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Buhrufe für den Falschen – Ein Nachruf für Norbert Balatsch

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Norbert Balatsch, langjähriger Chordirektor der Bayreuther Festspiele, ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 92 Jahren gestorben. Die Festspielleitung teilt mit, dass sich “die Festspiele vor einem großartigen Künstler verneigen.”

Jean Paul in Bayreuth: Ein unruhiger Mieter

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Es gibt vielerlei Arten von Mietern. Auch solche, die es nicht lange an einem Ort aushalten. Jean Paul gehörte auch zu dieser Sorte. Nicht weniger als sieben Mal wechselte er in Bayreuth die Wohnung.

Erste Bleibe in der Maximilianstraße

Im Jahr 1804 entschloss sich der damals 40-jährige Schriftsteller Jean Paul in das damals preußische Bayreuth zu ziehen. Mit seiner Frau Caroline und seinen beiden Kindern Emma (zwei Jahre), Max (ein Jahr) und dem Spitz kam er am Sonntag, den 12. August 1804, gegen Abend mit dem Gepäckwagen an und bezog den ersten Stock im Palais der Justizratswitwe Münch, der heutigen Maximilianstraße 9.

Im Vorfeld zog sich über Monate ein Briefwechsel wegen einer geeigneten Wohnung hin. Caroline bestand wegen der beiden Kinder und ihrer dritten Schwangerschaft darauf, „eine untere Etage zu bewohnen, wo keine oder höchstens eine Treppe zu ersteigen ist.“ Erst am Tag nach ihrer Ankunft bemerken die Richters „wie herrlich das Logis“ mit den sechs hohen Zimmern und dem großen Garten ist. Sein Wunsch um Höhe und Blick auf die Berge mussten vorerst zurückstehen.

Heute zeigt sich das stattliche Gebäude mit dem markgräflichen Wappen, der Jahreszahl 1666 und den Initialen des Markgrafen Christian Ernst fast unverändert.

Die erste Bayreuther Wohnung der Familie Richter befand sich im ersten Stock im Palais der Justizratswitwe Münch, heute Maximilianstraße 9. Foto: Stephan Müller.

In der Dürschnitz

Seine “große Bedürfnislosigkeit” ließ ihn jedoch schon im Sommer darauf in der Dürschnitz eine alte, enge aber gemütliche Wohnung im Haus des Registrators Schramm beziehen. Ein „schlechtes Logis vor der Stadt“, von der er aber zumindest die Berge des Fichtelgebirges sehen konnte.

In diesem Haus, das längst abgerissen wurde, schrieb er den größten Teil der Erziehungslehre „Levana“. Über die Dürschnitz führte die ehrwürdige Königsallee zur Eremitage. Im Kriegsjahr 1806 wendete er sich aus Sicherheitsgründen wieder dem Stadtinneren zu und zog am 1. Oktober 1806 in die Steinstraße im Stadtteil Kreuz (heute Kulmbacher Straße / Brauerei Maisel). Gerade rechtzeitig: Denn am 7. Oktober treffen die französischen Truppen aus südlicher Richtung über die Dürschnitz nach Bayreuth ein.

Als sich die Lage wieder entspannt hatte, zog er erst zurück in die Dürschnitz und dann in ein Haus an der heutigen Richard-Wagner-Straße 23 (lange Zeit Spielwaren Wild). Die Umzüge fielen aufgrund des kleinen Hausrates nicht schwer. Erstaunlicherweise hatte der Dichter so gut wie keine Bücher. Er entlieh sich die Bücher lieber, um „die Last fremden Geistes nicht dauernd um sich zu haben“.

In der Friedrichstraße

Am Haus Friedrichstraße 10 (früher Jean-Paul-Cafe) erinnert eine Gedenktafel, dass Jean Paul auch hier wohnte. Am 15. November 1808 zog er in das Haus des Justizkommissars Fischer und damit in die Nähe seines Freundes Emanuel. In dieser Wohnung entstanden seine Werke „Feldprediger Schmelzle“, Dr. Katzenbergers Badereise“ und das „Leben Fibels“.


