Schlagwortarchiv für: Geschichte

Stempfermühle zur Sachsenmühle geht zu Fuß in etwa 30 Minuten. Der Wanderweg führt völlig eben am Ufer der Wiesent entlang. Mit Glück kommt sonntags die Museumsbahn vorbei.

Ausflugstipps: Auf Wagners Spuren in der Fränkischen Schweiz

Zwei Wanderungen des Komponisten und seiner Familie sind dokumentiert. Vieles, was die Wagners vor 140 Jahren besucht haben, ist heute nach ihnen benannt.

Irrtum in der Stadtgeschichte: Ein Brandherd, der kein Brandherd war

Wegen eines Schreibfehlers von Gottlieb Heinrich Hagen nehmen noch immer viele an, dass der erste große Stadtbrand in Bayreuth in der Brautgasse entstanden ist. Doch das ist falsch: Die Gasse gab es 1605 nämlich noch gar nicht.

Nach Notre-Dame: Als in Bayreuth die ganze Stadt brannte

Ein Wahrzeichen Frankreichs, die Kathedrale Notre-Dame, ist am Montagabend teilweise abgebrannt. Grund genug einen Blick in die Geschichtsbücher Bayreuths zu werfen. Auch in der Stadt gab es verheerende Brände.

Große Stadtbrände im 17. Jahrhundert

Gleich zwei große Stadtbrände hat es im 17. Jahrhundert gegeben. Beide Mal mit großen Folgen für die Stadt. Bayreuth wurde in dieser Zeit gerade Residenzstadt. Aufgrund der Brände musste der Markgraf seine Hofhaltung dann aber kurzfristig zurück auf die Plassenburg verlegen, weiß Günter Dippold, der Kultur- und Heimatpfleger des Bezirks Oberfranken.

1. Stadtbrand: Die Stadtkirche stürzt ein

Die Brautgasse in Bayreuth: Ausgangspunkt des ersten großen Stadtbrands 1605; Foto: red/sj

Am 21. März 1605 brach in der Brautgasse in einem Haus ein Feuer aus. Da die Häuser hier schon damals sehr nah beieinander standen, breiteten sich die Flammen schnell auf die umliegenden Gebäude aus. Insgesamt waren 137 Wohnhäuser in der Innenstadt von dem Brand betroffen.

Das Gebiet um die Stadtkirche, die linke Seite der Kanzleistraße (in Richtung Altes Schloss) sowie die linke Seite der Maxstraße (in Richtung Spitalkirche) wurden in Mitleidenschaft gezogen. Am meisten litt allerdings die Stadtkirche unter dem Brand. Große Teile des Mauerwerks und das Gewölbe stürzten ein.

Ab 1611 machte man sich dann an den Wiederaufbau unter Verwendung der alten erhaltenen Bauteile. Im Herbst 1614 erstrahlte die Stadtkirche dann in neuem Glanz.

2. Stadtbrand: 200 Häuser brennen

Kanzleistraße mit Blick zum Alten Schloss; Foto: red/sj

Nur wenige Jahre später, am 16. Juni 1621, kam es zu einem zweiten großen Stadtbrand. An welcher Stelle genau der Brand ausbrach, ist nicht bekannt. In Überlieferungen heißt es nur, dass es an zwei Stellen der Stadt gleichzeitig zu einem Feuer kam.

Diesmal fielen 203 Häuser den Flammen zum Opfer. Man schätzt, dass es zu dieser Zeit rund 200 Häuser innerhalb der Stadtmauern gab, womit die komplette Innenstadt von dem Feuer betroffen gewesen wäre.

Weitestgehend verschont blieb beim zweiten großen Stadtbrand das Alte Schloss und die Stadtkirche. Diese wurde zwar an Teilen des Dachstuhls beschädigt, konnte aber sonst gerettet werden.

Stadtfriedhof: Letzte Ruhestätte berühmter Persönlichkeiten – Teil 1

Der Stadtfriedhof ist Bayreuths ältester Friedhof, der bereits seit 1545 existiert. Hier liegen auch einige berühmte Persönlichkeiten begraben. Zusammen mit dem ehemaligen Pfarrer und Dekan Hans Peetz hat sich das Bayreuther Tagblatt auf Spurensuche begeben. Wer fand in Bayreuth seine letzte Ruhestätte?

Der erste Teil der Friedhof-Serie befasst sich mit bekannten Schriftstellern und Journalisten.


