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Geschichte
Bayreuther Stadtteile: Aus Bocksreuth wird Meyernberg
Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen der Bayreuther Ortsteile?
Woher kommen eigentlich die siedlungsgeschichtlichen Namen unserer Bayreuther Ortsteile? In Teil vier der Stadtteil-Serie blickt bt-Hobbyhistoriker Stephan Müller auf den Bayreuther Ortsteil Meyernberg.
Dank Eitelkeit zum Namen Meyernberg
Einer gewissen Eitelkeit des Hof- und Landschaftsrats Johann Gottlieb von Meyern verdankt der Bayreuther Stadtteil Meyernberg seinen Namen. Er nutzte eine Notlage von Markgraf Friedrich aus, um sein Gut, in dem heute das Stadtgartenamt untergebracht ist, nach seinen Namen umbenennen zu dürfen. Aber dazu später mehr.
Johann Gottlob von Meyern war der Sohn von Johann Anton Meyern, dem Thurn- und Taxis‘schen Post- und Botenmeister von Bayreuth. Dieser erwarb nach und nach die Grundstücke aus dem 1713 aufgelösten Gut Bockshof. Im Bayreuther Landbuch von 1398 ist die Siedlung noch unter Poxreuth (Bocksreut) erwähnt, so dass es sich offenbar um eine Rodung („reuth“) einer Familie Bock handelt.
Johann Anton Meyern, der sich von Kaiser Karl VI. vermutlich mit für viel Geld adeln ließ, übergab den Bockshof im Jahr 1752 für 3.500 Gulden an seinen Sohn Johann Gottlob.
Der Familie gehörten zahlreiche schöne Häuser und Güter, wie die Rittergüter Ramsenthal und Crottendorf, die „Postei“ an der Friedrichstraße oder ein prächtiges Haus an der Friedrichstraße, dass Johann Gottlob von Meyern im Jahr 1753 an Markgraf Friedrich verkaufte.

Das Haus an der Friedrichstraße wurde von Johann Gottlob von Meyern an den Markgraf Friedrich verkauft. Foto: Stephan Müller
Der Landesherr suchte nämlich nach dem Brand des Alten Schlosses im Januar 1753 dringend ein standesgemäßes Wohnhaus. Später machte der Markgraf das Gebäude, in dem heute an der Ecke Friedrichstraße/Wilhelminenstraße das Verwaltungsgericht untergebracht ist, zu seiner „Akademie der freien Künste“.
Ein frecher Deal
Heute würde man von einem „Deal“ sprechen: Johann Gottlob von Meyern nutzte mit der Notlage des Markgrafen die Gunst der Stunde. Mit einem „Ersuchen“ bat er Markgraf Friedrich um die Erlaubnis, den Bockshof nach seinem Namen „Meyernberg“ zu benennen. Darüber hinaus durfte das bisher amtslehenbare Gut ein Jahr später in ein „Mann- und Weiber lehenbares Rittergut“ umwandelt werden.
Friedrich und seine Gattin Wilhelmine werden das Rittergut wohl gekannt haben. Schließlich lag es am Fuhrweg in Richtung Hollfeld, der vom markgräflichen Paar häufig für Fahrten nach Donndorf, Sanspareil oder nach Erlangen genutzt wurde.
Schließlich wurde die immer noch erhaltene Allee angelegt, um dem Markgrafenpaar in ihrer Kutsche Schatten gegen die brennenden Sonnenstrahlen zu bieten. Nebenbei: Natürlich dienten die Alleen auch im Winter zur Orientierung und boten die Bäume so manchen Wanderer schnellen Schutz, um nicht von einer vorbeirasenden Kutsche „gerädert“ zu werden.
Maulbeerbäume „auf“ Österreich
Interessant ist, dass Johann Gottlob von Meyern neben seinem Schloss eine am Ende allerdings wenig einträgliche Seidenraupenzucht anlegte. Nachdem sich die Seidenraupe ausschließlich von Blättern des Maulbeerbaums ernährt, legte er eine „Plantage“ dieser Baumart an. Wie viele Maulbeerbäume dies waren und wo sie genau standen, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Vielleicht auf dem Gelände mit dem alten Bayreuther Flurnamen „Österreich“, das sich heute zwischen dem Stadtgartenamt und dem Klinikum befindet.
Am 23. Jänner 1764, nur wenige Monate nach dem Tod des Markgrafen Friedrich verkaufte Johann Gottlob von Meyern sein Rittergut Meyernberg samt Inventar für 10.500 Gulden und 100 Species-Dukcten-Leykauf an den Kammerdiener Carl Emanuel Hornberger, verließ Bayreuth und trat in die Dienste von Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel.
Herzog Alexander erwirbt Meyernberg
Im 19. Jahrhundert erwarb Herzog Alexander von Württemberg das Gut Meyernberg. Der Herzog erreichte übrigens beim Senat in Frankfurt, dass sich seine Frau, das Waisenkind Amalie Katharina Pfennigkäufer, fortan „Emilie von Meyernberg“ nennen durfte.
Die Bayreuther „Madame Belle Époque lebte bis zu ihrem Tod am 31. März 1915 im Reitzenstein-Palais, das ab 1916 zum Bayreuther Rathaus wurde. An dieser Stelle steht heute die Hauptstelle der Sparkasse Bayreuth. Im Meyernberger Rittergut befindet sich seit 2. November 1964 das Stadtgartenamt.
Meyernberg wurde 1938 nach Bayreuth eingemeindet. Auch der Name von Johann Philipp von Meyern, einem Sohn des Gründers von Meyernberg, lebt in der Stadtgeschichte fort. Der General, der nach vielen Jahre in holländischen Dienst in seine Heimatstadt zurückkehrte und auch 1822 in Bayreuth starb, baute sich in der Nähe der Eremitage eine schöne Villa, die noch heute nach ihm benannt ist. Die „Philippsruhe“.
Stephan Müller
Stephan Müller (54) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es immer wieder hier beim bt.