Die Gedenktafel am Haus Friedrichstraße 10. Foto: Stephan Müller

 Umzug mit Getöse

Am 26. September 1811 musste er die Wohnung räumen. Heute würde man sagen, dass der Vermieter Fischer für seine Schwägerin „Eigenbedarf” geltend gemacht hat. Jean Paul zieht verärgert und deshalb „mit großen Getöse“ in die heutige Maximilianstraße 16. In der Mansarde über der Schlossapotheke findet die Familie ein neues Quartier, das er „Groschengalerie“ nennt. Ein Stockwerk unter der Familie Richter wohnt eine Frau Seebeck mit Mann und acht Kindern, an deren Treiben Jean Paul regen Anteil nimmt.

Das Porträt von Jean Paul im Neuen Rathaus. Foto: Stephan Müller.

Streit mit dem Apotheker

Dagegen bekommt er Streit mit seinem Vermieter, dem Apotheker Braun. Als Jean Paul feststellt, dass dessen Hausmagd seinen Weinkeller plündert, fordert er Braun auf, der Magd „abzudanken“. Der Apotheker kam dieser Forderung nicht nach. Im Gegenteil: Statt der “Magd abzudanken” bekommt die Familie Richter die Kündigung. Jean Paul zahlt es dem Apotheker, dem “rachsüchtigen Schurken“ auf seine Weise heim: Im Roman „Komet“ spielt ein Apotheker eine bedeutende Rolle. Zu diesem Beruf merkt der Schriftsteller an, dass “Menschen am närrischsten würden, von denen es nicht viele in ihrem Stande gebe, wie die Apotheker”.

Im Schwabacher Haus

Im November 1813 kehrte der Schriftsteller in seine geliebte Friedrichstraße zurück, die ihm weit besser gefällt als das „Gassengedärm“ Nürnbergs. Das „Schwabacher Haus“ in der Friedrichstraße 5 (lange Zeit „Jean-Paul-Apotheke“) sollte seine letzte Wohnstätte werden. Das Gebäude wurde zwischen 1740 und 1750 von St. Pierre erbaut. Der Architekt errichtete für die Markgräfin Wilhelmine unter anderem das Markgräfliche Opernhaus und das Neue Schloss.

Zwölf Jahre lebte Jean Paul im „Schwabacher Haus“ Friedrichstraße 5 . Eine Gedenktafel weist auf das Sterbehaus des großen Schriftstellers in. Foto: Stephan Müller.

Im Jahr 1823 schreibt er: „Zu Ende des Januars ging ich von 12 bis 2 Uhr in Schwabachers Garten spazieren – besser für meine Lunge und meinen Kopf als jede Arznei.“ Jean Paul starb am 14. November 1825 im Schwabacher Haus. Eine Gedenktafel erinnert bis heute daran.

Jean Paul ging gerne im Schwabachers Garten spazieren: “Besser für meine Lunge und meinen Kopf als jede Arznei.“ Foto: Stephan Müller.

Jean Paul ging gerne im Schwabachers Garten spazieren: “Besser für meine Lunge und meinen Kopf als jede Arznei.“  Foto: Stephan Müller.

Texte von Jean Paul sind nicht immer trocken. Das beweist seine Erzählung “Testamentsvollstreckung”. 


Text: Stephan Müller


Stephan Müller

Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.

Mehr von Stephan Müller:

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Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile? In Teil 19 der Serie widmet sich bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller den Stadtteilen Aichig, Grunau und Wunau. 

Friedrich Carl Dilchert – Bayreuths Bürgermeister wider Willen

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Zack! Man steht protestierend und verneinend in der Gegend herum und plötzlich ist man Bürgermeister – gegen seinen Willen. So ähnlich erging es Friedrich Carl Dilchert. Mehr dazu gibt’s in Teil sieben der bt-Serie über Bayreuths Bürgermeister. Der bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller blickt zurück.