Jean Paul

geboren: 21. März 1763
gestorben: 14. November 1825

Grab von Jean Paul; Foto: red/sj

Johannes Friedrich Paul Richter, bekannt als Jean Paul, war seinerzeit der meistgelesene und meistverkaufte Dichter im deutschsprachigen Raum. Er war sogar berühmter als Goethe. Heute trauen sich allerdings nur die wenigsten an seine Werke, da diese sehr schwer zu lesen sind.

Zu Jean Pauls Lieblingsplätzen in Bayreuth gehörte die Rollwenzelei. Dort entstanden bei dem ein oder anderen Bier viele seiner Werke. Tipp: Heute beherbergt die Rollwenzelei in der Nähe der Eremitage ein kleines Museum mit dem Original-Inventar der damaligen Dichterstube im Gasthaus.

An seinem Grabstein erkennt man auch die Heimatverbundenheit von Jean Paul: Der Stein besteht aus Fichtelgebirgsgranit.


Houston Stewart Chamberlain

geboren: 9. September 1855
gestorben: 9. Januar 1927

Grabstätte von Houston Stewart Chamberlain; Foto: red/sj

Houston Stewart Chamberlain gilt als eine der umstrittensten Gestalten, die am Bayreuther Stadtfriedhof begraben sind. Chamberlain war ein englischer Adliger, der in zweiter Ehe die Tochter von Richard Wagner, Eva, geheiratet hat.

Berühmt wurde Chamberlain dann durch seine rassistischen Äußerungen, die er unter anderem in dem Buch „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts“ kundgetan hat. Er galt als Antisemit und war einer der größten Vertreter der Rassenlehre. Später erlangte Chamberlain dann den Status als Ehrenbürger Bayreuths. Einer der Gründe dafür: Er vermachte der Stadt sein Wohnhaus, welches nun das Jean Paul Museum beherbergt.

Erst 1988 wurde Chamberlain die Ehrenbürgerwürde wieder aberkannt. Auch die Chamberlain-Straße wurde 1989 umbenannt. Fun Fact: Auf Google Maps heißt die Straße am Grünen Hügel immer noch so.


Friedrich „Fritz“ Puchta

geboren: 24. November 1883
gestorben: 17. Mai 1945

Grabstätte Fritz Puchta; Foto: red/sj

Friedrich Puchta war Journalist und Sozialdemokrat und engagierte sich politisch sehr stark. So war es auch nicht verwunderlich, dass Puchta als einer der ersten SPD-Reichstagsabgeordneten nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 in „Schutzhaft“ genommen wurde. Auch später wurde er weiter verfolgt und 1944 ins KZ Dachau gebracht. Nur kurze Zeit darauf verstarb Puchta an den Folgen der KZ-Zeit.


Bernd Mayer

geboren: 10. März 1942
gestorben: 2. Dezember 2011

Grabstein Bernd Mayer mit der Schreibmaschine; Foto: red/sj

Bernd Mayer zählt zu den Originalen Bayreuths. Er war Journalist, Heimatforscher und zweiter Bürgermeister in Bayreuth. Bei den Stadtratswahlen hatte Mayer immer die meisten Stimmen. Dadurch wird deutlich welch großes Ansehen er in Bayreuth genossen hat. Seine Leidenschaft war aber der Journalismus. Dies wird an seinem Grab besonders deutlich. Hier ist über dem Namen eine Schreibmaschine in den Grabstein eingraviert.

Übrigens: Bernd Mayer war auch als Redakteur für das Bayreuther Tagblatt, damals noch in der Druckversion, tätig.

Mayer wurde kurz vor seinem Tod zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. 2013 wurde dann auch der Platz an der Stadtkirche nach ihm benannt.


Die weiteren Teile beschäftigen sich mit dem Wagner-Clan und der Markgrafen-Zeit.

Wo die Stadthalle weiterlebt: Der Reichshof macht wieder auf

Endlich ist es soweit. Der Reichshof öffnet in diesem Monat wieder seine Türen. Damit steht eine große Veranstaltungsstätte für die Bayreuther Kultur bereit. Und die Besucher treffen dort auch auf „alte Bekannte“: die roten und grünen Stühle der früheren Stadthalle.

Innenraum Reichshof; Foto: red/sj

Lange konnte der Reichshof nur für einzelne Veranstaltungen genutzt werden. Eine dauerhafte Genehmigung für den Betrieb als Kultur-Spielstätte scheiterte an den Vorgaben. Dreieinhalb Jahre nach der Wiedererweckung des Reichshof konnten die Auflagen für eine dauerhafte Genehmigung nun erfüllt werden.

