittel von der Krume, um einen vollmundigen Geschmack zu haben, erklärt Florian Pausch.

Die beste Zutat für gutes Brot ist Zeit.

(Florian Pausch, Brotsommelier in Donndorf)

Im Sommer hat Brotsommelier Florian Pausch ein Weißbierbrot kreiert. Foto: Redaktion

Hochwertige Zutaten aus der Region Bayreuth

„Ich möchte den Leuten zeigen, was qualitatives Brot wirklich ausmacht. Dazu braucht es hochwertige Zutaten, die wir aus der Region beziehen“, erklärt Florian Pausch. Dem Brot aus der Backtheke im Discounter fehlen nicht nur hochwertige Zutaten, sondern auch die nötige Zeit, sagt Pausch. „Unser Teig ruht vier bis fünf Stunden“, sagt er. Das führe dazu, dass es bekömmlicher wird.

Waldhüttenbrot von Brotsommelier Florian Pausch. Foto: Redaktion

Wie Florian Pausch zum Brotsommelier wurde

Gelernt hat Florian Pausch einst bei der Bäckerei Hulinsky. Damals hatte sein Vater eine Schreinerei und seine Mutter eine Bäckerei. „Mein Vater hat dann aber auch zum Bäcker umgeschult. Wir waren sogar einige Tage gemeinsam in der Berufsschule“, erzählt er und lacht. „Die Bäckerei Feulner in Donndorf habe ich 2003 von meinem Opa übernommen. Seine Spezialität war das Fladenbrot und ein Sauerteigbrot, das zweimal gebacken wird und so sein einzigartiges Aroma entfaltet“, erklärt Pausch.

Traditionelles Fladenbrot der Bäckerei Feulner. Foto: Redaktion

Obwohl Florian Pausch damals erst 21 Jahre alt war, hatte er keinerlei Bedenken die Bäckerei zu übernehmen: „In jungen Jahren, denkt man, dass man alles erreichen kann“, sagt er. Darüber Brotsommelier zu werden, habe er erst vor zwei Jahren nachgedacht. Er wollte sich neu positionieren und den Menschen in der Region das Brot als hochwertiges Lebensmittel näher bringen. Ab und zu bietet er sogar Backkurse für Kinder an.

Jobcenter, Rathaus und bald das Landratsamt? Bayreuther Behörden brauchen Sicherheitsdienst

Am Montag fiel das Urteil im Prozess gegen den Messerstecher im Jobcenter Bayreuth. Nach dem Angriff rüstete sich das Jobcenter Bayreuth und führte Taschen- und Körperkontrollen ein. Jetzt ziehen weitere Bayreuther Behörden nach.

Sicherheitsdienst im Rathaus als Test

Die Agentur für Arbeit reagierte auf die Vorfälle mit einem Sicherheitsdienst. Wie die Stadt Bayreuth bestätigte, gibt es im Rathaus nun ebenfalls Sicherheitspersonal. Aufgrund der Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit habe sich die Stadt dazu entschlossen, einen privaten Sicherheitsdienst zu beschäftigen. Dieser wird sowohl im Neuen Rathaus als auch im Rathaus II eingesetzt, teilte der Pressesprecher der Stadt Bayreuth, Joachim Oppold, dem bt mit.

Das Sicherheitsunternehmen wird überwiegend im Bereich der Dienststellen mit vielen Besuchern eingesetzt. Seit Oktober läuft diese Maßnahme. Allerdings handelt es sich zunächst um eine Testphase für einige Monate, erklärt der Pressesprecher. Wie es danach weitergeht, sei noch offen.

Landratsamt plant höhere Sicherheitsmaßnahmen

Wie das Landratsamt auf Nachfrage des Bayreuther Tagblatts bestätigte, gibt es dort zum aktuellen Zeitpunkt noch keinen Sicherheitsdienst. Jedoch gebe es auch hier Planungen. Wie das Büro des Landrats weiter mitteilte, sei allerdings frühestens im Mai 2020 mit einer Umsetzung zu rechnen.

Wirtsgogl-G’schichtla: Wie das Holzfraala das Weihnachtsfest rettete

Adrian Roßner, Foto: Privat

Adrian Roßner ist einer der jüngsten Heimatforscher Deutschlands und kommt aus der Region: In seiner bt-Serie „Wirtsgogl-Gschichtla“ gibt er regelmäßig Einblicke in seinen Fundus an kuriosen Geschichten, unglaublichen Erzählungen und Besonderheiten aus unserer Region.