Ein unbekannter Bürgermeister?

“Über die Person und Amtszeit von Bürgermeister Friedrich Carl Dilchert (1851 bis 1862), der am 30. August 1802 in Bayreuth geboren wurde, ist nicht mehr besonders viel bekannt. Nicht einmal ein Bild von ihm ist erhalten” schrieb der Bayreuther Lokalhistoriker Karl Müssel in seinem Buch “Bayreuth in acht Jahrhunderten”, das er zum 800-jährigen Jubiläum der Stadt Bayreuth im Jahr 1994 herausbrachte. 

Im Frühjahr 2004 meldeten sich jedoch die Urahnen des Bürgermeisters bei dem Bayreuther Markus Barnick, der im Internet bedauert hat, dass von Friedrich Carl Dilchert weder im Stadtarchiv noch im Historischen Museum ein Bild gibt. 

Im Neuen Rathaus kam es dann zu einem Zusammentreffen von Barnick, Dilcherts Nachfahren und dem damaligen Bürgermeister Bernd Mayer. Dort ergab sich zumindest die Möglichkeit, zwei wertvolle Gemälde von Friedrich Carl Dilchert und seiner Ehefrau Rosalie, geboren 1804, abzulichten.

Gegen seinen Willen

Dilchert war von 1851 bis zu seinem Rücktritt im September 1862 Bayreuther Bürgermeister. Nach der Abdankung von Erhard Christian Hagen von Hagenfels, der wegen der Ereignisse im Revolutionsjahr 1848 zurückgetreten war, war es nicht leicht einen neuen Bürgermeister zu finden. 

Drei Jahre dauerte es, bis sich Friedrich Carl Dilchert dazu bereit erklärte. “Gegen meinen Willen”, so schreibt er selbst, “gegen meine Vorstellungen und Bitten wurde ich am 16. November 1848 als Vorstand des Armenpflegschaftsrates und bei der Gemeindeersatzwahl 1851 als Bürgermeister und Magistratsvorstand gewählt.” Als stadtbekannter “Spezereihändler” (für Gemischtwaren, Lebensmittel, Gewürze) war er für Handel und Industrie, den Eisenbahnbau sowie für Erziehung und Unterricht besonders aufgeschlossen.

Vor Ort bei den Festspielen

Dilchert bewohnte wie der spätere Oberbürgermeister Hans Walter Wild, der berühmte Physiker Emil Warburg und dessen Kinder Otto (Chemie-Nobelpreisträger 1931) und Charlotte (1884 bis 1948) das Gut Grunau in der Nähe von Aichig. 

Wie Emil Warburg (1931), der zum Namensgeber einer Stiftung der Bayreuther Universität geworden ist, und Lotte Warburg (1948), die als Schriftstellerin bekannt wurde, starb auch Dilchert, der somit noch die ersten Bayreuther Festspiele (1876) erleben konnte, am 27. Juni 1879 im Gut Grunau. Er vermachte der Stadt eine ansehnliche Stiftung. 

Ausblick

Dilcherts Nachfolger wurde Theodor Ritter von Muncker, der in der Bayreuther Stadtgeschichte immer mit den ersten Bayreuther Festspielen genannt werden muss. Zusammen mit dem Bankier Friedrich Feustel gelang es Muncker, dem der nächste Teil unserer Serie gilt, Richard Wagner an Bayreuth zu binden. Vielleicht unter dem Eindruck einer “Tannhäuser”-Aufführung am 30. Juni 1860, die anlässlich der fünfzigjährigen Zugehörigkeit Oberfrankens zum bayerischen Königreich im Markgräflichen Opernhaus aufgeführt wurde. Bürgermeister Muncker und auch sein Vorgänger Dilchert waren mit großer Wahrscheinlichkeit Zuschauer der ersten Aufführung einer Wagner-Oper in Bayreuth.