Der Vorstand: Christian Wedlich (Schatzmeister), Axel Gottstein (1. Vorsitzender) und Dieter Löw (2. Vorsitzender); Foto: red/sj

Möglich machte dies der Verein „Bayreuth Event & Festival“. Durch viel Eigenleistung und der Unterstützung von Gönnern und Sponsoren wurde der Reichshof so umgebaut, dass nun eine Kulturbühne entstanden ist, die knapp 600 Besuchern einen Platz bietet. 150.000 Euro wurden bisher investiert. Trotzdem ist der Verein weiterhin auf Unterstützung angewiesen, auf einen Beitrag der Stadt Bayreuth musste der Verein „Bayreuth Event & Festival e.V.“ nach eigenen Aussagen nämlich verzichten.

Alte Bestuhlung aus der Stadthalle im Reichshof; Foto: red/sj

Die Auflagen der Versammlungsstättenverordnung und zahlreicher Gutachten wurden in den letzten Monaten alle abgearbeitet. Dabei haben wir vom Verein alle mitgearbeitet: Wände abgeschliffen, Stühle montiert oder Platten verlegt.

(Christian Wedlich, Schatzmeister und Mitglied im Vorstand des Vereins Bayreuth Event & Festival)

Im Video über dem Text erklärt Axel Gottstein, Vorsitzender des Vereins „Bayreuth Event & Festival“, was in den letzten Monaten im Reichshof passiert ist.

Geschichtsträchtiger Ort

Die Geschichte des Reichshofs reicht bis weit ins Mittelalter zurück. In dieser Zeit wurde das Haus an einer der zentralen Stellen der Stadt als Gasthof genutzt. 1676 wurde das Haus dann zu einer Post-Station und wurde später unter dem Namen „Hotel Reichsadler“ bekannt.

1925 entstand das „Konzert- und Lichtspielhaus“. Im Krieg wurde das Gebäude allerdings komplett zerstört. Bei den aktuellen Renovierungsarbeiten trat aber über der Bühne eine Gemälde zutage, das darauf hinweisen könnte, dass doch Teile des alten Konzerthauses von 1925 erhalten geblieben sind.

Alte Wandmalerei im Reichshof; Foto: red/sj

Ab 1999 wurde der Betrieb als Kino bis auf weiteres eingestellt.

Neue Kulturstätte in altem Glanz

2009 begannen dann die Pläne für eine Wiederbelebung der Kulturbühne. 2019 ist es nun endlich soweit. Der Reichshof öffnet für Veranstaltungen jeglicher Art seine Tore.

Eingang Reichshof; Foto: red/sj

Am Sonntag haben Interessierte die Möglichkeit an einem „Tag der Offenen Bühne“ zwischen 13 und 17 Uhr einen Blick in den „neuen“ Reichshof zu werfen.

Iwalewahaus

Dichter Erich Mühsam: Ein Abend über Visionen & gescheiterte Träume

Er war einer, der mit Worten für eine Revolution kämpfte. Einer, der Visionen hatte und immer wieder scheiterte. Dichter Erich Mühsam. Sind seine Ideale auch heute noch aktuell?

Erich Mühsam: Sprachrohr der Dichterrepublik

Dichter Erich Mühsam

Erich Mühsam. Foto: erich-muehsam.de

Darum geht es am Freitag, den 5. April im Iwalewahaus. Ab 19:30 Uhr findet eine Lesung zum Buch „Sechs Tage im April: Erich Mühsams Räterepublik“ von Schriftsteller Markus Liske statt, das sich um das Leben des Dichters dreht. Ein Abend, der sich wilden Tagen im Jahr 1919 widmet, bevor die damalige Revolution blutig niedergeschlagen wurde. Denn Dichter Erich Mühsam war das wichtigste Sprachrohr der „Bairischen Räterepublik“, die nur kurz – genauer gesagt von 7. bis zum 13. April 1919 – existierte. Deswegen ist sie auch als „Dichterrepublik“ bekannt. Nun feiert sie 100-jähriges Jubiläum.

Wenn Träume scheitern

Markus Liske, lädt zu einer Reise ein, die im Jahr 1901 in Friedrichshagen beginnt und mit der Festungshaft Mühsams endet. Liske kommentiert dabei Texte, Briefe und Auszüge aus dem Tagebuch Mühsams. Es geht um Visionen und das Scheitern. Pazifist Mühsam wurde zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt. Zwar entkam er der Haft nach fünf Jahren, wurde dann aber einige Jahre später im KZ Oranienburg von Nationalsozialisten ermordet. Hier können Sie vorab ins Hörbuch von Liskes Roman hinein hören.

Die Bayreuther Kulturwissenschaftlerin Dr. Katharina Fink wird am Freitag außerdem einen Vortrag dazu geben, warum das Scheitern von Träumen keineswegs ihr Ende bedeutet.