In Teil 14 der Serie erzählt Adrian Roßner vom kleinen Franz, der im dunklen Wald dem Holzfraala begegnet und so mit seiner Familie unerwartet ein wunderschönes Weihnachtsfest feiern kann.

Hier die aktuellste Geschichte des Wirtsgogl als Text und als Podcast zum Anhören.

 

Wirtsgogl G’schichtla #14 als Podcast zum Anhören

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Schlaflos

Es war eine kalte, stürmische Nacht im Dezember – nur mühsam bahnte sich das bleiche Mondlicht seinen Weg durch die dicht mit Schnee und Reif bedeckten Äste der Bäume, ehe es am kahlen Boden glitzernde Muster in die weiße Pracht malte. Der kleine Franz kuschelte sich noch ein wenig fester in seine schon seit einiger Zeit viel zu kurze Decke, als der Wind von neuem gegen die alten Scheiben drückte und ihnen ein gruseliges Knarzen entlockte.

Schon seit drei Nächten hatte Franz nur sehr schlecht schlafen können, was sicher auch an der Aufregung lag, die ihn bereits den ganzen Tag über wild herum hüpfen lassen hatte: Morgen nämlich würde er zusammen mit seinem Vater den Weihnachtsbaum im nahen Wald suchen, abschlagen und nach Hause bringen. Seiner Mutter würde er anschließend helfen, ihn schön mit Äpfeln und Papiersternen zu schmücken, wobei immer ihm die Ehre zuteilwurde, den größten und schönsten aller Sterne auf die Spitze zu stecken.

Sorgen vergessen

Gerade als er sich ausmalte, wie lange er und sein Vater wohl in diesem Jahr brauchen würden, um eine passende Tanne zu finden, übermannte Franz schließlich trotzdem der Schlaf. Er drehte sich ein letztes Mal um, schnaufte tief durch und glitt hinüber in die Welt der Träume, in der er alle Sorgen vergessen konnte, von denen ihm seine Eltern in den letzten Tagen erzählt hatten.

Franz‘ Familie war vor einigen Jahren obdachlos geworden, als ein Blitzschlag das ansehnliche Haus am Marktplatz, in dem sie einst gewohnt hatten, komplett hatte niederbrennen lassen. Gott sei Dank ist dabei niemandem etwas passiert, doch stand die kleine Familie von einen Tag auf den andern vor dem Nichts. Sie mussten einen Großteil ihrer Felder verkaufen und auch die Kühe im Stall gehörten ihnen längst nicht mehr. Von dem wenigen Geld, das sie für die Tiere bekommen hatten, konnten sie sich schließlich eine kleine Hütte oben am Waldrand kaufen, die früher einem Hirten gehört haben soll. Gerade die Winter waren hier oben immer besonders schlimm; denn dann würde der alte Hohlweg ins Dorf hinunter komplett zuschneien und Franz‘ Vater wäre den ganzen Tag damit beschäftigt, sich im Wald nach Feuerholz umzusehen – für Spielen bliebe keine Zeit.

Düsterer Wald. Symbolfoto: Pixabay

Aufbruch in der Dämmerung

In seinem Traum jedoch kannte Franz diesen Kummer nicht: Hier tollte er zusammen mit seinem Freund Lukas, dem alten Wachhund der Familie, über Wiesen und Äcker, warf mit Steinen nach den Krähen, die die Saat fressen wollten und kam abends ausgelaugt, aber glücklich in das große steinerne Haus am Marktplatz, wo seine Eltern schon mit dem Essen auf ihn warteten. Gerade, als er in einen der saftigen Klöße beißen wollte, spürte er etwas warmes, flüssiges im Gesicht und roch einen ekelhaften Gestank nach ranzigem Fleisch – Lukas hatte ihn geweckt und zeigte mit wedelndem Schwanz in Richtung der alten Brettertür, an der sein Vater bereits mit dem Anziehen der Winterklamotten beschäftigt war. Schnell schlüpfte Franz aus dem ohnehin nicht sonderlich warmen Bett, zog sich an und machte sich zusammen mit seinem Vater und Lukas auf in den noch immer im morgendlichen Dämmerlicht liegenden Wald.