Text: Stephan Müller


Die bisherigen Teile der Serie

Erhard Christian Hagen von Hagenfels: Bayreuths erster echter Bürgermeister

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Teil sechs der bt-Serie zu Bayreuths Bürgermeistern. Heute erzählt bt-Historiker Stephan Müller vom ersten rechtskundigen Bürgermeister Bayreuths.


Eine neue Verfassung

Im Jahr 1810 wurde Bayreuth bayerisch. Im Rahmen der Montgelas’schen Reformen wurde bereits am 1. Mai 1808 eine Verfassung erlassen, die nach französischem Vorbild die Grundlage für ein neues, einheitliches aber auch zentralistisches Staatsrecht bildete. Das konnte nicht funktionieren. Nach Montgelas’ Entlassung wurde am 26. Mai 1818 eine neue Verfassung verabschiedet, mit der der bayerische König Max Joseph freiwillig seine Macht beschränkte. 

Damit konnte in Bayreuth mit dem 32-jährigen Erhard Christian Hagen von Hagenfels (17. Juli 1786 bis 28. Oktober 1867) der erste rechtskundige Bürgermeister der Stadt gewählt werden. Bei den Gemeindewahlen wurden in erster Instanz durch Urwahlen die Wahlmänner bestimmt, die anschließend die Mitglieder des Magistrats wählten. Die feierliche Einsetzung des Magistrats fand am 18. November 1818 im Saale “zum Anker” statt

Ein Adeliger

Erhard Christian Hagen von Hagenfels studierte nach seinem Abschluss am Gymnasium Christian Ernestinum in Erlangen und Halle Rechtswissenschaft und “Cameralwissenschaften”. Aufgrund seiner Verdienste als Landtagsabgeordneter, Mitglied der Generalsynode und Vorstand des Bayreuther Magistrats wurde Hagen, der in de Friedrichstraße 17 wohnte, am 11.11.1837 vom bayerischen König in den Adelsstand erhoben. 

Ein Bayreuther in München

Er vertrat lange Zeit die Interessen Bayreuths auch als Landtagsabgeordneter in München. Als sich im Revolutionsjahr 1848 eine Bürgerversammlung im Sonnensaal versammelte, um eine Petition an den König einzureichen, zeigte sich der Hagen gegenüber dem Monarchen loyal. Den seiner Meinung nach zu weit gehenden Forderungen nach Pressefreiheit und einem neuen Wahlrecht verweigerte er seine Unterschrift und erklärte seinen Rücktritt. 

1.500 Gulden Verdienst

Im Jahr 1827 war Hagen Mitbegründer des noch heute rührigen Historischen Vereins, dem ersten seiner Art im Königreich Bayern. Er starb am 28. Oktober 1867 und wurde in einer Gruftkapelle auf dem Stadtfriedhof begraben. Bayreuth war nach dem Rücktritt von Hagen drei Jahre ohne Bürgermeister. Die Amtsgeschäfte leiteten der zweite (bürgerliche) Bürgermeister Apotheker Heumann und später der Kaufmann Schweizer.

Am 16. Mai 1849 wurde das Amt des Bürgermeisters mit einem Gehalt von 1.500 Gulden sogar öffentlich ausgeschrieben. Ein geeigneter Bewerber fand sich jedoch nicht. Erst mit Friedrich Carl Dilchert, der im nächsten Teil unserer Serie vorgestellt wird, bekam Bayreuth mit seinen rund 12.000 Einwohnern im Jahr 1851 wieder einen Bürgermeister.

Erhard Christian Hagen von Hagenfels. Repro: Stephan Müller.


Text: Stephan Müller


Die bisherigen Teile der Serie

Bayreuths Bürgermeister: Eisenbeiß unter Aufsicht

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Unter der bayerischen Herrschaft hatten Bürgermeister in Bayreuth nicht viel zu sagen. In Teil fünf der Serie zu Bayreuths Bürgermeistern, erzählt bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller von einem solchen Bayreuther Bürgermeister “unter Aufsicht”.