Katharina Fink

Dr. Katharina Fink, Foto: red / ka

„Wir freuen uns, dass Markus Liske sein neues Buch über die Räterepublik bei uns vorstellt. Denn man kann ja so auf die Räterepublik schauen: Sie ist niedergeschlagen worden, ist gescheitert. Oder aber so: Es gab diesen Traum, und es gibt ihn weiterhin. Und indem wir zusammenkommen und über ihn sprechen, nehmen wir die Träumer ernst – und sprechen darüber, welche Träume von Gesellschaft wir heute haben.“

(Dr. Katharina Fink, Uni Bayreuth)

Veranstalter sind das Evangelische Bildungswerk, der Freundeskreis Iwalewahaus und das Büro Himmelgrün. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Das verwünschte Schloss: Napoleon in Bayreuth

Heute erzählt der Bayreuther Hobbyhistoriker Stephan Müller von Napoleons Besuchen in Bayreuth. Dabei stehen ein Vorhang, ein geplantes Attentat und eine weiße Frau im Mittelpunkt. Doch für uns beginnt die Geschichte im Hofgarten.


Im Bayreuther Hofgarten fand eine Parade Napoleons statt. Foto: Redaktion.

„Vive l‘ empereur“ – es lebe der Imperator – jubelten die französischen Truppen Napoleon Bonaparte zu, als er am frühen Morgen des 16. Mai 1812 im Bayreuther Hofgarten mit seinem Marschall Louis-Alexander Berthier zur befohlenen Truppenparade kam, um seine Soldaten vor dem Russlandfeldzug noch mit Orden und Ehrenzeichen zu bedenken.

Wir wissen aus dem Stadtbuch von Johann Wilhelm Holle, dass er einem französischen Grenadier, der alle Schlachten mitgemacht hatte und der in einer Eingabe um den Orden der Ehrenlegion gebeten hatte, seinen eigenen Orden durch den Fürsten Talleyrand an die Brust heften ließ und dem bayerische Major von Heinisch das Kreuz der Ehrenlegion überreichte. Auch eine Emigrantin, Schwester des damals in Bayreuth lebenden französischen Sprachlehrers La Salle, vergaß diesen Tag nie: Auf Knien bat sie den Kaiser um die Erlaubnis, nach Frankreich zurückkehren zu dürfen. Er bewilligte sofort ihre Bitte. Sie konnte vor Freudentränen kaum danken.

Das Markgräfliche Opernhaus

Das Markgräfliche Opernhaus, Foto: Red

Danach begab sich der völlig übernächtigte und eigentlich immer noch schlecht gelaunte Napoleon zum nicht weit entfernten Markgräflichen Opernhaus. Dort bestaunte er mit seinen Offizieren, seiner Gemahlin Louise von Österreich und deren Hofdame, Herzogin von Belluno das prunkvolle Theater mit dem prachtvollen dunkelblauen Samtvorhang, auf dem der italienische Architekt Giuseppe Galli Bibiena höchstpersönlich den Streit des Apoll mit Pan gemalt hatte. Zu diesem Vorhang und Napoleon hielt sich lange und hartnäckig folgende Legende:

Im Markgräflichen Opernhaus. Foto: Redaktion.

Die Legende vom geklauten Vorhang

Dieser Vorhang auf dem auch die neun Musen des Apolls zu sehen waren, soll nicht nur Napoleon, sondern auch dessen Gemahlin Marie Louise derart gut gefallen haben, dass der Kaiser ihn mit der ihm eigenen Selbstverständlichkeit geklaut haben soll“. Und zwar als Geschenk für Kaiser Franz I. und Maria Theresia, seinen kaiserlichen Schwiegereltern in Wien.

Dort soll das Prachtstück Jahrzehnte später beim schlimmsten Theaterbrand aller Zeiten verbrannt sein: Am 8. Dezember 1881 sollte abends im „Wiener Ringtheater“ die zweite Aufführung nach der gelungenen Uraufführung von Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ stattfinden. Noch bevor sich der angeblich aus Bayreuth stammende Vorhang heben konnte, kam es hinter den Kulissen beim Entzünden der Gasbeleuchtung im Bereich der Soffitten zu einem schrecklichen Unglück. Es handelte sich um fünf Beleuchtungskästen mit 48 Leuchtgasbrennern, die auf mit einem pneumatisch-elektrische Anzünde-Apparat entzündet wurden. An diesem Abend versagte die hochmoderne Zündvorrichtung. Es strömte Gas aus, das beim zweiten Zündversuch explodierte.

Explosion. Foto: Pixabay.

