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Gessn werd dahaam

Bye, bye (The Show must go on) – die 30. Folge von Gessn werd dahaam

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu und auch die Kolumne Gessn werd dahaam von Christoph Scholz findet mit der 30. Folge ihr vorläufiges Ende. 

Bleed, das Ladengeschäft von Mode- und Umweltaktivist Michael Spitzbarth in Helmbrechts aus der vergangenen Folge von „Gessn werd dahaam“ hat Schreiner Robert Babutzka eingerichtet, den wir heute besuchen.

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Zu Besuch in der Möbelwerkstatt Edictum

Von Helmbrechts geht’s Richtung Osten, wo er im Fleckchen Dietersgrün, nur einen Steinwurf von der Grenze zu Tschechien entfernt, auf dem Albertshof seine Edictum-Möbelwerkstatt betreibt. Wir werden eine gute Stunde dorthin brauchen. Meine Frau Melanie und ich haben zur Zeit Vergnügen daran, auf längeren Autofahrten prähistorische (aus der Zeit, als unser Leben noch normal war) Folgen von Barbara Schönebergers Podcast „Mit den Waffeln einer Frau“ zu hören. Auf der Fahrt von Helmbrechts nach Dietersgrün hören wir das Gespräch mit Sängerin Sarah Connor. Kein Wort von Sie-wissen-schon-was. Herrlich.

Der Albertshof ist ein stattliches Großbauernhaus aus dem Jahr 1842, mit dessen Sanierung Robert Babutzka mit seiner Familie und guten Freunden (Handwerker, Denkmalfreunde, Punker – er nennt sie seine „Saunatruppe“) vor einigen Jahren begonnen hat. Voll in Betrieb ist bereits die Schreinerwerkstatt. Bei unserem Besuch arbeitet er an einem Esstisch aus Bühnendielen der Semperoper in Dresden. Babutzka, der Veranstaltungstechniker war, ist irgendwann auf den Dreh gekommen, ausgediente Bühnenböden in hochwertige Möbelstücke zu verwandeln.

Möbelstücke aus Bühnenböden

Der Esstisch, der hier gerade entsteht, wird aus Dielen vom Holz der Oregon Pine, einer nordamerikanischen Douglasienart, gefertigt. „Mein Kunde kommt aus Österreich und ist selbst im Theater beruflich tätig. Er legt großen Wert auf die Geschichte des Hauses in Dresden, weil er dort bereits tätig war. Auf diesen Brettern hat er also schon gestanden!“ Und: „Sehr viel Zeit nehme ich mir für das Arrangement des Holzes. Denn der richtige Verlauf der Maserung und der dadurch entstehende Charakter des Tisches ist eng mit dem Kunden abgesprochen. Vorher hatte ich bereits einige Muster angefertigt, um verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen. Auch der richtige Einsatz der Gebrauchsspuren der Bühnendielen wird ein wichtiges Charakterelement des Tisches. Denn er darf und muss sogar zeigen, was er früher einmal war: Nämlich für viele die Bretter, die die Welt bedeuten.“

Möbel als 3D-Modell

Ob er für seine Möbel Pläne anfertigt, oder ob alles im Kopf entsteht, will ich wissen. „Die Idee einer neuen Konstruktion entsteht im Kopf, meist zu ungünstigster Arbeitszeit, nämlich nachts. Danach erstelle ich ein bemaßtes 3D-Modell im Computer und fertige das Möbel auf dieser Grundlage maßgenau an. So kann der Kunde alles vorher mitverfolgen und mitbestimmen. Jedoch kann sich während des Baus durch die speziellen Hölzer einiges ändern. Eine alte Eiche aus Kroatien hat viel zu erzählen, bestimmte Elemente werden dann herausgehoben. Zum Beispiel Astlöcher, Risse oder alte Zapfverbindungen. Dies geschieht dann spontan während des Baus. Durch diese Freiheit entsteht immer etwas Wunderschönes.“

Auf der Suche nach Einrichtungstipps für den Stöckelkeller in Unternschreez

Babutzka saniert den Albertshof, wir den Stöckelkeller, die alte Dorfwirtschaft in Unternschreez, wie treue Leser von „Gessn werd dahaam“ bereits wissen. Und so haben wir unseren Besuch benutzt, um mit ihm die Einrichtung unseres dort geplanten Dorfladencafés zu besprechen. Wenn alles klappt, können Sie sich davon ab Sommer 2022 dann selbst ein Bild machen. Wie’s zur Zeit im Stöckelkeller ausschaut und was wir dort vorhaben, können Sie in einem kurzen Video sehen, das Sie in den Tipps am Ende dieser Kolumne finden.