Von Franzosen besetzt und verschenkt

In der napoleonischen Epoche war ein neuer bayerischer Staat mit einem stark erweiterten Staatsgebiet und einem König an der Spitze entstanden. Die Proklamation zum Königreich am 1. Januar 1806 wurde durch Bayerns Schlüsselrolle im Napoleonischen Rheinbund und der Austritt aus dem Reichsverband ermöglicht. 

Napoleon. Foto: Pixabay.

Das seit 1792 preußische Bayreuth wurde am 7. Oktober 1806 von 30.000 Franzosen besetzt. Die französische Besetzung dauerte bis zur Unterzeichnung des französisch-bayerischen “Pariser Vertrages” vom 28. Oktober 1810, als Bayern als ” Dank für treue Waffengesellschaft” unter anderem Berchtesgaden, das Innviertel, Salzburg oder die Fürstentümer Regensburg und Bayreuth zugesprochen bekam. Mit der offiziellen Übergabe der Urkunde im Neuen Schloss durch General Compans an den bayerischen Gesandten Rechberg wurde Bayreuth am 30. Juni 1810 bayerisch.

Municipal-Gemeinde Bayreuth

Die Selbstverwaltung war jedoch zu Zeiten der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) oder des Wiener Kongress (1815), der die staatliche Neuregelung Europas regelte, noch in weiter Ferne. Das Gemeindewesen war zentralistisch und obrigkeitsstaatlich. Unter den Begriff Gemeinde fielen Städte, Märkte und Dörfer.

Während kleine Gemeinden unter dem beständigen Kuratel des Staates standen und ohne Genehmigung keine gültigen Gemeindebeschlüsse mehr fassen konnten, durften in größeren “Municipal-Gemeinden”, zu denen Bayreuth mit seinen damals 10.000 Einwohnern gehörte, Räte gebildet werden. 

Wenig zu sagen

So trat in Bayreuth an Stelle des bisherigen Magistrates ein nur vierköpfiger Municipalrat, der nur mit dem Wissen und der Genehmigung der Polizeistelle Beschlüsse fassen durfte. Die Räte waren der bisherige Bürgermeister Eisenbeiß, der Bäckermeister Florschütz aus St. Georgen, Mühlinspektor Bucht und Kupferschmied Amos. 

Sie hatten also wenig zu sagen. Grundlegend änderte sich dies erst nach dem Bayerischen Gemeindeedikt des neu formierten Königreichs Bayern. Nach den gescheiterten Montgelas’schen Reformen wurde im Jahr 1818 wurde die bayerische Gemeindeordnung eingeführt, womit die Stadt hauptberufliche Bürgermeister bekam. 

Ausblick

Der erste rechtskundige Bürgermeister Bayreuths war Erhard Christian Hagen von Hagenfels, den wir im nächsten Teil unserer Serie vorstellen werden. Berühmte Bayreuther Bürger oder Kinder aus diesen Tagen waren Jean Paul (1763 – 1825), Johann Kaspar Schmidt (1806 – 1856), der unter dem Pseudonym Max Stirner in seiner Zeit Berühmtheit erlangte, Dr. Johann Baptist Graser (1766 – 1841), der sich um den Aufbau des Schulwesens sorgte oder Dr. Johann Georg August Wirth (1798 – 1848). Der spätere Hauptredner des Hambacher Festes (1832) besuchte ab 1811 das Bayreuther Gymnasium. 


Text: Stephan Müller


Die bisherigen Teile der Serie

Bayreuths Bürgermeister: Hans David Braun und seine trauernde Witwe

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“Meine Augen threnen gissen, die ich weine Tag und nacht”. Mit diesen Worten trauerte die Witwe des ehemaligen Bayreuther Bürgermeisters Hans David Braun nach seinem Tod. In Folge vier der bt-Serie zu Bayreuths Bürgermeistern beleuchtet bt-Kolumnist Stephan Müller Braun, einen Gedenkstein und mehr.