Das Feuer griff sofort auf die leicht entflammbaren Prospektzüge, auf die Kulissen und in den Zuschauerraum über. Eine unglaubliche Pannenserie folgte: Ein durch ein seitliches Fenster einströmender Luftzug fachte das Feuer weiter an, die Notausgänge öffneten sich nur nach innen, so dass die Besucher den Zuschauerraum nicht mehr verlassen konnten. Der Höhepunkt war aber, dass die Polizei im Foyer die Retter aufgrund einer Fehleinschätzung mit dem Hinweis „Alles gerettet!“ von weiteren Rettungsversuchen abhielt. Schließlich war es ruhig im Zuschauerraum. Die späteren fast 400 Todesopfer waren längst bewusstlos…

Ein geplantes Attentat

Doch gehen wir wieder zurück ins Jahr 1812: Erst später wurde bekannt, dass der Bayreuther Kaufmann Fischer aus der Schloßstraße, der heutigen Ludwigstraße, ein Attentat auf Napoleon Bonaparte geplant hatte. Vom Stadtbach Tappert unter seinem Hause unterminierte er die Straße und füllte sie mit Pulver, um den Usurpator während des Vorüberfahrens in die Luft zu sprengen“. Der Russlandfeldzug, die Leipziger Völkerschlacht und Waterloo wären Napoleon und vielen tausenden gefallenen Soldaten erspart geblieben. Doch wir ahnen es: Bayreuther Kaufleute sind als Terroristen gänzlich ungeeignet. Johann Wilhelm Holles Stadtchronik entnehmen wir, dass der Attentäter, warum auch immer, den richtigen Zeitpunkt und damit auch Bayreuths Einzug in alle Geschichtsbücher verpasste.

Fässer mit Schwarzpulver. Foto: Pixabay.

Spuk im Schloss?

„Gehüllt in weiße Witwentracht, im weißen Nonnenschleier, so schreitet sie um Mitternacht durch Burg und Schlossgemäuer“.Auch Napoleon Bonaparte hatte schon von der „Weißen Frau“ gehört, die in allen Hohenzollern-Schlössern, wie im Berliner Stadtschloss, in Ansbach und auch im Alten und Neuen Schloss von Bayreuth, ihr Unwesen treiben soll. Auf dem Zuge nach Russland führte ihn der Weg nach Bayreuth. Dort brauchte der Kaiser ein Quartier.

Er geht auf Nummer sicher. Schon von Aschaffenburg aus gibt er Befehl, dass er nicht in den Zimmern des Neuen Schlosses untergebracht werden will, in denen die „Weiße Frau“ zu erscheinen pflege. Georg Graf zu Münster solle in Bayreuth dafür sorgen, dass die Räume vor seinem Eintreffen nicht betreten werden dürfen. Dann machte er sich auf den Weg und ließ sich sicher ein weiteres Mal die Sage von der „Weißen Frau“ erzählen.

Trieb die Weiße Frau im Neuen Schloss ihr Unwesen? Foto: Redaktion.

Die Sage von der Weißen Frau

Im Jahr 1340 starb ihr Mann Graf Otto von Orlamünde. Er hinterließ die junge Witwe Kunigunde sowie einen Sohn und eine Tochter, die noch keine zwei Jahre alt waren. Schon schnell nach dem Tode ihres Mannes wollte sie den Nürnberger Burggrafen Albrecht dem Schönen aus dem Hause Hohenzollern heiraten. Diese Liebschaft war bereits hofbekannt. Er meinte seine Eltern in dem Albrecht Kunigunde entgegnete, dass der Hochzeit „vier Augen“ im Wege stünden. Doch Kunigunde bezog diese Aussage auf ihre beiden Kinder. Sie stand auf und stieß dem Jungen und dem Mädchen eine goldene Nadel ins Gehirn. Der entsetzte Albrecht sagte sich daraufhin von ihr los.

Kunigunde unternahm eine Pilgerfahrt nach Rom und erlangte vom Papst die Vergebung ihrer Sünde, mit der Auflage, ein Kloster zu stiften und dort einzutreten. Zur Buße rutschte sie auf den Knien von der Kulmbacher Plassenburg in das Tal von Berneck und gründete das Kloster Himmelkron in dem sie als Äbtissin starb. In einer lokalen Variante der Sage hat Kunigunde hatte, auf den Knien rutschend, auf einem Hügel zwischen Trebgast und Himmelkron das Kloster erblickt und ist dort vor Erschöpfung gestorben. Nach ihrem Tod erschien sie als Weiße Frau, um den Hohenzollern, Nachkommen Albrechts, kommende Todesfälle und anderes bevorstehendes Unglück anzuzeigen.