2. Staffel von „Gessn werd dahaam“?

Jetzt, einige Wochen nach unserem Besuch bei Edictum auf dem Albertshof, sitze ich bei uns dahaam am Esstisch (auch von einem außergewöhnlichen Schreiner und „Möbelretter“, Markus Schulwitz vom Antikhof Schönficht, den ich Ihnen in Folge 14 vorgestellt habe), um diese 30. und vorerst letzte Folge von „Gessn werd dahaam“ zu schreiben. Der Stöckelkeller braucht, neben Beruf und Familie, meine ganze Zeit und Schaffenskraft. Ich habe aber die Idee, dass wir uns irgendwann, wenn neue Gedanken und neue Geschichten da sind, mit einer 2. Staffel von „Gessn werd dahaam: Geschichten aus dem Stöckelkeller“ wiederlesen könnten.

„Oberfranken genießen“ als Weihnachtsgeschenk

Aber keine Sorge, Sie werden in und um Bayreuth auch weiterhin bestens rund ums leibliche Wohl betreut. Dafür sorgen der Verein Genussregion Oberfranken mit seinem Projektleiter Norbert Heimbeck und die Dachmarke Bayreuther Land mit ihrer Geschäftsführerin Jana-Lisa Mönch. Bei beiden rufe ich an, um mich abzumelden.

Heimbeck und seine Leute haben mit „Oberfranken genießen“ gerade einen „Wegweiser zu den kulinarischen Schätzen Oberfrankens“ herausgebracht. Warum dieser „Genussatlas“ unter jedem oberfränkischen Weihnachtsbaum liegen sollte, will ich wissen. „Unser Büchlein zeigt die genussreichen Seiten unserer Heimatregion mit allen Mitgliedern der Genussregion Oberfranken, mit vielen Rezepten und Genusstouren aus den Landkreisen. Da findet sich bestimmt die eine oder andere Story, die man noch nicht kannte. Und man bekommt Lust, die Betriebe kennenzulernen. Wir haben uns für die Veröffentlichung gerade jetzt entschieden, weil wir mit dem Buch ein Signal geben möchten: Es kommen wieder entspanntere Zeiten. Und dann ist es schön, zu wissen, wo man gute Lebensmittel bekommt und welche Menschen dahinterstehen.“ Ich werde mir „Oberfranken genießen“ zu Weihnachten selbst schenken, um am ersten Weihnachtsfeiertag, nachdem wir unsere im „Löwen“ in Xees vorbestellte Gans verputzt haben, darin zu schmökern (abwechselnd mit „A Promised Land“ von Barack Obama und „No Rules Rules“ von Netflix-Chef Reed Hastings).

Neue Pläne für die Genussregion 2021

Was steht 2021 in unserer schönen Genussregion an? „Wir arbeiten an der Aktualisierung unseres Zertifizierungsverfahrens für die Gastronomie: Statt wie bislang bei fünf Gerichten auf der Speisekarte wenigstens achtzig Prozent der Zutaten aus Oberfranken zu kaufen, konzentrieren wir uns künftig auf ein Leitgericht, ein ‚signature dish‘, dessen namensgebende Zutaten zu hundert Prozent aus der Region sind. Die Idee dahinter: Als Gast frage ich ja üblicherweise nicht nach ‚den fünf besten‘ Speisen, sondern will wissen, wo es ‚das beste Schäuferla‘ oder ‚das beste Schnitzel‘ gibt. Wir wollen weg von der Betriebszertifizierung hin zu einer Produktzertifizierung. Wir wollen damit zeigen: Alle unsere Speisen sind gut, aber beim Leitgericht sind wir Weltmeister, analog zur Weltmeisterregion bei Brauern, Metzgern und Bäckern.“

Handwerk und Kulinarik in der Region stärken

Was gibt’s bei den Heimbecks zum Fest? „Als ich vor über 30 Jahren nach Bayreuth gezogen bin, habe ich lernen müssen, dass hier an Heiligabend Bratwürste und Kartoffelsalat auf den Tisch kommen. Als gebürtiger Mittelfranke war ich Karpfen gewohnt.“ Sie sehen, es hat nur Vorteile in Bayreuth zu leben. „Am ersten Feiertag wird heuer wohl ein schöner Braten auf dem Plan stehen und am zweiten Feiertag gibt’s nur Kleinigkeiten und Reste. Und natürlich die besten Plätzla der Welt, die meine Frau während der Adventszeit gebacken hat.“

