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Bayreuther Festspiele 2021 als Public Viewing?

Die SPD-Stadtratsfraktion in Bayreuth möchte prüfen lassen, ob die Bayreuther Festspiele 2021 auch als Public Viewing angeboten werden könnten.

150 Jahre Wagner Festspiele in Bayreuth: Die Planungen laufen bereits für 2026

In fünf Jahren feiern die Wagner-Festspiele in Bayreuth das 150. Jubiläum. Die Planungen der Stadt laufen deshalb bereits jetzt.

250 Jahre Beethoven: Richard Wagner und seine Liebe zu Ludwig van Beethoven

Heute vor 250 Jahren wurde Ludwig van Beethoven getauft. Grund genug für Hobbyhistoriker Stephan Müller einen Blick auf Richard Wagners Affinität zu Beethovens Musik zu werfen. 

Zum 175. Geburtstag – König Ludwig II. und Bayreuth

Zum 175. Geburtstag von König Ludwig II blickt Stephan Müller zurück auf die Verbindung des Königs zu Richard Wagner und Bayreuth. 

So war die Alternative der Eröffnung der Bayreuther Festspiele: Ein Format für die Zukunft?

Das Wahnfried Open Air ist die Alternative zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Die Wagner-Spiele müssen wegen der Corona-Krise ausfallen.

Richard Wagners Urenkelin Eva Wagner-Pasquier feiert ihren 75. Geburtstag

Eva Wagner-Pasquier, Urenkelin von Richard Wagner und ehemalige Leiterin der Bayreuther Festspiele feiert heute ihren 75 Geburtstag.

Was es mit Richard Wagners Karfreitagszauber auf sich hat

Karfreitag steht Richard Wagners Parisfal auf den Spielplänen vieler Opernhäuser. Der Grund: der Karfreitagszauber. Was es damit auf sich hat, erklärt Stephan Müller.

„Der allgemeine Trend banaler Geschmacklosigkeiten“: Geschichten über Wolfgang Wagner

Hobbyhistoriker Stephan Müller aus Bayreuth hat zum 100. Geburtstag Wagners dessen schönste Geschichten aus dem Alltag zusammengetragen.

Wagner-Festspiele: Opernregisseur Harry Kupfer mit 84 Jahren verstorben

Opernregisseur Harry Kupfer ist am Montag im Alter von 84 Jahren gestorben. Er hatte einst große Erfolge am Grünen Hügel in Bayreuth gefeiert.

Weihnachtsüberraschungen mit Familie Wagner

Weihnachten ist das Familienfest Nummer 1. Doch jede Familie gestaltet die Feiertage anders. Wie Richard Wagner und seine Lieben das Fest feierten, verrät bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller.


Keine Worte für solche Freuden

Das Weihnachtsfest wurde von der Familie Wagner stets besonders hingebungsvoll gefeiert. Aus doppeltem Anlass: Denn auch Frau Cosima hatte am Heiligen Abend Geburtstag. Begangen wurde ihr Wiegenfest allerdings immer einen Tag später, also jeweils am ersten Weihnachtsfeiertag. Richard Wagner war immer darauf bedacht, seiner Cosima eine besondere Weihnachtsüberraschung zu bieten. Zwei Mal gelang ihm dies mit gerade erst komponierten Uraufführungen seiner Werke.

Am Sonntag, dem 25. Dezember 1870, kamen Orchestermitglieder der Züricher Tonhalle in das Haus Tribschen und weckten die 33-jährige Cosima in aller Frühe mit dem etwa zwanzigminütigen „Tribschener Idyll“, das später zum „Siegfried-Idyll“ wurde.

Das Foto entstand 1873: Cosimas Kinder Isolde, Eva, Siegfried, Blandine und Daniela. Foto: Bernd-Mayer-Stiftung

Aus Platzgründen spielte nur eine kleine Streicher-Besetzung. Weil die Musiker deshalb im Treppenhaus Aufstellung nahmen, wurde das „Siegfried-Idyll“ von Wagners Kindern auch später nur „Treppenmusik“ genannt. Nach dieser Uraufführung im kleinsten Kreise schritt Richard Wagner mit den Kindern und dem anwesenden Friedrich Nietzsche an Cosimas Bett und überreichte ihr das Manuskript des „Siegfried-Idyll“.

Der Titel des Geburtstagsgeschenks: „Tribschener Idylle mit Fidi-Vogelgesang und Orange-Sonnenaufgang, als symphonischer Geburtstagsgruß seiner Cosima dargebracht von Richard Wagner“.

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Überraschung am Weihnachtstag

Genau acht Jahre später, die Familie Wagner lebte seit vier Jahren im Haus Wahnfried in Bayreuth, überraschte Richard Wagner seine Cosima am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1878 ein zweites Mal: Er bat den Herzog von Meiningen um eine zweitägige Beurlaubung seiner Hofkapelle. Die Musiker trafen einen Tag vor Heiligabend in Bayreuth ein – sozusagen als polyphones Weihnachtsgeschenk.