Der Sage nach rutschte die weiße Frau auf den Knien von der Kulmbacher Plassenburg bis ins Tal von Berneck. Hier: Die Plassenburg. Foto: Pixabay.

„Dieses verwünschte Schloss“

Am 14. Mai 1812 erreichte Napoleon Bonaparte dann mit seinem Gefolge Bayreuth. Wir ahnen es: trotz der Vorsichtsmaßnahmen von Graf Münster erschien ihm die Weiße Frau.

Belegbar ist dies durch des Kaisers Verhalten am nächsten Morgen, denn bei der Abreise war der Kaiser in auffallender Weise unruhig und verstimmt. Mehrmals sagte er: „Ce maudit chateau!“ (Dieses verwünschte Schloss). Er gab deutlich zu verstehen, dass er in diesem Schlosse nicht mehr übernachten wolle. Er erkundigte sich auch genau nach dem Kostüme auf dem Bild der Weißen Frau, lehnte aber mit auffallender Heftigkeit das Anerbieten, das Bild herbeizuholen, ab. Und: Er ließ im Schloss die Fußböden herausreißen. Man hat aber nichts gefunden!

Weder Altes Schloss noch Neues Schloss. Napoleon zieht weiter. Foto: Pixabay.

Über ein Jahr später, am 3. August 1813, war Napoleon wieder in Bayreuth und nahm eine große Parade in Bayreuth ab. Ein Kurier hatte den Befehl überbracht, dass er wegen der „Weißen Frau“ nicht im Neuen Schloss absteigen wolle. Es wurden Vorbereitungen für eine Übernachtung im Alten Schloss getroffen, doch bei seiner Ankunft betonte Napoleon, dass er es vorziehe überhaupt nicht in Bayreuth zu übernachten und gleich nach Plauen weiterzuziehen. Dies wurde in die Tat umgesetzt.

Viele Jahre später starb der Kastellan des Neuen Schlosses. In seinem Nachlass befand sich eine Kiste. In der Kiste fand man einiges an dem Zubehör, was ein Gespenst so braucht. Ketten, Rasseln …. und ein weißes Gewand.

Übrigens: Marschall Louis-Alexander Berthier, den wir vom Anfang dieser Geschichte kennen, weil er mit Napoleon 1812 im Hofgarten eine Parade abnahm, starb wenig später gar nicht weit von hier. In Bamberg erinnert eine Inschrift an der Residenz am Domberg noch an den Tod des Marschalls und die genauen Umstände:

Foto: Stephan Müller

Die Bamberger Residenz am Domberg. Foto: Stephan Müller

 


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Text: Stephan Müller


 

Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es künftig hier beim bt.

F.C. Bayerlein: Geschichte eines Bayreuther Familienunternehmens

Noch bis zum 31. März zeigt das Historische Museum Bayreuth die Sonderausstellung „F.C. Bayerlein: Spinnerei, Zwirnerei, Färberei. Geschichte eines Bayreuther Familienunternehmens“. Das Unternehmen war eines von drei großen Spinnereien der Stadt. Von dem Gebäude, das einst da stand, wo heute Arbeitsamt und Arvena Kongress-Hotel stehen, ist nichts mehr erhalten. Allerdings: Als das Bayreuther Tagblatt im Jahr 1956 einhundert Jahre alt wurde, hat es ausführlich berichtet.

Ausschnitt Bayreuther Tagblatt 1956

1809 gründete Johann Gotthelf Bayerlein in der Maxstraße ein „Geschäft für Schnittwaren und Tuche“. Sein Sohn Friedrich Christian wurde dann der Namensgeber für das Unternehmen, das bereits seit den 1820er Jahren Hausweber beschäftigte. Friedrich Christian gab dann bald das Ladengeschäft auf und errichtete 1875 eine Fabrik im „Bayreuther Graben“.

Luftbild aus dem Jahr 1923. Foto: Historisches Museum

Anfang der 1890er Jahre traf dann Eduard Bayerlein die Entscheidung, eine weitere Fabrik in der „Unteren Au“ zu errichten. Diese sollte sich auf Spinnerei spezialisieren. Über Generationen hinweg wurde die Fabrik dann erweitert und modernisiert.

Konkurrent damals: Die Neue Spinnerei, in der heute MedCenter, Pizzeria und Supermärkte sind. Konkurrent Nummer zwei: die mechanische Baumwoll-Spinnerei hinter dem Bahnhof. Ausschnitt aus dem Bayreuther Tagblatt 1956.