Auf der Suche nach dem schönsten Baum

„Weißt du, als ich so alt war, wie du jetzt, bin ich schon mit meinem Vater hier oben gewesen und habe zusammen mit ihm nach Weihnachtsbäumen Ausschau gehalten. Damals wohnten wir noch am Marktplatz und…“ immer, wenn Franz‘ Vater von ihrem alten Leben erzählte, stiegen ihm die Tränen in die Augen und so nahm Franz den Alten auch diesmal bei der Hand, drückte sie fest und sagte aufmunternd: „Mach dir keine Gedanken! Wir zwei werden in diesem Jahr einen Baum finden, der schöner ist, als alle anderen im Dorf!“ Mit noch nassen Augen wandte sich sein Vater an Franz: „Du bist ein guter Junge – ich wünsche dir nur, dass du es einmal besser haben wirst. Verdient hättest du’s auf jeden Fall.“

So stapften die beiden zusammen mit einem träge daneben her trottenden Lukas weiter, hielten hier und da an, um vorsichtig den Schnee von den Ästen einiger Bäume zu schütteln, nur um sie letztlich dennoch stehen zu lassen, da sie ihnen nicht gefielen. Nach einer Stunde Suche machten sie kurz Rast und aßen schnell die beiden dicken Brote auf, die ihnen die Mutter belegt hatte, wobei Franz den letzten Rest wieder einpackte: Mutter meinte es immer zu gut mit ihm.

Spuren im Schnee. Symbolfoto: Pixabay

Immer tiefer in den Wald hinein

Schließlich machten sich die beiden wieder auf den Weg, nur um kurze Zeit später erneut stehen zu bleiben, als Franz Vater einen wunderschönen Tannenbaum etwas abseits des Pfades entdeckt zu haben glaubte. „Franz, ich weiß nicht, wie tief der Schnee da hinten ist. Deswegen möchte ich, dass du derweil hier bleibst – und rühr dich ja nicht von der Stelle – ich bin gleich wieder da! Lukas, du passt gut auf ihn auf, ja?“ Sprach’s und war hinter einer Reihe dürrer Fichten verschwunden. Lukas indes schien irgendetwas gewittert zu haben und streckte seine feuchte Schnauze in die kalte Winterluft, wobei sein Atem kleine Wölkchen zauberte. Mit einem Mal stellte er sich komplett steif hin, sträubte das Fell, bleckte die Lefzen und begann ganz leise zu knurren. „Lukas, was hast denn?“ wollte Franz noch wissen, doch da hatte sich der Hund schon in Bewegung gesetzt und rannte unheimlich schnell für sein Alter in den Wald. „Lukas! Bleib doch da!“ rief Franz ihm noch hinterher, doch sah er schließlich keine andere Möglichkeit, als ihm nachzulaufen – immer tiefer hinein in das dichte Unterholz.

Das Gesicht überwuchert von dichtem Moos

Nach kurzer Zeit fand er seinen alten Freund bedächtig an einem kleinen Dachsbau stehen und neugierig die Nase hineinstecken. Als er Franz sah, wuffte er kurz und setzte sich neben das seltsame Loch in den kalten Schnee. „Ach Lukas, du Blinzdiegel! Wegen diesem dämlichen Dachs habe ich jetzt Schnee in den Schuhen – und frieren tut’s mich auch.“ Mit einem Mal blickte er erschrocken auf: „Wo ist denn jetzt überhaupt der Weg?“ Ängstlich schaute Franz sich um, konnte jedoch nicht einmal mehr erkennen, aus welcher Richtung er selbst gekommen war. „Hallo?“ rief er leise in den Wald, „Hallo? Vater? Bist du da?“ Keine Antwort. „Hallo?!“ diesmal etwas lauter – mit einmal Mal kam es kleinlich zurück: „Hallo.“ Erschrocken blickte Franz sich um, konnte jedoch niemanden entdecken. Da kam’s wieder, diesmal ganz nahe: „Hallo! Hier unten!“ Vor dem Loch stand plötzlich eine kleine, hutzelige Gestalt, die Franz irgendwie an einen Baumstamm erinnerte: Ihre Haut war braun und voller Falten, die Haare grün und sogar ein wenig schleimig, und das Gesicht überwuchert von dichtem Moos.

