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“The Deutschland Rally” in Bayreuth: Darum mussten die Fahrer ein Foto machen

Am Mittwochvormittag hat “The Deutschland Rally” in Bayreuth Station gemacht. Das bt hat zwei Teilnehmer am Festspielhaus getroffen.

Braucht das Mehrzweckgebäude am Bayreuther Festspielhaus einen Touchscreen?

Neben dem Friedrichsforum ist das Mehrzweckgebäude am Festspielhaus eines der umstrittensten Bauprojekte aufgrund der Baukosten in Bayreuth. Nun will die Stadt noch in Kunst investieren, die dann das Mehrzweckgebäude zieren soll.

670.000 Euro für ein Klohäuschen in Bayreuth: Jetzt ist es eröffnet worden

Das Mehrzweckgebäude am Bayreuther Festspielhaus ist fertiggestellt. Um die Baustelle noch rechtzeitig zur Eröffnung der Festspiele fertig zu bekommen, hat die Stadt tief in die Tasche greifen müssen. 

Buhrufe für den Falschen – Ein Nachruf für Norbert Balatsch

Norbert Balatsch, langjähriger Chordirektor der Bayreuther Festspiele, ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 92 Jahren gestorben. Die Festspielleitung teilt mit, dass sich “die Festspiele vor einem großartigen Künstler verneigen.”

“Wie können bei einem Toilettenhäuschen die Kosten so durch die Decke gehen?”

Das Mehrzweckgebäude am Festspielpark wird wesentlich teurer als gedacht. Die 130.000 Euro Mehrkosten sorgten auch im Bauauschuss für große Diskussion.

Weit teurer als geplant: Großer Zoff um das Bayreuther Festspielklo

Das neue Mehrzweckgebäude am Bayreuther Festspielhaus soll 130.000 Euro teurer werden als geplant. Bayreuther Stadträte zeigen sich wenig begeistert.

Wagner für Dummies: Tristan und Isolde in fünf Punkten

Bayreuth befindet sich im Festspielfieber. Für alle, die bei Wagner erstmal nur Bahnhof verstehen, hat das Bayreuther Tagblatt den Inhalt der Opern kurz und knapp zusammengefasst. In Teil 2 geht es um “Tristan und Isolde”.


Tristan und Isolde

  1. Mord und Eifersucht: Bei Tristan und Isolde geht es ordentlich zur Sache. Isolde reist zu ihrem zukünftigen Ehemann König Marke. Tristan, der Neffe Markes, soll zwischen den beiden vermitteln. Er hat Isoldes vorherigen Verlobten Morold erschlagen.
  2. Isolde will sich für Morolds Tod an Tristan rächen. Sie verlangt von Tristan, einen Todestrank mit ihr zu trinken. Dumm nur, dass die beiden stattdessen einen Liebestrank untergeschmuggelt bekommen. Aus Hass wird Liebe.
  3. Bei einem Stelldichein erwischt Marke die beiden. Der König ist bitter enttäuscht von seinem Neffen, woraufhin sich Tristan in das Schwert von Markes Gefolgsmann Melot wirft.
  4. Kurwenal, Tristans bester Freund, kümmert sich um den Schwerverletzten. Als Isolde ihrem Geliebten mit dem Schiff hinterher reist, kommt es zum großen Showdown.
  5. Bei ihrer Ankunft reißt sich Tristan seinen Verband von den Wunden und stirbt in Isoldes Armen. Kurwenal erschlägt Melot, dessen Schwert seinen Kumpel so schwer verwundet hatte, und stirbt selbst. Und auch Isolde kann den Schmerz nicht mehr ertragen und stirbt den Liebestod.

Zum Geburtstag: Uraufführung von “Siegfried” im Reichshof

Am Abend wird ein Teil der Bayreuth Festspiele im früheren Reichshof-Kino in der Maxstraße gezeigt, das seit seiner Renovierung eine Kulturbühne ist.

Siegfried heißt das Theaterstück, das die Autoren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel im Auftrag der Festspiele und anlässlich des 150. Geburtstags des Richard Wagner-Sohns auf die Bühne bringen. Im früheren Kino,1927 erbaut, das Siegfried Wagner wahrscheinlich selbst hin und wieder besucht hat.