In Generationen erbaut – zerschlagen – und wieder erstanden

Nur wenige Tage vor dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde auch der Betrieb der Spinnerei F.C. Bayerlein von Bomben zerstört. Fast drei Viertel der Gebäude mitsamt des wertvollen Inventars fielen dabei der Zerstörung zum Opfer.

Ausschnitt aus dem Bayreuther Tagblatt 1956

So schreibt das Bayreuther Tagblatt in einer Ausgabe 1956:

Dr. Fritz Bayerlein, damals zunächst noch in Kriegsgefangenschaft, ließ nach seiner Rückkehr der Wehmut und Resignation wenig Raum. Sein trotzig-tapferer Entschluss stand bald fest: Es wird wieder aufgebaut, es wird von vorne angefangen!

Fritz Bayerlein wagte nach dem bitteren Ende den Neuanfang und baute die Fabrik wieder auf. Moderner und schöner denn je. Schnell fand der Betrieb zu seinen alten Kapazitäten zurück. Fritz Bayerlein lag aber auch das Wohl seiner Arbeiter am Herzen. So wurde 1949 auch die Unterstützungskasse – für Krankheit, Not und Alter der Beschäftigten eine segensreiche Einrichtung – wiederaufgenommen.

Die Spinnerei wurde nach dem Wiederaufbau bald Deutschlands größter Produzent im Bereich synthetischer Fasern und exportierte viel. Das Wirtschaftswunder wurde in der F.C. Bayerlein Spinnerei lebendig.

Ende eines Familienunternehmens

1972 wurde die Fabrik dann von der Kulmbacher Spinnerei aufgekauft. Das führte 1979 zum Ende der Bayreuther Spinnerei. Die Produktion am Standort Bayreuth wurde eingestellt. Fritz Bayerlein leitete dann eine Firma im Bereich Immobilienverwaltung, die heute von Klaus Bayerlein und seinem Neffen Axel geführt wird.


Die Ausstellung ist noch bis 31. März täglich – außer montags – von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Am Mittwoch und Sonntag findet außerdem jeweils um 14:30 Uhr eine Führung mit Klaus Bayerlein statt.

Erinnerungen an Bayreuths Jahrhundert-Hochwasser

Während man sich in Passau gerade wieder mit Sandsäcken gegen das Hochwasser wehrt, sagt das Bayerische Landesamt für Umwelt für Bayreuth und die Region höchstens Ausuferungen und die Überflutung landwirtschaftlicher Flächen voraus. Niemand mehr in der Stadt erinnert sich daran, dass es auch in Bayreuth einmal Land unter hieß. Beim Jahrhunderthochwasser 1909, von dem heute noch Markierungen im Stadtgebiet zeugen.

Hochwassermarke 1909; Foto: Facebook

Die Jahrhundert-Flut

Im Februar 1909 gab es das bislang schlimmste Hochwasser in Bayreuth. Der Rote Main wurde zum reißenden Strom und der Wasserpegel stieg auf über drei Meter an. Teile Bayreuths glichen wider Willen Venedig. Vor allem die Bewohner des Stadtteils Neuer Weg, dem damaligen Elendsviertels der Stadt, das den heutigen Straßenzügen um Friedrich-Puchta-, Carl-Schüller- und Bahnhofstraße entspricht, versetzte die Flut in Angst und Schrecken. So berichtet es der Heimatbote in einer Ausgabe aus dem Jahr 1992.

Foto: Heimatbote/Archiv Lauterbach

Menschen stolzierten auf Stelzen durch die Straßen. Not-Stege wurden errichtet, um so die Wege passieren zu können und von Haus zu Haus zu gelangen. Mit einem zu Wasser gelassen Waschzuber wurde die Lebensmittelversorgung sichergestellt.

Die gußeiserne Toilette in der Einmündung Mittelstraße/Schulstraße erlebte eine Wasserspülung besonderer Art. Quelle: Heimatbote

Eine Hochwassermarke in der Nähe der Annecy-Brücke weist noch heute auf das Jahrhundert-Hochwasser hin. Die Flutkatastrophe war dann auch Anlass für die Regulierung des Flussbettes.

Der Rote Main als reißender Strom. Die Häuser unweit der heutigen AOK tragen noch 110 Jahre später Spuren. Quelle: Heimatbote

Durch eine Verbreiterung und Kanalisierung sollten Unglücke, wie 1909, vermieden werden. Der Ausbau fand zwischen 1913 und 1916 statt.

Im Februar 1909 wurden in der Mittelstraße Notstege angelegt. Quelle: Heimatbote

Der Main wird zur Baustelle

Heute sind solche Bilder, wie 1909, in Bayreuth unvorstellbar. Die Innenstadt wird seit der Kanalisierung des Mains von Hochwasser verschont.