Ein Festzug zieht an einem "Siebener"-Kasernengebäude in der Hartmannstraße (heute Ludwig-Thoma-Straße) vorbei. Im Hintergrund ist der Justizpalast zu erkennen. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Das Versorgungskrankenhaus heißt heute "Krankenhaus Hohe Warte". Foto: Archiv Elfriede Müller
Wenige Tage, nachdem in der deutschen Kolonie Kamerun die deutsche Fahne gehisst wurde, benannten Festspielmitwirkende das Forsthaus um: "Dort ka ma ruhn". Foto: Archiv Bernd Mayer.
Gartenstadt-Villen an der Nibelungenstraße. Foto: Archiv Bernd Mayer
Die Stadtansicht zeigt Bayreuth um 1680. Der Hof-Musikus Georg Carl war 1675 am Hofe des Markgrafen Christian Ernst im Stadtschloss (links) in Anstellung. Foto: Archiv Bernd Mayer
Die Haltestelle Kreuzstein, die an einer Abzweigstelle eingerichtet wurde. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Der Stadtteil Jakobshof in Bayreuth. Foto: Stephan Müller
Die Hohlmühle Bayreuth. Foto: Stephan Müller
Schulbrücke zum Neuen Weg 1970. Foto: Archiv Bernd Mayer
Die Gaststätte "Am Schlachthof" fiel der Spitzhacke zum Opfer. Foto: Archiv Bernd Mayer

Postkarte vom Stadtteil Kreuz mit den Fabriken um 1900. Foto: Bernd Mayer Archiv
Luftaufnahme des Bayreuther Stadtteils Aichig. In der Orionstraße soll das Industriegebiet erweitert werden. Foto: Stadt Bayreuth
Die Herzogmühle um 1900. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Ein beliebte Ausflugsgaststätte war das "Restaurant am Stuckberg". Foto: Archiv Ernst-Rüdiger Kettel.
Luftaufnahme von Seulbitz. Foto: Archiv Joachim Schmidt.
St. Georgen und das Festspielhaus. Foto: Stephan Müller.
Bahnübergang Dürschnitz. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Wagnerianer und Kenner des "Rheingold" wissen was gemeint ist: "Zur Burg führt die Brücke" heißt es im letzten Akt von Wagners "Rheingold". Auch hinter dem Hauptbahnhof führt eine Brücke zur Burg. Foto: Stephan Müller.
Das Gelände zwischen den Ortsteilen Meyernberg und Oberpreuschwitz hat den Flurnamen "Österreich", das "ein Gebiet nach Osten begrenzt". Der ungewöhnliche Blickwinkel auf die Reha-Klinik und das Neubaugebiet von Oberpreuschwitz wurde durch einen Hub-Kran auf dem Gelände des Stadtgartenamtes bei einem "Tag der offenen Tür" möglich. Foto: Stephan Müller.
Die Brauerei J. Friedel. Foto: Archiv Bernd Mayer Stiftung.
Bayreuths Stadtteil Moritzhöfen mit dem Wilhelm-Leuschner-Geburtshaus. Foto: Susanne Monz
Blick auf das Festspielhaus im Jahr 1880. Im Vordergrund ist das alte Bahnhofsgebäude und das Bahnhofshotel zu sehen. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Bayreuths Stadtteil Oberpreuschwitz. Foto: Archiv Bernd Mayer
Schloss im Bayreuther Stadtteil Colmdorf. Foto: Stephan Müller
Luftaufnahme vom Stadtteil Glocke 1999. Archivfoto: Stephan Müller
Die Untere Au in Wendelhöfen mit Blick auf die Stadt Bayreuth. Foto: Stephan Müller
Das Stadtgartenamt in Meyernberg. Foto: Susanne Monz
Siedlung Rabenstein um 1920. Foto: Archiv Bernd Mayer.
Schloss und Park Birken, Foto: P. Rothenbücher KG
Historisches Luftbild von der Saas. Foto: Archiv Bernd Mayer 








Das Sommernachtsfest in der Eremitage. Foto: BMTG
Freddy Plewe verfolgt mit seiner Karateschule ein besonderes Konzept. Foto: Susanne Monz