„Hab keine Angst! Ich werde dir nichts tun. Aber halt bitte dieses Ungeheuer weg!“ Lukas hatte die seltsame Gestalt zwischenzeitlich prüfend abgeschnuppert und sich ängstlich zu Franz verkrochen. „Keine Angst, der tut dir nichts. Aber sag: Wer bist du denn?“ „Ich bin das Holzfraala und wohne hier im Wald. Und du bist doch der kleine Franz, oder? Ich habe deinen Vater schon oft beim Holzsammeln gesehen. Er ist immer schön vorsichtig, wenn er meine Freunde, die Bäume, anfasst und nimmt nur die dürren Äste mit, niemals die noch grünen. Einmal hat er sogar drei Kreuze in denen Stumpf geschlagen, damit ich mich darunter vor dem Wilden Jäger verstecken kann! Aber was machst du denn heute hier?“ „Wir wollten eigentlich einen Christbaum suchen, aber ich habe mich verlaufen.“ Einzelne Tränen kullerten Franz über die Wangen.

Brotzeit für das Holzfraala

„Nanana, das ist doch halb so schlimm. Ich werde dich wieder zum Weg zurückbringen, aber sag mal: Hast du etwas zu essen? Ich hab‘ so schrecklichen Hunger!“ Schnell zog Franz die Reste seiner Brotzeit aus der Tasche und gab sie dem pummeligen Frauchen. „Danke dir! Hast was gut bei mir – so, und jetzt komm mit.“ Behände führte die kleine Gestalt Franz und Lukas durch den dichten Wald, hielt hier und da kurz an, schnupperte in die Luft und setzte seinen Weg fort. Mit einem Mal standen sie wieder auf dem kleinen Trampelpfad – Franz erkannte sogar noch seine eigenen Fußspuren und rief überglücklich nach seinem Vater. Das Holzfraala aber zog ihn noch einmal zu sich herunter, drehte seinen Kopf ein wenig auf die Seite und flüsterte: „Schau mal da hinten. Siehst du den Baum? Den schenk ich dir als Dankeschön für die Brotzeit! Nehmt ihn ruhig mit.“ Und mit einem Mal war es verschwunden. Gerade noch rechtzeitig, denn ansonsten hätte Franz Vater es womöglich noch gesehen, der gerade aus dem Wald herauskam und seinen Sohn überglücklich in die Arme schloss.

Eine alte Fichte als Geschenk

„Franz, Gott sei Dank! Ich dachte schon, du hättest dich verlaufen!“ Schnell stapften die beiden nach Hause, doch nachdem Franz seinem Vater die Geschichte erzählt hatte, die ihm widerfahren war, runzelte der nur kurz die Stirn und machte sich daran, den vom Holzfraala gezeigten Baum zu fällen. Es war eine klapprige, alte Fichte, aber die beiden waren so froh, dass sie sich wiedergefunden hatten, dass ihnen das vollkommen egal war.

Geschmückter Christbaum. Symbolfoto: Pixabay

Am Abend schmückte Franz zusammen mit seiner Mutter den Baum und sank erleichtert und glücklich in das kalte Bett. Wie groß jedoch war die Überraschung, als anstelle des alten Gestrüpps am nächsten Tag ein wunderschöner, voller Christbaum in der Mitte der Stube stand, dessen dicke Äste sich vor lauter Schmuck und Gaben aus dem Wald nur so bogen. Schnell weckte Franz seine Eltern, die das Wunder ebenso verblüfft bestaunten, wie ihr Sohn. Unter dem Baum zog Lukas letztlich ein einzelnes Paket hervor, auf dem in krakeliger Handschrift geschrieben stand: „Frohe Weihnachten wünscht das Holzfraala“. Und darin lag eine neue, flauschige Decke für Franz.


Text: Adrian Roßner


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Kreisausschuss Bayreuth: Was wird aus der Hotelfachschule in Pegnitz?

Am Freitag hat der Kreisausschuss über die Zukunft der Hotelfachschule in Pegnitz diskutiert. Soll die Hotelfachschule weitergeführt werden oder wird der Betrieb eingestellt? Der Kreisausschuss hatte dazu eine eindeutige Meinung.

Anspruchsvolle Situation

Den Schulbetrieb an der Hotelfachschule in Pegnitz komplett einstellen und stattdessen das Gebäude als Außenstelle des Landratsamtes zu nutzen: Diesen Antrag stellte Kreisratsmitglied Hans Hümmer von der Freien-Wähler-Fraktion. Zur gegenwärtigen Zeit sei das ein falsches Signal, meinte Landrat Hermann Hübner, und so sahen dies auch die Kreisausschussmitglieder, die den Antrag mehrheitlich ablehnten.