Foto: Facebook

Der Rote Main, im Sommer kaum mehr als ein Rinnsal, verbreitert sich nach langen Regenzeiten höchstens auf eine „normale“ Flussgröße. Aktuell beträgt der Wasserstand des Roten Mains in Bayreuth laut Hochwassernachrichtendienst Bayern 169 Zentimeter. Eine erste Warnstufe gibt es ab 200 Zentimetern. Kritisch wird es dann ab einem Wert von 326. Seinen Höchststand für März, mit knapp über 210 Zentimetern, hatte der Rote Main am Samstag, den 16. März.

Aktuelle Lage am Roten Main; Foto: red/sj

Die aktuellen Hochwasser-Daten finden Sie hier.

Anders sieht es in der Altstadt aus. Hier tritt die Mistel nach Regen regelmäßig über ihre Ufer. Fotos in den Sozialen Medien zeigen wie es am Wochenende aussah. Einmal mehr entstand ein völlig neuer Flusslauf.

Foto: Facebook

Wirtsgogl-Spezial: Bierbrauen – Gestern, heute und morgen

Adrian Roßner, Foto: Privat

Adrian Roßner ist einer der jüngsten Heimatforscher Deutschlands und kommt aus der Region: In unserer bt-Serie „Wirtsgogl-Gschichtla“ gibt er uns regelmäßig Einblicke ins seinen Fundus:  kuriose Geschichten, unglaubliche Erzählungen und Besonderheiten aus unserer Region. Daneben doziert Roßner an der Universität Bayreuth. 

Vier seiner Studenten haben die neuste Folge im Rahmen des Seminars „Medien und Medienkompetenz im Unterricht“ angefertigt. 

 



Wirtsgogl-Spezial „Bierbrauen – Gestern, heute und morgen“zum Anhören

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Außenansicht Maisel & Friends. Foto: Privat.

Im frühen Mittelalter waren es vor allem die Kirchen und Klöster, die das Handwerk des Bierbrauens praktizierten, da ihren Anlagen die nötigen Rohstoffe, Gerätschaften und Lagermöglichkeiten zur Verfügung standen. In den mittelalterlichen Städten wurde zunächst von privaten Haushalten nur zum Eigenbedarf gebraut. Später entwickelte sich das Bierbrauen nach und nach zu einem Gewerbe, was auch einzelne Hausbrauer motivierte für andere Bürger gegen Bezahlung zu brauen.

Mit dem Anstieg gewerblichen Brauens war es auch wichtig, einen gewissen Qualitätsstandard zu gewährleisten, was 1516 zum Reinheitsgebot führte. Jedoch benötigte man fürs Bierbrauen vielerlei Gerätschaften, die ständig instandgesetzt werden mussten, die Qualität des Bieres musste kontrolliert und die Steuer für den Bierausschank eingetrieben werden. Um all dies zu erleichtern, richteten die Kommunen Brauhäuser ein, in denen die Kommunbrauer gegen Bezahlung der Steuer und des sogenannten Kesselgelds abwechselnd ihr Bier brauen konnten.Im  18. und Anfang des 19. Jahrhunderts existierten in Bayreuth sechs kommunale Braustätten.  Vor allem Bäcker nutzten das Kommunbrauwesen und so kommt es, dass die Tradition der sogenannten Beckenbräuer noch von der Bayreuther Bäckerei Lang betrieben wird, die mehrmals im Jahr ihr Beckenbier ausschenkt. Im 19. Jahrhundert revolutionierten wissenschaftliche und technische Errungenschaften wie beispielsweise die Kühltechnik das Brauwesen. So wurde 1831 in Bayreuth die Bierbrauerei AG von Hugo Baierlein gegründet und 1887 gesellte sich dann die Brauerei Gebrüder Maisel hinzu.

Das Podcast Interview. Foto: Privat.


In einem Interview mit Inhaber Jeff Maisel erfahren wir mehr über die Geschichte des Familienunternehmens, Entwicklung der Biervielfalt und welch eine große Rolle Leidenschaft und Spürsinn für ihn spielen. Bei einer Bierverkostung erzählt uns der Sommelier Michael König von Maisels & Friends mehr über Craft Beer, die Sensorik von einzelnen Bierstilen und von dem innovativen Umgang mit neuen Rezepturen z.B. in Bezug auf Food-Pairing.



Erstellt von:
Maximilian Bär
Marco Hofmann

Lisa Kratzer
Theresa Rupprecht
Maximilian Vogel

Impressionen aus dem Maisel & Friends. Foto: Privat.