Ein kleiner Vorgeschmack im Video:

Der Komponist, Regisseur und Dirigent hat die Festspiele selbst von 1908 bis 1930 geleitet. Das Theaterstück zeigt ihn in zwei wegweisenden Situationen: Am Tag der Deutschen Kriegserklärung 1914 und unmittelbar vor seinem Tod 1930.

Er ergreift das Wort und erklärt sich selbst.

(Feridun Zaimoglu, Autor von “Siegfried”)

“Es geht uns um den Künstler, der sagte: ,Ich diente allein der Kunst.’ Es geht darum, ihn als autonomen Künstler zu zeigen, der in verschiedenen Zusammenhängen der Zeitgeschichte agiert, als jemand, den der Fortbestand der Kunst umtreibt, als Künstler und Kämpfer”, sagt Autor Feridun Zaimoglu laut einer Mitteilung des Veranstalters. Die Produktionsleitung hat übrigens Katharina Wagner übernommen.

Das Stück dauert zwei Stunden und wird am Dienstagabend, um 20 Uhr, im Reichshof uraufgeführt. Gezeigt wird es außerdem am 15., 19. und 21. August. Die Abendkasse ist jeweils ab 19 Uhr geöffnet. Ab 19:15 Uhr findet im Foyer der Kulturbühne Reichshof jeweils eine kurze Werkseinführung statt.

Der Chor am Festspielhaus: “Das hier ist kein normaler Betrieb”

Knapp 30 Nationen sind im Bayreuther Festspielchor vertreten. Seit 1992 ist auch die Belgierin Brigitte Marly eine von 151 Sängern am Grünen Hügel. Besonders in Jahren, in denen der “Ring” nicht gezeigt wird, hat der Chor besonders viel zu tun. Dann nämlich werden nur Stücke gezeigt, in denen der Festspielchor mitwirkt. Im Interview mit dem Bayreuther Tagblatt spricht Marly über die Besonderheiten der Bayreuther Festspiele und erzählt aus dem Leben eines Chormitglieds am Grünen Hügel.

Brigitte Marly ist seit 1992 Teil des Festspielchors. Foto: Privat

“Arbeiten am Festspielhaus in Bayreuth ist etwas ganz besonderes”

Brigitte Marly hat in Belgien Gesang studiert. Danach war die heute 58-Jährige an Opernhäusern in ganz Europa engagiert. Doch der Wunsch einmal in Bayreuth aufzutreten war immer da. “Ich bin großer Wagner-Fan. Die Bayreuther Festspiele sind international bekannt. Jeder möchte hier einmal mitwirken.”

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Die Belgierin absolviert inzwischen ihre 28. Spielzeit am Grünen Hügel. Doch im Festspielchor aufgenommen zu werden, ist gar nicht so einfach. Natürlich gibt es, wie an jedem anderen Opernhaus auch, Vorsingen. Dort wird entschieden, wer genommen wird. Im Festspielchor werden allerdings ausschließlich studierte, hauptberufliche Sänger aufgenommen.

Wir arbeiten hier auf einem Niveau, wie kaum in einem anderen Opernhaus. Das wissen wir und das motiviert uns auch immer wieder. Wie wollen nicht nur gut sein, wir wollen sehr gut sein.

(Brigitte Marly, Chormitglied am Festspielhaus Bayreuth)

“Das hier ist kein normaler Opernhaus-Betrieb”

Da es sich bei den Bayreuther Festspielen nicht um ein ganzjährig besetztes Opernhaus handelt, werden die Chormitglieder für zehn Wochen am Festspielhügel angestellt. Über das restliche Jahr arbeiten die Sänger an anderen Opernhäusern oder wie Brigitte Marly, als Gesangslehrerin an Universitäten oder Schulen.

Szene mit dem Festspielchor aus Parsifal 2019. Foto: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath

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Die zehn Wochen, die wir hier am Festspielhaus sind, sind aber ein Vollzeit-Job.

(Brigitte Marly)

“Wir arbeiten schneller und intensiver”

Arbeiten am Festspielhaus in Bayreuth sei für die Sänger eine Sondersituation. Da man nur für zehn Wochen am Grünen Hügel engagiert sei und davon nur fünf Wochen Zeit habe zu proben, müsse alles viel schneller und intensiver ablaufen.

Alle Opern werden gleichzeitig vorbereitet. Daher gibt es auch verschiedene Probebühnen.