Die Dachmarke Bayreuther Land (eine Idee und Initiative der rührigen Christa Reinert-Heinz) ist eine weitere Säule unter dem Dach der Genussregion Oberfranken. Deren Ziel es ist „das Handwerk, die kulinarischen und traditionellen Genüsse zu stärken – und vor allem sichtbar zu machen“, erzählt mir Jana-Lisa Mönch via Microsoft Teams (unelegant wie alles von Microsoft). „Wir möchten es den Verbrauchern erleichtern, die wirklichen regionalen Produkte zu erkennen.“

Stollen aus dem Bayreuther Land

Eigentlich wollten wir auf dem Dresdner Striezelmarkt unseren Lieblingsstollen aus einer Dresdner Bäckerei holen, was wegen Sie-wissen-schon-was ausfällt. Weil ich die Versandkosten aus Dresden sparen möchte (um mir Herrn Heimbecks neues Buch leisten zu können), wo holt Jana-Lisa Mönch ihren Christstollen? „Ich habe schon einige leckere Stollen aus dem Bayreuther Land probiert, aus der Geseeser Landbäckerei, der Bäckerei Fuhrmann oder aus der Hedelmühle. Ich kann wirklich alle Stollen empfehlen!“ Wo wir schon bei den Süßigkeiten sind: „Mein Advents-Highlight in diesem Jahr sind lauwarme Zimtschnecken mit einer Tasse Schoggo Frängi.“ Letzterer ist eine neue Mischung unserer Freunde von der Rösterei Garten-Café.

Bye, bye „Gessn werd dahaam“

Das passende Weihnachtslied kommt heuer nicht vom Kirchenchor und auch nicht von Wham oder Mariah Carey. Es kommt von der eingangs erwähnten Sarah Connor und heißt „Bye Bye“. Ein Song, der die Stimmung unserer Tage auf den Punkt trifft. Robert Babutzka und ich, beide von Berufs wegen der Entertainmentbranche verbunden, werden es aber wohl weiterhin mit „The Show Must Go On“ halten. Diese fette Queen-Ballade aus dem Jahr 1991 feiert im aktuellen Amazon-Werbespot mit der kleinen Ballerina ihre rührende Renaissance. Im Fernsehen haben Sie die Kurzfassung des Spots bestimmt schon gesehen. Die längere Fassung ist eine kleine Weihnachtsgeschichte für unsere Tage (Link unten).

PS: Ich höre jetzt auf zu schreiben. Unterschreiben Sie aber bitte noch beim Bayreuther Klimaentscheid. Über 1000 Unterschriften sind bereits gesammelt, gut 2000 fehlen noch.

Bye, bye. The Show Must Go On. Happy Holidays!
Ihr Christoph Scholz

Gucken, lesen, hören:

Christoph Scholz

Christoph Scholz

Christoph Scholz ist 45 Jahre alt und Familienvater. Sein Geld verdient er als Projektleiter bei Semmel Concerts. Privat beschäftigt er sich gerne mit den Themen Essen, Trinken, Kochen, Gastronomie und Hotellerie.

Sie erreichen Robert Babutzka unter www.edictum-mobilar.de und info@edictum-mobiliar.de. Foto: Florian MiedlSie erreichen Robert Babutzka unter www.edictum-mobilar.de und info@edictum-mobiliar.de. Foto: Florian Miedl
Eine vegane Brotzeit á la Bleed (Link zum Rezept gibt es unten im Text). Foto: Kristoffer Schwetje/BleedEine vegane Brotzeit á la Bleed (Link zum Rezept gibt es unten im Text). Foto: Kristoffer Schwetje/Bleed
Christoph Scholz zu Besuch im Unverpacktladen Hamsterbacke in Bayreuth. Foto: Christoph ScholzChristoph Scholz zu Besuch im Unverpacktladen Hamsterbacke in Bayreuth. Foto: Christoph Scholz
Verkaufsraum der Geseeser Landbäckerei. Foto: Geseeser LandbäckereiVerkaufsraum der Geseeser Landbäckerei. Foto: Geseeser Landbäckerei
Rapsody of Spices in Kulmbach wird von den Azubis der Firma Raps geführt. Hier im Bild: Natalie Hofmann (links) und Maria Limmer (rechts). Foto: Christoph ScholzRapsody of Spices in Kulmbach wird von den Azubis der Firma Raps geführt. Hier im Bild: Natalie Hofmann (links) und Maria Limmer (rechts). Foto: Christoph Scholz
Christoph Scholz vor dem Meinel Bräu mit den Schwestern Gisi Meinel-Hansen (Mitte) und Moni Meinel-Hansen (Rechts). Foto: PrivatChristoph Scholz vor dem Meinel Bräu mit den Schwestern Gisi Meinel-Hansen (Mitte) und Moni Meinel-Hansen (Rechts). Foto: Privat
Swagman im Industriegebiet. Foto: Christoph Scholz
Möbel
Foto: Christoph Scholz