Ein Stein zu Ehren eines Bayreuther Bürgermeisters

“Mein Wandrer stehe still – beschaue diesen Stein, und liß die schwartze Schrift, denckstu Was mag es seyn, so wiße daß hier ein Trauerfall geschehen. Herr Bürgermeister Braun ist hier am schlag erblast.”

So beginnt die lange Inschrift auf dem “Braunstein”. Der schöne barocke Gedenkstein, der rund zwei Kilometer nordwestlich von Eschen am Vogelherd zu bewundern ist, ist Hans David Braun gewidmet. Der Bayreuther Bürgermeister verstarb am 22. Februar 1702 an dieser Stelle.

Rund zwei Kilometer nordwestlich von Eschen steht am Vogelherd ein schöner barocker Gedenkstein, der Hans David Braun gewidmet ist. Der Bayreuther Bürgermeister verstarb am 22. Februar 1702 an dieser Stelle. Foto: Stephan Müller.

Eine Rechnung als Beweis

Während die Bevölkerung in der Eckersdorfer Gegend lange vermutete, dass es sich dabei um den Wonseeser Bürgermeister handelte, konnte der Bayreuther Stadtarchivar Walter Bartl beweisen, dass es sich um das Bayreuther Stadtoberhaupt handelte, der gleichzeitig “Spitalmeister” war. 

Ein erster Hinweis ist freilich schon der Titel des Bürgermeisters, der nur in der Stadt verwendet wurde. Die Dorfvorsteher hatten das Amt des “Schultheiß” inne. Einen noch besseren Beweis lieferte Bartl jedoch eine Hospitalrechnung aus dem Jahr 1702. 

Tafel am Braunstein. Foto: Stephan Müller.

Eine trauernde Witwe

Das Papier sichert der Witwe des “seligen Herrn Bürgermeister Braun” nicht nur das Gehalt ihres am “22. Februar” verstorbenen Mannes für ein Vierteljahr zu, sondern bestätigt für diesen Tag auch Brauns “Dienstreise” in diese Gegend. Im Zuge von “Spitalverrichtungen” war der Spitalmeister Braun vermutlich nach Tannfeld oder Trumsdorf unterwegs, um die Steuern für die Nutzung von spitaleigenen Grundstücksflächen zu kassieren.

Auf der Rückseite des “Braunsteins” beklagt die trauernde Witwe den Tod ihres Mannes: 

“Meine Augen threnen gissen, die ich weine Tag und nacht” (…) Weil mein Schatz ließt Todt verblichen, mein Schutz ist Von mir gewichen.”

Braun in Bayreuth

Neben diesem Gedenkstein Braunstein erinnert heute noch die Braunhofstraße im Bayreuther Stadtteil Altstadt an den ehemaligen Bürgermeister. Der Braunhof selbst (Tierarztpraxis) und das Haus Maximilianstraße 28 mit dem doppelköpfigen byzantinischen Reichsadler (bekannt als “Reichshof”) waren zumindest zeitweise im Besitz von Hans David Braun. 

Der Reichshof. Foto: Stephan Müller.

Regiert hat in dieser Zeit noch der Markgraf Christian Ernst (1655 bis 1712), der hoch über den Brunnen vor dem Neuen Schloss thront. Sein Sohn, Erbprinz Georg Wilhelm (1712 bis 1726), war gerade im Begriff (ab 1701) in der Nähe von Bayreuth am Ufer des Brandenburger Sees die planmäßig angelegte Stadt Sankt Georgen mit dem Schloss und der Ordenskirche zu errichten. 

Ausblick

Im nächsten Teil unserer Serie wenden wir uns einer Zeit zu, in der die Bayreuther Bürgermeister wenig zu sagen hatten. Während der französischen Besetzung und in den ersten acht Jahren unter bayerischer Herrschaft stand der Rat unter Aufsicht…


Text: Stephan Müller


Die bisherigen Teile der Serie