Kurz zuvor hatte Richard Wagner die Partitur zum „Parsifal“-Vorspiel abgeschlossen. Und dieses weihevolle vorab instrumentierte Werk wurde am ersten Feiertag morgens um sieben Uhr in der Halle des Hauses Wahnfried uraufgeführt – erneut ganz privat. Am Abend gab es zudem ein Konzert mit dem „Siegfried-Idyll“ und Beethoven-Sätzen. Frau Cosima war außer sich vor Entzücken. In ihr Tagebuch schrieb sie wonnetrunken: „O dass man nur Worte hätte für solche Freuden“.

Zu Richards Weihnachtsüberraschungen gehörte auch der so genannte „Kinderkatechismus“, der am 25. Dezember 1873 und ein Jahr später in einer neuen instrumentierten Fassung beim ersten Weihnachtsfest in Wahnfried von den Kindern aufgeführt wurde. Eine Huldigung mit Gesang und Klavierbegleitung für Cosima. Allerdings kann man zumindest hier über den Gehalt von Richard Wagners Dichtkunst streiten:

Wisst ihr Kinder, was blüht am Maitag? Die Rose, die Rose, die Ros im Mai.

Kinder, wisst ihr auch, was blüht in der Weihnacht?

Die Kose, die Kose, die kosende Mama, die Cosimama.

Als die Meininger Hofkapelle morgens um sieben Uhr im Saal von Wahnfried das „Parsifal“-Vorspiel spielte, war Frau Cosima außer sich vor Entzücken. In ihr Tagebuch schrieb sie wonnetrunken: „O dass man nur Worte hätte für solche Freuden“. Der Bayreuther Karikaturist Matthias Ose hat das weihnachtliche Geburtstagsgeschenk in einer Zeichnung interpretiert. Repro: Stephan Müller.

Die „Heilige Familie Wagner“

Aber auch Frau Cosima wusste, wie sie ihrem Richard eine unvergessliche Bescherung bereiten konnte. Für den Heiligen Abend des Jahres 1880 dachte sie sich ein lebendes Bild aus: die „Heilige Familie Wagner“. Cosima, Töchter Eva, Isolde und Blandine mimten die musizierenden Engel, Tochter Daniela saß als Madonna neben dem Jesus-Knaben, der von Wagners einzigen Sohn Siegfried verkörpert wurde.

In ihrem Tagebuch berichtet die Ehefrau über Richards Reaktion: „Das lebende Bild, herrlich gestellt und gehalten von den Kindern, erfreut und ergreift ihn.“

Der beglückte Meister bat sogleich den anwesenden Maler und Freund Paul von Joukovsky, die Szene mit dem Pinsel festzuhalten. Ein bisschen kitschig fiel das Gemälde schon aus, aber – was soll`s“? Der Bayreuther Lokalhistoriker und ehemalige Bürgermeister Bernd Mayer stellte dazu einmal augenzwinkernd fest: „Es war immerhin das erste und einzige Mal, dass sich die Wagners als heilige Familie aufgeführt haben…“

Die „Heilige Familie Wagner“. Der Maler Paul von Joukovsky hielt das „lebende Bild“ vom Heiligen Abend des Jahres 1880 mit dem Pinsel fest. Im Vordergrund Wagnersohn Siegfried (Fidi) als Jesusknabe, neben ihm Daniela von Bülow als Madonna. Eva, Isolde und Blandine mimten die musizierenden Engel. Im Hintergrund erkennt der Betrachter die Bayreuther Stadtkirchentürme. Repro: Stephan Müller.

Hier noch einmal ein Überblick über Richard Wagners schönste Weihnachtserlebnisse:

Am 26. Dezember 1862 fand Wagners erstes Konzert im „Theater an der Wien“ statt. Im Beisein der Kaiserin Elisabeth standen das Vorspiel und zwei Szenen aus den „Meistersingern“ sowie „fertige“ Teile des „Rings“ auf dem Programm. Vor allem nach dem „Walkürenritt“ brandete großer Jubel auf.

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  1. Dezember 1866: Wagner schreibt Stolzings Preislied im dritten Akt der „Meistersinger“ nieder.
  1. Dezember 1870: Richard Wagner führt am Weihnachtsmorgen zu Cosimas Geburtstag das „Siegfried-Idyll“ im Treppenhaus im Haus Tribschen bei Luzern auf. Auch Nietzsche ist anwesend.

Mehr dazu:

Wo das Festspielhaus ursprünglich hin sollte 

  1. Dezember 1873: Familienaufführung des „Kinderkatechismus“ in der Halle von Wahnfried
  1. Dezember 1874: Aufführung einer neuen, instrumentierten Fassung des „Kinderkatechismus“ in der Halle von Wahnfried 
  1. Dezember 1878: Morgens um 7 Uhr spielt das von Wagner engagierte Meininger Hoforchester (unter Wagners Leitung) im Saal von Wahnfried das „Parsifal“-Vorspiel mit Konzertschluss, dessen Partitur vermutlich schon im Oktober, spätestens Anfang Dezember entstanden ist. Abends Konzert mit dem „Siegfried-Idyll“ und Beethoven-Sätzen.

Am Heiligen Abend 1882 führt Wagner mit einem Schülerorchester im Teatro la Fenice seine 1833 im Gewandhaus aufgeführte Jugend-Symphonie in C-Dur auf. Liszt spielt zu Ehren seiner Tochter Klavier. Bei einer Hauptprobe am Vormittag hat Wagner Herzkrämpfe.


Text: Stephan Müller



Stephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.


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