Holger Bär von der Jungen Liste plädierte stattdessen für den Erhalt der Hotelfachschule. Man sehe die anspruchsvolle Situation, aber man müsse alle Möglichkeiten nutzen, die es gebe, um die Schule zu retten und die Region zu stärken, sagte Holger Bär.

Aktuelle Lage

Laut des Haushalts 2019 hat sich das jährliche Defizit der Hotelfachschule in Pegnitz auf 600.000 Euro gesteigert. Außerdem ist auch der Rückgang von Anmeldungen deutlich spürbar. So haben sich für das Schuljahr 2019 nur acht Schüler bei der Hotelfachschule und 13 Schüler bei der Berufsfachschule zur Ausbildung angemeldet.

Es ist eine schwierige Lage – das will ich nicht beschönigen. Wir wollen aber trotzdem alles versuchen, die Hotelfachschule weiterhin aufrecht zu halten.

(Hermann Hübner, Landrat Bayreuth)

Arbeitskreis soll Erhalt der Hotelfachschule sichern

Neben ihrem Antrag auf den Erhalt stellte die Fraktion der Jungen Liste mehrere Anträge, wie sie die Hotelfachschule attraktiver machen will. Etwa durch einen Arbeitskreis, der Lösungen erarbeiten soll, um den Erhalt auch langfristig sichern zu können. Auch die anderen Fraktionen zeigten sich von diesem Vorschlag angetan.

Von unserer Seite aus gibt es volle Unterstützung und Rückendeckung für die Schule.

(Uwe Raab, SPD-Fraktion)

Freistaat soll Landkreis unterstützen

Zusätzlich soll es einen Antrag beim Freistaat Bayern geben, der eine Übernahme oder eine Beteiligung an der Hotelfachschule in Pegnitz fordert.

Der Freistaat Bayern muss den Landkreis entlasten. Daher sollten wir erneut einen entsprechenden Antrag stellen.

(Karl Lappe, Wählergemeinschaft)

Die entsprechenden Anträge werden nun dem Kreistag zum Beschluss vorgelegt.

Landkreis Bayreuth als Vorreiter: Erstes Wasserstoff-Auto im Einsatz

„Viele diskutieren über den Klimaschutz – wir handeln!“ Mit diesen Worten stellte Landrat Hermann Hübner das erste wasserstoffbetriebene Dienstfahrzeug des Landkreises Bayreuth vor. Im Video über dem Text spricht Hermann Hübner über den Stellenwert des wasserstoffbetriebenen Fahrzeugs für den Landkreis. 

Fünf Wasserstoff-Fahrzeuge in ganz Oberfranken

Im Gegensatz zu Verbrennern und Elektroautos fahren die Wasserstoff-Fahrzeuge völlig emissionsfrei. Mit dem Wasserstoff-Dienstfahrzeug ist der Landkreis nun ein Vorreiter. Denn deutschlandweit gibt es bisher nur knapp 400 Wasserstoff-Fahrzeuge, fünf davon in Oberfranken.

Der Wagen hat eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern und ist innerhalb von wenigen Minuten aufgetankt.

(Frank Still, Projektmanager Toyota Alternative Antriebe)

Eine Investition für die Zukunft

Bereits im Juli ging das neue Dienstfahrzeug des Landkreis Bayreuths in den Probebetrieb. Am Dienstag, den 10. Dezember, stellte Landrat Hermann Hübner das Fahrzeug bei der Wasserstoff-Tankstelle an der Shell-Tankstelle am Kreisel Nord nun offiziell vor. Vor wenigen Monaten wurde die Wasserstofftankstelle als eine von acht in der Metrolpolregion Nürnberg eröffnet. Bis zum Frühjahr soll das Wasserstoff-Tankstellen-Netz bis auf 100 erweitert werden.

Der Landkreis Bayreuth engagiert sich schon längere Zeit für den Klimaschutz und wurde als bayerische Modell-Region für die „Mobilität 2030“ ausgewählt. Mit dem neuen Wasserstoff-Fahrzeug habe man eine zukunftsweisende Investition getätigt, die die Vorbildfunktion des Landkreises unterstützt, sagt Hübner.