(Brigitte Marly)

Chorszene aus Meistersinger 2019. Foto: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath

In den ersten vier Tagen der neuen Festspielsaison finden musikalische Chorsaalproben statt. Hier ist der Chor für sich und übt unter der Leitung des Chordirektors Eberhard Friedrich. Anschließend werden zusammen mit dem jeweiligen Regisseur die verschiedenen Szenen geprobt. In dieser Phase probt das Orchester noch getrennt. Zum Schluss kommt es zu den Bühnenorchesterproben. Dann stehen Solisten und Chor gemeinsam auf der Bühne und proben zusammen mit dem Orchester.

Es geht hier wirklich alles sehr schnell. Man muss, bevor man hierher kommt, schon alles können. Wir können nicht erst hier anfangen zu lernen. Das ist auch vertraglich so geregelt.

(Brigitte Marly)

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“Die Atmosphäre ist einzigartig”

Auf die Frage, was das Engagement am Festspielhaus in Bayreuth so besonders mache, antwortet Brigitte Marly: “Die gesamte Atmosphäre macht Bayreuth so schön.” Egal ob Chor, Orchester, Maskenbildner, Techniker oder Schneider. Alle seien per Du.

Szene aus dem Lohengrin 2019 mit dem Festspielchor. Foto: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath

Wir sind alle hier, weil wir die Festspiele unheimlich lieben. Wir kommen nicht nur hierher um zu arbeiten, sondern da steckt Leidenschaft dahinter. Das ist bei jedem Einzelnen zu spüren.

(Brigitte Marly)

Ekelhaft, nutzlos, hirnverbrannt: Festspiel-Kritik zu Wagners Lebzeiten

Nach den ersten Bayreuther Festspielen im Jahr 1876 stellte der Musikschriftsteller Wilhelm Tappert (1830 – 1927) eine Sammlung von groben und gehässigen Zitaten zusammen, die von den damaligen Kritikern und Spöttern gegen Richard Wagner und seine Werke veröffentlicht wurden. “Das Wörterbuch der Unhöflichkeit” nannte er die Sammlung und gab sie 1877 als Buch heraus.

Einer der heftigsten Kritiker von Richard Wagner war demnach ein gewisser Eduard Hanslick. Wagner revanchierte sich für dessen Verrisse, in dem er die Figur des „Merkers“ Sixtus Beckmesser als Parodie auf Hanslick anlegte. In den ersten Meistersinger-Entwürfen von 1862 war die Rolle des Beckmesser noch als „Hans Lick“ und später „Veit Hanslich“ benannt.

Aus der zweiten, “bedeutend vermehrten und umgearbeiteten” Auflage aus dem Jahr 1903 hat bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller folgende Leckerbissen entnommen. Den aktuell tätigen Regisseuren möchte man danach zurufen, dass sie sich über die Kritik unserer Tage wahrlich nicht beschweren dürfen. Früher klang Wagner-Kritik nämlich so:

Wo die Oper des schildernden Elements sich begibt, wo sie aufhört, “Marine”, und anfängt, “Musik” zu werden, da stehen Wagners Blößen in hellem Licht: die Armut seiner Erfindung und das Dilletantische seiner Methode.”

(Eduard Hanslick, 1859)

Wagners Unglück ist, dass er sich nicht nur für den Dalai Lama selbst hält, sondern auch für des Dalai Lamas Oberpriester in einer Person, und daher jedes seiner Exkremente für den Ausfluss einer göttlichen Eingebung.

(H. Dorn, 1865)

1872: Opernhaus Grundsteinlegung. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung

Opernsänger Vogl, dessen Frau in der Oper “Rheingold” die Partie der drei Rheintöchter singt, hat, wie wir dem Süddeutschen Telegramm entnehmen, gegen den Redakteur des “Münchner Vaterland”, welcher das in der ersten Szene der Oper vorkommende Innere des Rheins als “Hurenaquarium” zu bezeichnen sich bemüßigt fand, Klage wegen Ehrenbeleidigung seiner Frau erhoben.

(Signale, 1869)

Niemals singen ihrer zwei zugleich. Langsam und pathetisch rezitiert einer nach dem andern, während die übrigen stumm und gelangweilt zusehen. Ein drei Stunden langer musikalischer Gänsemarsch.

(Eduard Hanslick, 1869 über die Münchner Aufführung des “Rheingold”)

1865: Tristan und Isolde. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung

Über die Bayreuther Grundsteinlegungsfeier werden wir keinen Bericht bringen, trotzdem uns mehrer zugegangen sind. Wir halten dieselbe für eine Farce, eine mit Wagnerschen Raffinement in Szene gesetzte Komödie, nur darauf berechnet, sich persönlich verhimmeln zu lassen. Manche dort vorgekommenen Szenen sind geradezu ekelhaft.

(Otto Reinsdorf, 1872)

Herr Niemann, welcher in Leipzig gastieren sollte, hat, gestützt auf ein ärztliches Attest, einen Absagebrief geschickt. Wahrscheinlich hat er sich beim Hokuspokus mit der 9. Sinfonie bei der Grundsteinlegung in Bayreuth vollends ausgesungen.

(Berliner Musikzeitung Echo, 5. Juni 1872)

Für den Bazar zugunsten des Wagnertheaters in Bayreuth sind uns die nachfolgenden Gegenstände zugegangen, welche wir an die Haupt-Almosenempfangsstelle demnächst abliefern werden.

  1. Zigarrentasche aus gesprengten Trommelfellen
  2. Klavierauszug aus der Oper “Cosima fan tutti” von Hans von Bülow. Bearbeitet von Kollektanten.
  3. Posanistenbruchband mit dem aufgedruckten Finale des zweiten Aktes der “Meistersinger”.
  4. Eine Garnitur Gehörwattons für “Walkyrenbesucher” etc.

Berliner Montagszeitung, 4. Mai 1874

Walküre 1876. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung

Das hirnverbrannteste Unternehmen, das je ein Künstler oder ein dem Irrenhaus Entlaufender angestrebt hat.

(Lárt musical, Paris 1875)

Ungemein erheiternd ist es, dass in einem hirnverbrannten Kopfe nachträglich noch die Idee auftauchen konnte, dieses an und für sich ganz nutzlose Haus (das Wagnertheater nämlich) auf Kosten der deutschen Nation zu erwerben uns so für alle Zukunft dem mit Wagner getriebenen Götzendienst einen Tempel zu reservieren.

(H. M. Schletterer, Richard Wagners Bühnenfestspiel, 1876)

Außer dem konzessionierten Ausschank von Spirituosen (1. Akt, Szene 2) haben wir auch diesmal in dem Drama keine weitere Handlung bemerkt.

(Berliner Montagszeitung, 4.12.1876)

Das Festspielhaus 1876. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung

Gequassel und Gequatsche, in solchem nudelt sich das Duett von Tristan und Isolde von Seite 111 bis Seite 135 des Klavierauszuges.

(H. Dorn, 1876)

Für eine Flasche Wein in Eis hätten wir mit Vergnügen das ganze Göttergelichter verschenkt.

(Karl Frenzel nach dem 2. Akt der Walküre in Bayreuth, 1876)

Endlosere, ermüdendere, gleichgültige, Bekanntes immer wiederkäuendere Schwätzer hat die Bühne nie gesehen als im “Ring des Nibelungen”.

(H. M. Schletterer, Richard Wagners Bühnenfestspiel, 1876)

1876: Walküre, 1. Akt. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung

Meine tiefinnerste Abneigung gegen eine derartige Dichtung ist so unüberwindlich, dass ich, wenn der liebe Gott in eigener Person zu mir käme, um mich eines Besseren zu belehren, ich zu ihm sagen würde: Allen Respekt lieber Papa, – aber diesmal bist Du im Irrtum.

(Ferdinand Hiller, 1877 über den “Ring des Nibelungen”)

Den Fafner rechnen wir eigentlich nicht mehr zu einer musikalischen Rolle, dennoch sei erwähnt, dass Herr Reß den “Brüllton” nach Möglichkeit traf.”

(“Signale”, 1878, Bericht über die Leipziger Aufführung des “Siegfried”)

Richard Wagner. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung

Die ganze Handlung im Nibelungenringe ist eine so widersinnige Gemeinheit, dass es Wunder nimmt, dass sie aufgeführt werden darf.

(Berliner Fremdenblatt, 6. April, 1879)

Dreißig Mark für eine Vorstellung zu fordern, war eine Beutelschneiderei, was man sah und hörte, war mit dem zehnten Teile dieses Betrages mehr als genug bezahlt.

(“Grenzboten” vom 19. Oktober 1882)

Text: Stephan Müller



Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

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